30.05.2022

Kindergesundheit: Verschluckte Tabletten

Die bunte Herztablette in Omas Handtasche oder die Blutdruckpille auf dem Nachttisch der Eltern kann für Kinder schnell bedrohlich werden, warnt die Stiftung Kindergesundheit und gibt Tipps, die Sie an Eltern und Großeltern von kleineren Kindern weitergeben können.

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„Neugierigen Kleinkindern gelingt es trotz aller Vorsicht der Eltern immer wieder, Dinge in die Hand und in den Mund zu bekommen, wovon sie tunlichst die Finger lassen sollten“, sagt Kinder- und Jugendarzt Prof. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. Vor allem dann, wenn Eltern kurz abgelenkt sind, kommt es zu den Vergiftungsunfällen, berichtet der Experte weiter. Zum Beispiel, weil es an der Tür klingelt, das Handy läutet oder die Milch überkocht.

Medikamente sind keine Bonbons

Medikamente werden von Kindern leicht mit Süßigkeiten verwechselt. Daher ist es wichtig, dass Eltern weder die eigenen noch Medikamente, die das Kind einnehmen muss, als „Bonbons“, oder „Zuckerl“ bezeichnen. Auch flüssige Medikamente sollten niemals als „Fruchtsaft“ oder „süß“ angepriesen werden. Durch solche Verharmlosungen steigt das Risiko, dass herumliegende Medikamente in einem unbeobachteten Augenblick vom Kind geschluckt oder getrunken werden.

Gefahr droht bei Oma und Opa

Die Stiftung Kindergesundheit weist zudem auf eine selten bedachte Gefahrenquelle hin, den Haushalt von Oma und Opa. Die von den Großeltern benötigten Medikamente werden häufig sichtbar auf einem Tisch oder in einem leicht zugänglichen Schrank aufbewahrt. Auch deren Taschen werden von Kindern unbemerkt durchstöbert und die bunten vermeintlichen Süßigkeiten probiert.

Noch was ...

  • Für Kinder am gefährlichsten sind Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen (z. B. Antiarrhythmika, Betablocker, Calciumantagonisten).
  • Ebenfalls riskant: starke Schmerzmittel wie Opiate, Antidiabetika sowie hohe Dosen Paracetamol und Xylometazolin.
  • Typische Symptome sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Darüber hinaus Bewusstseinstrübung oder Bewusstlosigkeit sowie Störungen von Atmung und Kreislauf.
  • In den meisten Fällen unbedenklich ist das „Naschen“ der Anti-Baby-Pille.

Erste Hilfe: trinken

Hat ein Kind ein Medikament geschluckt oder getrunken, sollte der Mund mit Wasser ausgespült werden, um Reste zu entfernen. Danach sofort viel trinken lassen: ein Glas Leitungswasser, Tee oder Saft. Damit wird die eingenommene Substanz verdünnt. Wichtig: keine Milch geben! Sie kann die Giftaufnahme beschleunigen.

Nicht erbrechen lassen

Kinder, die Medikamente zu sich genommen haben, sollten auf keinen Fall zum Erbrechen gebracht werden. Es besteht sonst die Gefahr, dass das Erbrochene in die Lungen gerät und zu einer Lungenentzündung führt. Die Experten warnen auch vor dem „Hausmittel“ Salzwasser: Zu viel Salz kann gerade bei kleinen Kindern zu einer gefährlichen Verschiebung der Elektrolyte und sogar zu einer lebensbedrohlichen Natriumvergiftung führen.

Nicht zögern, Giftnotruf anrufen

Beim Verdacht, das Kind könnte gefährliche Mengen einer giftigen Substanz eingenommen haben, sollten so schnell wie möglich der Arzt oder das Giftinformationszentrum angerufen werden. Ist die Nummer nicht zur Hand oder treten bereits Symptome auf, die 112 wählen . KIB

Quelle: Stiftung Kindergesundheit


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