31.07.2019

Intimpflege: Weniger ist mehr

von Stefanie Fastnacht

Männer und Frauen sollten es täglich tun. Die Rede ist vom Waschen des Ano-Genital-Bereichs. Eigentlich eine ganz einfache Sache, sollte man meinen. Oder doch nicht? Tipps für das Kundengespräch.

© Kzenon / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell)

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  • Intimhygiene umfasst das Säubern der Ano-Genital-Region von Körperausscheidungen und Gerüchen.
  • Intimpflege beugt Reizungen oder Trockenheit im Intimbereich vor.
  • Wasser pur genügt zum Reinigen. Wer mag, kann auch pH-freundliche Wasch- oder spezielle Intimwaschlotionen verwenden.
  • Nach der Intimrasur beugen Balsam oder Creme Rasurbrand und -pickeln sowie Entzündungen vor.
  • Fetthaltige Pflegecremes nach dem Waschen auf den äußeren Intimbereich und den Anus aufgetragen, bilden einen hautschützenden Film.

Verlangen Kunden in der Apotheke Produkte für die Intimpflege, ist es sinnvoll nachzuhaken, was genau eigentlich gemeint ist. Denn streng genommen wird zwischen Intimhygiene und Intimpflege unterschieden. Intimhygiene umfasst die Reinigung der Ano-Genital-Region von Körperausscheidungen und das Vermeiden von Gerüchen. Die Intimpflege wiederum hilft, Reizungen, Rötungen, Trockenheit oder Überempfindlichkeiten im äußeren Intim- und Analbereich vorzubeugen und/oder sie zu lindern.

Fluor vaginalis

Spätestens mit dem Einsetzen der Pubertät beginnen bei Frauen nicht nur die Talg-, Schweiß- und Duftdrüsen vermehrt zu arbeiten. Hinzu kommt ein milchig-weißes Sekret, das aus der Scheide fließt (Fluor vaginalis) und in der Unterwäsche Flecken hinterlässt. Der Fluor variiert von Frau zu Frau in Konsistenz, Geruch, Farbe und Menge. Er enthält neben Gebärmutterschleim und Vaginalschleimhautzellen auch Milchsäurebakterien. Diese erzeugen ein leicht saures Scheidenmilieu mit einem pH-Wert von 4 bis 4,5 und helfen so, pathogene Keime abzuwehren und die Vagina gesund zu halten. An sich leicht säuerlich beziehungsweise nach Joghurt riechend, kann der Ausfluss im Zusammenspiel mit ständig im Intimbereich siedelnden Bakterien, dem Sekret aus Talg-(Smegma) und Schweißdrüsen, Resten von Urin oder Menstruationsblut weniger gut riechende Duftnoten annehmen.

Smegma

Bei Männern bildet sich zwischen der Vorhaut und der Eichel des Penis eine weiße bis hellgelbe Substanz. Diese setzt sich aus dem Talg der Vorhautdrüsen, Zelltrümmern des Eichelepithels und Bakterien zusammen. Außerdem kann sie Urin- und Spermarückstände enthalten. Smegma bei Frauen entsteht in den Hautfalten zwischen inneren und äußeren Schamlippen sowie der Klitoris. Mit bloßem Auge sichtbare Ansammlungen weisen bei beiden Geschlechtern auf mangelnde Intimhygiene hin.

Täglich waschen

Regelmäßiges Reinigen und das Wechseln der Unterwäsche sind also nicht nur eine Frage der Gesundheit, sondern auch der sozialen Geruchsakzeptanz. Schnell und einfach säubern lässt sich die Ano-Genital-Region bei Männern und Frauen unter der Dusche, mit fließendem Wasser. Männer sollten schon von klein auf angeleitet werden, dabei auch die Vorhaut am Penis zurückziehen und das Smegma abzuwaschen. Da die Vagina, sofern die Frau gesund ist, über einen eigenen Schutz- und Reinigungsmechanismus verfügt, ist das Waschen ihres inneren Bereichs nicht notwendig. Lediglich, wenn eine Störung der normalen Vaginalflora vorliegt, kann eine Vaginalspülung erforderlich sein. Ansonsten beschränken sich Reinigungsmaßnahmen auf den äußeren Schambereich mit den großen und kleinen Schamlippen, dem Scheideneingang und der Klitoris.

Waschlotionen-- Wem Wasser pur nicht genügt, kann waschaktive Substanzen zur Reinigung verwenden. Die Produkte sollten pH-neutral sein und den Säureschutzmantel der Haut nicht beeinträchtigen. Alkalische Seifen leisten Reizungen Vorschub. Parfümierte Formulierungen sind ebenfalls nicht empfehlens- wert. Denn im Intimbereich bilden sich daraus schnell unangenehme Gerüche. Auch können die Duftstoffe bei Allergikern Sensibilisierungen auslösen.

