28.02.2019

Interview Zytoralia: Zusatzqualifikation

von Dr. Gudrun Heyn

Orale Tumortherapeutika setzen sich in der Krebstherapie immer mehr durch. Zunehmend sind PTA in die Abgabe eingebunden. Wir haben mit einer PTA gesprochen, die eine entsprechende Fortbildung hat.

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Die Deutsche Gesellschaft für Onkologische Pharmazie (DGOP) wurde 1998 als nationale Gruppe der International Society of Oncology Pharmacy Practitionars (ISOPP) für onkologisch tätige Apotheker in Deutschland gegründet. In dem gemeinnützigen Verein setzen sich inzwischen mehr als 1000 Apotheker und PTA gleichermaßen zum Wohl von krebskranken Menschen ein. „Insbesondere ambulant geführte Krebspatienten benötigen regional umfangreiche Betreuung und Beratung zum Umgang mit Arzneimitteln und dem Auftreten arzneimittelbezogener Probleme. Dabei sehen wir die Optimierung der Patienten-Compliance und -Adhärenz, die Arzneimittel- und Therapie- sicherheit sowie die individuelle pharmazeutische Betreuung mit dem Ziel der Steigerung der Lebensqualität für Krebspatienten als essenziell an“, heißt es im Leitbild der DGOP.

Fit für die Beratung

Für beide Berufsgruppen organisiert die Gesellschaft deshalb regelmäßig Fort- und Weiterbildungen im Bereich der Zytostatikaherstellung, aber auch zu oralen Tumortherapeutika – entweder zugeschnitten auf die jeweiligen Bedürfnisse oder bei gemeinsamen Veranstaltungen. PTA, die sich für eine Zusatzqualifizierung im Bereich der oralen Tumortherapie interessieren, können sich über www.dgop.org, unter dem Reiter „Qualifizierung“ über entsprechende Angebote informieren. DAS PTA MAGAZIN hat sich mit PTA Nicole Blase unterhalten, die die Zusatzqualifikation „Orale Tumortherapie“ absolviert hat. Übrigens: Ab Mai 2019 wird der Titel des Seminars in „Grundlagenseminar: ‚Beratung von Krebspatienten‘ für pharmazeutisches Personal“ umbenannt.

Frau Blase, wie sind Sie auf die Veranstaltung aufmerksam geworden?

N. Blase: Ich hatte mich für die Fachtagung „Orale Krebstherapie“ in Köln angemeldet und bekam deshalb Post von der DGOP. Darin wurde auch das Intensivseminar, in dem es speziell um die orale Tumortherapie geht, vorgestellt.

Sie arbeiten in der Stern-Apotheke in Lübbecke. Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

N. Blase: Die Stern-Apotheke ist Teil eines Ärztehauses mit Internist, Allgemeinmediziner, Kinderarzt und Gynäkologe. Zu meinen Hauptaufgaben gehören die Herstellung von Rezepturen und der Handverkauf. Oft stellen wir pädiatrische Kapseln her. Im Handverkauf sind Präventions- und Ernährungsberatung sowie die Beratung zu Mikronährstoffen meine Schwerpunkte. Auch dafür habe ich mich weitergebildet, und zwar an der Akademie für Mikronährstoffe in Essen und per Fernstudium zum Food Coach.

Gibt es Krebskranke, die regelmäßig zu Ihnen in die Apotheke kommen?

N. Blase: Die nächsten Onkologen sind etwa 20 Kilometer entfernt. Trotzdem kommen viele Krebskranke in unsere Apotheke. Zumeist sind es Brustkrebspatientinnen. Aber auch Menschen mit Leukämie, Gehirntumoren, Lungen- und Knochenkrebs lösen regelmäßig Rezepte ein.

Warum ist eine Zusatzqualifikation im Bereich Zytoralia für Sie als PTA interessant?

N. Blase: Zytoralia werden immer öfter verordnet. Da es besondere Arzneimittel sind, sind bei der Abgabe und Beratung zusätzliche Kenntnisse erforderlich. Durch die Zusatzqualifizierung fühle ich mich bei der pharmazeutischen Beratung und Betreuung der Patienten sicherer.

Was sind nach Ihrer Einschätzung für PTA die wichtigsten Aspekte bei der Beratung zu Zytoralia?

N. Blase: Ein sehr wichtiges Thema sind Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und das Hand-Fuß-Syndrom. Aber auch die korrekte Einnahme der Zytoralia und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind Beratungsschwerpunkte.

Was hat Sie bewogen, speziell an dieser Veranstaltung teilzunehmen?

N. Blase: Gerade die breit gefächerten einzelnen Themen des neunstündigen Seminars fand ich für die pharmazeutische Beratung bei uns in der Apotheke sehr wichtig.

Welche Seminarthemen fanden Sie besonders interessant?

N. Blase: Vor allem der Seminarteil „Kommunikation mit Krebspatienten“, die Vorstellung der Oralia-Datenbank der DGOP und die ausführliche Behandlung von typischen Interaktionen waren für mich sehr informativ.

Können Sie davon bei Ihrer täglichen Arbeit profitieren?

N. Blase: Ja, da immer wieder Kranke eine Beratung über Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und die genaue Einnahme der oralen Tumortherapeutika benötigen. Wenn man dann auch noch weiß, wie man sie am besten auf ihre Krankheit ansprechen kann, ist das sehr hilfreich.

Welche Vorteile hat Ihre Zusatzqualifikation für die Stern-Apotheke?

N. Blase: Durch die Zusatzqualifikation können Krebspatienten in unserer Apotheke besser beraten und betreut werden. Dieses trägt zur Kundenbindung bei. Und sorgt auch dafür, dass neue Kunden mit ihren Rezepten zu uns kommen.

Wie macht die Stern-Apotheke darauf aufmerksam, dass besonders geschulte Mitarbeiter Krebskranke beraten?

N. Blase: Durch Informationen und Hinweise in unserer hauseigenen Kundenzeitschrift.

PTA Nicole Blase, Stern-Apotheke, Lübbecke, erzählt im Gespräch mit DAS PTA MAGAZIN, dass sie viel Umgang mit Krebskranken hat. Sie absolvierte das Intensivseminar „Orale Tumortherapie“. Seitdem fühlt sie sich bei der Betreuung und Beratung Betroffener sicherer.


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