29.06.2020

Insektenschutz: Nix sticht mehr

von Dr. Claudia Bruhn

Balkonien oder Badesee? Ganz gleich, wo Kunden in diesem Jahr Urlaub oder Freizeit verbringen, Insektenschutz bleibt wichtig. Mit ihrem Fachwissen können PTA sie bei der Präparatewahl unterstützen.

© jonnysek / Getty Images / iStock

Fortbildung

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  • Bei Freizeitaktivitäten und im Urlaub gewinnt der Insektenschutz immer mehr an Bedeutung, da Zecken und zunehmend auch Mücken durch ihre Stiche gefährliche Krankheiten übertragen können.
  • Es stehen zahlreiche Repellenzien in verschiedenen Anwendungsformen zur Verfügung, wobei DEET und Icaridin derzeit die wirksamsten Inhaltsstoffe sind.
  • Maßnahmen wie die Verwendung von Mückennetzen, Insektengittern an den Fenstern und gegebenenfalls Insektiziden zur Imprägnierung der Kleidung oder für die Anwendung in Innenräumen bieten zusätzlichen Schutz.

Mücken und Zecken sind gleichermaßen unbeliebt. Die Produktpalette zum Schutz vor ihren Stichen ist mittlerweile so breit, dass die Auswahl schwer fällt und verunsicherte Kunden häufig Rat in der Apotheke suchen.

Lernziele Insektenschutz

Nach Lektüre dieser Lerneinheit wissen Sie ...

  • was Gelsen oder Sandmücken sind und was sie anrichten.
  • wieso die Hyalomma-Zecke in Deutschland vorkommt.
  • welche Wirkstoffe Insekten abwehren.
  • welche Repellenzien sich für besondere Kundengruppen wie Kinder, Schwangere
  • oder Menschen im höheren Lebensalter eignen.
  • welche Zusatzmaßnahmen Insekten fernhalten.

Mücken

Mücken sind zweiflüglige Insekten, für die es regional verschiedene, umgangssprachliche Bezeichnungen gibt. So werden Stechmücken beispielsweise in Österreich als Gelsen, in einigen Regionen Bayerns dagegen als Fliegen bezeichnet. Zu den blutsaugenden Mücken gehören hauptsächlich die Familien der Gnitzen, Kriebelmücken, Stechmücken und Sandmücken. Jede dieser Familien umfasst mehrere hundert bis tausend Arten. Stiche verursachen nur die weiblichen Mücken, da sie nach der Befruchtung für die Eientwicklung eine proteinreiche Blutmahlzeit benötigen. Dagegen besitzen die männlichen Mücken nur einen Saugrüssel, mit dessen Hilfe sie sich von Nektar und Pflanzensäften ernähren. Die häufigste Mückenart in Europa ist die Gemeine Stechmücke, die auch als Nördliche Hausmücke bezeichnet wird. Mückenarten, die früher nur in den Tropen und Subtropen vorkamen, haben sich zum Teil auch in nördlichen Regionen verbreitet. Als Ursache vermutet man die Globalisierung und Klimaveränderungen.

Stich

Beim Stechen spritzt die Mücke Speichel in die Hautschichten und das getroffene Blutgefäß. Der Speichel enthält verschiedene Proteine, die örtlich betäubend und blutgerinnungshemmend wirken. Der gestochene Organismus (= Wirt) reagiert mit der Ausschüttung des Botenstoffes Histamin, der an der Einstichstelle zur Rötung der Haut, zu Quaddelbildung und Juckreiz führt.

Wussten Sie, dass ...

  • Mücken nicht, wie andere Insekten, durch Licht, sondern durch bestimmte Körperausdünstungen wie Schweißgeruch und das Kohlenstoffdioxid in der Ausatemluft angezogen werden?
  • es nicht an „süßem Blut“ liegt, wenn einige Menschen häufiger gestochen werden als andere?
  • vermutlich die Hauttemperatur und -feuchtigkeit, der Cholesterolgehalt des Blutes oder der Hormonspiegel ausschlaggebend dafür sind, ob eine Person für Mücken besonders „attraktiv“ ist?
  • hohe Temperaturen, Abrieb der Haut durch Kleidung oder starkes Schwitzen die Wirkdauer eines Repellents verkürzen?