Waschlappen-- Aus hygienischen Gründen gehören sie täglich gewechselt. Alternativ können Einmalprodukte verwendet werden. Damit keine Darmbakterien in die Vagina gelangen, immer von vorn nach hinten waschen.

Aus dem PTA Beirat

Was empfehlen Sie in Sachen Intimhygiene?

Ich erkläre, dass Seifen und Duschgele zum Reinigen der äußeren Geschlechtsorgane eigentlich nicht notwendig sind. Gerade bei empfindlichen Menschen können sie den pH-Wert der Haut negativ beeinflussen. Wasser reicht bei Gesunden vollkommen aus.

Was raten Sie Kundinnen mit wiederkehrenden Harnwegsinfekten?

Sich immer von vorn nach hinten abzuwischen und etwa 30 Minuten nach dem Sex Wasser zu lassen. Das beugt dem Aufsteigen von Bakterien in der Harnröhre und Blasenentzündungen vor.

Welche Tipps geben Sie noch?

Um Infekten vorzubeugen, rate ich, niemals vom Anal- zum Vaginalsex zu wechseln, ohne das Kondom zu tauschen oder den Liebsten zum Waschen zu schicken. Frauen in der Menopause oder Frauen, die Antihistaminika, Antidepressiva und orale Kontrazeptiva anwenden, empfehle ich gegen Scheidentrockenheit Intimpflegecremes und Gleitgele.

PTA Beiratsmitglied Sebasian Giemsch berichtet aus dem Apothkenalltag. 

Intimwaschlotionen

Gesunden Männern und Frauen genügt in der Regel die tägliche Reinigung mit Wasser allein oder in Kombination mit einem milden Reinigungsprodukt. Spezielle Intimwaschlotionen werden dann empfohlen, wenn die Haut im Intimbereich sehr empfindlich ist. Auch Frauen, die häufig unter Vaginalmykosen leiden, können von den Produkten profitieren. Die so ausgelobten Formulierungen unterscheiden sich von der Darreichungsform: Es gibt sie als Lotionen, Schaum und Gel. Was Anwender bevorzugen, hängt von persönlichen Vorlieben ab.

Viele der Intimwaschlotionen enthalten Milchsäurezusätze (z. B. Multi-Gyn ® FemiWash Schaum). Diese helfen bei Frauen, den natürlichen Säureschutzmantel der Haut im äußeren Intimbereich beim Waschen zu erhalten. Neben Milchsäure beinhalten viele Produkte auch verschiedene Pflanzenauszüge. Antientzündlich und antibakteriell wirken etwa Zusätze wie Kamillenblütenextrakt (z. B. Vagisan ® Intimwaschlotion). Auszüge aus Salbei (z. B. Sagella ® pH 3,5 Waschemulsion) sollen desinfizieren und deodorieren.

Intimpflege

Übertriebenes Waschen, das Tragen eng anliegender Kleidung, chloriertes Wasser im Freibad, aber auch eine Intimrasur oder Geschlechtsverkehr belasten die Intimhaut und lösen Irritationen aus. Dann kann es sinnvoll sein, pflegende Präparate anzuwenden.

Intimrasur

Wer sich rasieren möchte, sollte dies gleich beim Reinigen unter der Dusche miterledigen. Denn Trockenrasuren strapazieren die Haut im Intimbereich zu stark. Verträglicher ist die Nassrasur, am besten mit einem Rasierschaum für empfindliche Haut (z. B. Eau Thermale Avène Men Rasierschaum). Dieser weicht die Schamhaare etwas auf. Anschließend können sie in Wuchsrichtung und mit wenig Druck entfernt werden. Nach der Rasur lindert die Pflege der Haut mit einem Rasierbalsam (z. B. ilon ® Bodyshave Balsam) oder einer Creme (z. B. Bioderma Sensibio forte) Rötungen und Jucken beziehungsweise beugt sie Rasurpickeln und dem Einwachsen von Haaren vor.

Zu trocken

Ältere Menschen, aber auch Menschen mit Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Allergien, klagen häufig über zu trockene Haut beziehungsweise Schleimhaut im Intimbereich. Die Austrocknungserscheinungen können sich durch Duschen und Baden noch verstärken. Wichtig ist daher die Pflege danach. Hier empfehlen sich fetthaltige Präparate (z. B. Deumavan ®), die auf der Haut des gesamten Intimbereichs verteilt werden: Eingang der Scheide, Klitoris beziehungsweiße Eichel, Damm und Anus. Die Lipide in den entsprechenden Präparaten ergänzen oder ersetzen den natürlichen Talg der Haut und überziehen den Intimbereich mit einem schützenden Film.


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