Krankheitsüberträger

Wenn Mücken ein infiziertes Tier oder einen infizierten Menschen stechen, können sie mit dem Blut auch Viren oder Bakterien aufnehmen. Beim nächsten Stich ist dann die Übertragung der Krankheitserreger auf einen neuen Wirt möglich.

Die bekanntesten und häufigsten krankheitsübertragenden Mücken zählen zu den Stechmücken, die sich vor allem in die drei großen Gruppen beziehungsweise Gattungen Anopheles, Aedes und Culex einteilen lassen. Daneben sind noch die Kriebel- und Sandmücken von Bedeutung.

Anopheles-Mücken-- Sie kommen weltweit, vor allem in tropischen und subtropischen Regionen vor. Sie übertragen Protozoen der Gattung Plasmodium, die verschiedene Formen der Malaria hervorrufen. Plasmodium falciparum zum Beispiel ist der Erreger der Malaria tropica. Das Besondere am Lebenszyklus der Plasmodien ist, dass in den Mücken die geschlechtliche Vermehrung stattfindet, im Menschen dagegen die ungeschlechtliche.

Aedes-Mücken-- Sie können die Erreger verschiedener tropischer Erkrankungen übertragen. Beispielsweise werden durch einen Stich der Weibchen der Ägyptischen Tigermücke (Gelbfiebermücke, Aedes aegypti) oder der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopticus) Gelbfieber-, Chikungunya-, Denguefieber- und Zika-Viren von Mensch zu Mensch übertragen. In den Jahren 2015 und 2016 kam es in Lateinamerika zu einer Epidemie von Zikavirus-Erkrankungen. Sie wurden vor allem für Schwangere als gefährlich eingestuft, da die Infektion das Risiko für Missbildungen bei den Feten erhöhte (Mikrozephalien). Durch den internationalen Reise- und Warenverkehr sind Tigermücken in den letzten Jahren auch nach Europa gelangt.

Culex-Mücken-- Die Gemeinen Stechmücken übertragen beispielsweise das West-Nil-Virus, den Erreger des West-Nil-Fiebers. Diese Erkrankung kann bei älteren Menschen und Personen mit Immunschwäche zu Komplikationen wie Gehirnentzündungen führen.

Kriebelmücken-- In tropischen Regionen Afrikas und Amerikas können Kriebelmücken Mikrofilarien von Mensch zu Mensch übertragen. Das sind Jugendstadien von Fadenwürmern, die die Flussblindheit (Onchozerkose) hervorrufen.

Sandmücken-- Die im Gegensatz zu den anderen Mücken winzigen Tiere sind in den Tropen und Subtropen beheimatet und wurden mittlerweile auch in Europa nachgewiesen. Bei einem Stich können sie Leishmanien auf den Menschen, aber auch auf Hunde übertragen. Leishmanien sind Parasiten, die die Infektionskrankheit Leishmaniose hervorrufen, die in verschiedenen Arten auftritt.

Zecken

Die Spinnentiere besitzen Mundwerkzeuge, mit denen sie in das Gewebe des Wirtes eindringen und Blut heraussaugen. Wie bei den Mücken enthält auch der Speichel der Zecken blutgerinnungshemmende und schmerzstillende Substanzen, sodass der Saugakt vom Wirt häufig nicht bemerkt wird. Im Unterschied zu Mücken stechen Zecken nicht sofort, sondern machen sich auf die Suche nach einer geschützten Hautstelle (z. B. in den Kniekehlen), da der Saugakt länger dauert als bei den Mücken.

Krankheitsüberträger

Ähnlich wie die Mücken können auch Zecken beim Saugakt Viren und Bakterien auf den Menschen übertragen.

Einheimisch-- Hauptwirt der Schildzecke Ixodes ricinus (Gemeiner Holzbock) ist der Mensch. Die wichtigsten Erkrankungen, die dabei übertragen werden können, sind die Bakterieninfektion Borreliose (Erreger: Borrelia burgdorferi) und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die durch Viren verursacht wird. Während mit Borrelien infizierte Zecken in ganz Deutschland vorkommen, treten Zecken, die FSME-Viren übertragen können, regional unterschiedlich häufig auf. Die jeweils aktuellen FSME-Risikogebiete werden beispielsweise auf der Internetseite des Robert Koch-Instituts (RKI, www.rki. de) in Berlin veröffentlicht. Zum Schutz vor einer FSME-Erkrankung sind Impfstoffe verfügbar.

Eingewandert-- Infolge des Klimawandels können auch Zeckenarten, die bisher in Europa keine oder kaum eine Bedeutung hatten, nach Deutschland gelangen. Dazu zählen die Hyalomma-Zecken, die bislang nur in Afrika, Südasien und teilweise in Südeuropa vorkamen. Man vermutet, dass sie durch Zugvögel in nördliche Regionen eingeschleppt wurden. Hyalomma-Zecken übertragen das Zecken-Fleckfieber, das durch Bakterien der Gattung Rickettsien hervorgerufen wird. Außerdem sind sie Hauptüberträger eines Virus, das beim Menschen das Krim-Kongo-Hämorrhagische-Fieber hervorruft. Zu den Hauptsymptomen dieser potenziell tödlichen Erkrankung zählen hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Durchfall und Herz-Kreislauf-Beschwerden. Das RKI rechnet damit, dass sich diese Zeckenart, und damit auch verschiedene Viren, mit denen sie infiziert sein können, in Zukunft in Deutschland weiter verbreitet.

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Einen Handzettel zum Thema Insektenschutz mit alltagstauglichen Tipps für Ihre Kunden können Sie hier herunterladen, ausdrucken und ihnen nach dem Beratungsgespräch mitgeben.

Repellenzien

Der Name der insektenabwehrenden Mittel leitet sich vom lateinischen Wort repellere (abweisen, zurücktreiben) ab. Es handelt sich um synthetische Verbindungen oder Pflanzenauszüge, die beispielsweise in Lotionen oder Sprays zur Anwendung auf der Haut verfügbar sind. Der Wirkmechanismus der meisten Repellenzien ist nicht oder nicht genau bekannt.

Einige Präparate werden zur Anwendung auf Kleidungsstücken vermarktet (z. B. Nobite ® Kleidung). Dabei handelt es sich nicht um Repellenzien, sondern um Insektizide. Während die Insekten durch die Anwendung von Repellenzien nur vertrieben werden, führt ein Kontakt mit Insektiziden aufgrund ihrer Neurotoxizität in den meisten Fällen zu ihrem Absterben. Zu den Insektiziden zählen beispielsweise Inhaltsstoffe aus den Blüten von Chrysanthemum-Arten (Pyrethrumextrakt) oder synthetisch hergestellte verwandte Verbindungen (Pyrethroide wie Permethrin, Allethrin). Zur Mückenabwehr auf der Haut sollen sie nicht eingesetzt werden, damit keine Resistenzen entstehen.

DEET

DEET (Diethyltoluamid) ist seit etwa 70 Jahren bekannt und seit mehr als 50 Jahren als Insektenschutzmittel auf dem Markt. Sein Wirkungsmechanismus ist noch nicht vollständig geklärt. Man vermutet, dass der Wirkstoff von den Geruchs- und Geschmacksrezeptoren der Insekten wahrgenommen wird und diese daraufhin die behandelten Körperregionen meiden. Die Wirkdauer gegen Stechmücken sowie Bremsen und Fliegen hängt von der Konzentration im Produkt ab und liegt bei 20 Prozent bei bis zu drei Stunden, bei 30 Prozent bis zu sechs Stunden und bei 50 Prozent (nur in den USA zugelassen) bis zu zwölf Stunden. Vor Zeckenstichen schützt DEET bis zu fünf Stunden. Da DEET ein Lösungsmittel ist, können die Produkte Kleidungsstücke und Materialien aus Kunststoffen und Leder schädigen. Gegenstände wie Uhren, Sonnenbrillen, Handy oder Laptops sollten daher mit den Produkten nicht in Berührung kommen. DEET kann allergische Reaktionen auslösen und zu Reizungen der Schleimhäute und der Augen führen.

Icaridin

Icaridin (Bayrepel ®) wurde in den 1980er-Jahren von der Firma Bayer entwickelt. Seine Wirkung gegen viele verschiedene heimische und tropische Mücken und Zecken beruht wahrscheinlich darauf, dass die Insekten durch den Geruch der Zubereitungen abgewehrt werden. Die Wirkdauer ist ähnlich wie bei DEET. Kunststoffe und Leder werden von Icaridin nicht angegriffen.

IR3535®

Es handelt es sich um das eingetragene Warenzeichen für Ethylbutylacetylaminopropionat, eine synthetische Verbindung. IR steht für insect repellent. IR3535 ® ist schwächer wirksam als DEET und Icaridin, gilt als besser verträglich.

English for PTA

Lesen Sie ergänzend und thematisch passend zu unserer zertifizierten Fortbildung unseren englischen Beitrag Insect Repellents.

PMD

PMD (p-Menthan-3,8-diol, Mentho-glykol, Citriodiol ®) kann sowohl aus natürlichen Quellen gewonnen als auch synthetisch hergestellt werden. Natürlich kommt die Verbindung etwa in den Blättern einer Eukalyptusart (Corymbia citriodora, Zitroneneukalyptus) vor. In Deutschland erhältliche Produkte enthalten meist synthetisch hergestelltes PMD und schützen bis zu sechs Stunden gegen Zecken und bis zu sieben Stunden gegen Stechmücken.

Ätherische Öle

Bevor synthetische Verbindungen wie DEET verfügbar waren, verwendete man zur Insektenabwehr hauptsächlich ätherische Öle, vor allem Bergamott-, Citronell-, Eukalyptus-, Lavendel-, Neem-, Nelken-, Teebaum- oder Zedernholzöl. Sie werden auch heute noch als natürliche Alternativen zu den synthetischen Verbindungen geschätzt, haben ihnen gegenüber jedoch auch einige Nachteile wie eine kürzere Wirkdauer. Außerdem können ätherische Öle allergische Reaktionen sowie Haut- und Schleimhautreizungen hervorrufen. Sie dürfen deshalb keinesfalls pur auf die Haut aufgetragen werden. Nach Möglichkeit sollte vor der Anwendung auf einem kleinen Hautareal die Verträglichkeit geprüft werden. Alternativ kann man zur Insektenabwehr ätherische Öle auf ein Tuch tropfen oder in einer Duftlampe verdunsten lassen. Bei einem Aufenthalt in Malaria-Risikogebieten sind ätherische Öle zum Schutz vor Mückenstichen nicht geeignet.

Beratung

Repellenzien sind als Sprays, Lotionen, Cremes, Gele, Abwehrtücher und (Roll)-Stifte auf dem Markt. Jede Anwendungsform bietet Vor- und Nachteile. Lotionen, Cremes und Gele lassen sich leicht großflächig auftragen. Manche Produkte enthalten zusätzlich Sonnenschutzmittel und feuchtigkeitsspendende Inhaltsstoffe (z. B. Aloe vera) oder ätherische Öle. Beim Auftragen ist darauf zu achten, dass empfindliche Stellen wie die Augenregion und Schleimhäute mit den Händen nicht berührt werden. Stifte sind eher für die punktuelle Anwendung gedacht. Mit Sprays lassen sich schwer zugängliche Körperareale gut erreichen, sie dürfen aber nicht in geschlossenen Räumen angewendet werden.

Richtige Anwendung

Insektenschutzmittel müssen lückenlos auf alle unbedeckten Körperteile aufgetragen werden. Dabei sind die Schleimhäute sowie Wunden und gereizte Hautbereiche auszusparen. Da die Mittel nicht wasserfest sind, muss nach dem Baden, Duschen sowie nach starkem Schwitzen eine erneute Anwendung erfolgen. Außerdem gilt die Regel: Sonnenschutz mindestens 20 Minuten vor dem Insektenschutz auftragen, damit sich die Mittel in ihrer Wirksamkeit nicht gegenseitig beeinträchtigen. Es gibt auch „2-in-1“-Produkte, bei denen keine Wartezeit notwendig ist. Bei der Wirkdauer sollte bedacht werden, dass der Schutz gegen Zecken immer kürzer ist (4 – 5 h) als der gegen Mücken (bis zu 8 h). Nach der Anwendung ist Händewaschen notwendig, damit Produktreste nicht versehentlich auf Schleimhäute gelangen. Spätestens vor dem Schlafengehen sollten Rückstände von Repellenzien durch Duschen entfernt werden.

Besondere Kundengruppen

Kinder-- Für Säuglinge werden Repellenzien in der Regel nicht empfohlen. Für diese Altersgruppe sind Mückennetze über Babybetten und Kinderwagen, Insektengitter und hautbedeckende Kleidung inklusive Kopfbedeckung geeignet. Dennoch werden einige Produkte vermarktet, die laut Hersteller bereits bei Kindern ab zwei Monaten (Stichfrei ®Kids Creme, Wirkstoff: IR3535 ®), drei Monaten (Care plus ® Anti-insect natural, Wirkstoff: p-Menthan-3,8-diol, 30 %) oder sechs Monaten (Zedan ® Abwehr Sprühlotion outdoor Zecken & Mücken, Wirkstoff: p-Menthan-3,8-diol, 20 %) angewendet werden können.

Icaridin wird meist ab einem Alter von zwei Jahren eingesetzt, DEET meist ab drei Jahren. Die Angaben können allerdings je nach Konzentration der Präparate variieren. Weshalb bei allen Wirkstoffen bei Kindern die Angaben in der Packungsbeilage zu beachten sind. Auch sollten sie so sparsam wie möglich dosiert werden.

Schwangerschaft-- Schwangeren und Stillenden wird die Anwendung von DEET nicht empfohlen. Bei Icaridin bestehen keine Bedenken gegen eine Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit.

Ältere-- Kunden im höheren Lebensalter sollten Präparate empfohlen werden, die zusätzlich rückfettende und feuchtigkeitsspendende Inhaltsstoffe (z. B. Aloe vera) enthalten. Sprays sind für diese Kundengruppe weniger geeignet, da das Betätigen des Sprühknopfes aufgrund motorischer Einschränkungen Probleme bereiten kann.

Reisende-- Bei einem Aufenthalt in tropischen und subtropischen Regionen wird die Anwendung von Maßnahmen empfohlen, die einen 24-Stunden-Schutz vor Insektenstichen bieten. Denn während Anopheles-Mücken vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv sind, werden durch tagaktive Mücken der Gattung Aedes Dengue-, Chikungunya- und Zikaviren übertragen. Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin empfehlen daher die Kombination von chemischen und mechanischen Schutzmaßnahmen. Moskitonetze sollten vorimprägniert sein oder mit Insektiziden wie Permethrin (z. B. Nobite ® Verdünner Flasche) behandelt werden. Nur DEET und Icaridin sind zur Mückenabwehr in den Tropen und Subtropen geeignet, IR3535 ® (z. B. Jungle Formula by Azaron ® Kids Lotion). Ätherische Öle oder PMD (z. B. Mosquito ® Insektenschutz-Spray classic) und Citriodiol ® (z. B. Anti-Brumm ® Naturel) bieten keinen ausreichenden Schutz. Repellenzien mit DEET sollen den Wirkstoff in einer Konzentration von 30 bis 50 Prozent enthalten (z. B. Anti Brumm ® forte). Für Icaridin-Präparate wird in tropischen und subtropischen Regionen eine Konzentration zwischen 20 und 30 Prozent empfohlen (z. B. Autan ® tropical).

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Zusatzmaßnahmen

Neben der Anwendung von Repellenzien und gegebenenfalls Insektiziden gibt es zahlreiche allgemeine Maßnahmen, mit denen das Risiko für Insektenstiche reduziert werden kann. Die PTA sollte diese bei der Abgabe von Produkten in das Beratungsgespräch einfließen lassen.

Lebensmittel-- Beim Essen im Freien sind insbesondere offen gelagertes Obst, Süßspeisen und Getränke dazu geeignet, Mücken, aber auch andere Insekten, anzulocken. Im schlimmsten Fall können Bienen oder Wespen, die beim Trinken oder Essen in den Mund gelangt sind, durch einen Stich lebensbedrohliche Schwellungen hervorrufen.

Kleidung-- Durch sehr dünne, eng anliegende Gewebe können Mücken hindurchstechen. Zum Mückenschutz empfiehlt sich das Tragen dicht gewebter und locker sitzender Kleidung, die so viel Haut wie möglich bedeckt. Zecken lassen sich zudem auf hellen Kleidungstücken leichter erkennen als auf dunklen Stoffen. Auf Wanderungen oder Spaziergängen sollte man geschlossene Schuhe tragen, die Hosenbeine in die Socken und T-Shirts oder Blusen in den Hosen- oder Rockbund stecken. Kopfbedeckungen, gegebenenfalls mit Moskitonetz, können sinnvoll sein. Zum zusätzlichen Schutz eignen sich Imprägniersprays mit Insektiziden. Ohne Waschen hält der Schutz gegen Zecken etwa zwei, gegen Mücken etwa vier Wochen.

Brutplätze-- Befruchtete weibliche Mücken legen ihre Eier in Gewässern ab. Dort vollzieht sich die weitere Entwicklung über das Larven- und das Puppenstadium, bis die jungen Insekten schlüpfen. Sind keine Seen oder Tümpel in der Nähe, nutzen die Mückenweibchen zur Eiablage auch Regentonnen, Vogeltränken, Pfützen in unbenutzten Blumentöpfen, Sandspielzeug oder alte Autoreifen, die im Freien gelagert werden. Durch das Verschließen oder Austrocknen dieser potenziellen Brutplätze lässt sich die Vermehrung von Mücken in häuslicher Umgebung vermindern. Wer in einem Gartenteich jedoch Goldfische oder Kois hält, muss sich weniger Sorgen wegen einer Mückenplage machen, da sich die Fische von den Mückenlarven an der Wasseroberfläche ernähren.

Innenräume-- Um die Wohnung beziehungsweise das Haus mückenfrei zu halten, gibt es verschiedene Maßnahmen, deren Sinnhaftigkeit und Effektivität jedoch unterschiedlich bewertet werden. Als effektiv gelten Mückengitter an den Fenstern. Sinnvoll ist es, Räume im Frühjahr und Sommer nur kurzzeitig zu lüften (Stoßlüften). UV-Lampen werden zur Mückenabwehr nicht empfohlen, da sie gegen Mücken kaum wirksam sind, jedoch potenziell andere, harmlose Insekten abtöten. Durch Insektensprays, Gartenfackeln oder elek- trische Kleingeräte wie Vernebler oder Verdampfer (Mückenstecker) werden Insektizide (Pyrethroide, z. B. Prallethrin) in die Raumluft abgegeben. Bei empfindlichen Personen können sie jedoch Reizungen der Atemwege oder der Haut hervorrufen.

Moskitonetze-- Moskitonetze sind beim Aufenthalt in tropischen und subtropischen Regionen, wo bestimmte Mückenarten schwerwiegende Erkrankungen wie Malaria oder Gelbfieber übertragen können, obligatorisch. Sie können auch hierzulande sinnvoll sein, zum Beispiel zum Schutz von Säuglingen. Die Maschenweite sollte möglichst zwischen einem und 1,5 Millimetern liegen. Moskitonetze sollten ausreichend groß sein und unter der Matratze fixiert werden können.

Knoblauch-- Ob ein veränderter Körpergeruch infolge regelmäßigen Verzehrs von Knoblauch Mücken abwehren kann, ist fraglich. Als möglicher unerwünschter Nebeneffekt sollte eine soziale Ablehnung bedacht werden.

Vitamin B1-- Auch eine regelmäßige Einnahme von 100 bis 200 Milligramm Vitamin B1 (Thiamin, z. B. Vitamin B1 ratiopharm ®) pro Tag soll zu einer Veränderung des Körpergeruchs führen, der Mücken abwehrt. Eine Alternative ist die Mesotherapie, die jedoch nicht in Eigenregie, sondern nur von Ärzten und Heilpraktikern durchgeführt werden darf. Dabei wird Vitamin B1 zusammen mit einem Lokalanästhetikum in die Haut von Armen, Beinen und Nacken gespritzt. Zur Wirksamkeit von Vitamin B1 beim Schutz vor Mückenstichen gibt es derzeit keine wissenschaftlichen Belege.


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