30.01.2020

Kinderkrankheiten: Heißer Kopf und Grummelbauch

von Petra Schicketanz

Eltern nehmen gern den Rat der PTA in Anspruch, wenn dem Nachwuchs etwas fehlt. Dabei muss klar differenziert werden, ob eine Selbstmedikation möglich ist oder nicht. Die zertifizierte Fortbildung frischt Beratungswissen auf.

© LeManna / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)

Fortbildung

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  • Üblicherweise sollte Fieber erst ab 39 Grad Celsius angegangen werden mit Wadenwickeln oder fiebersenkenden Mitteln.
  • Eitrige Infektionen im Schädelbereich können sich auf tiefer gelegene Gewebe ausbreiten wie Knochen oder andere Organe.
  • Eine Mumpsinfektion ist nicht auf die Ohrspeicheldrüse beschränkt, sondern kann auf andere Drüsen des Körpers übergreifen wie Schilddrüse, Bauchspeicheldrüse oder Hoden.
  • Kinderkrankheiten wie Masern, Scharlach, Windpocken oder Röteln sind nicht generell harmlos, sondern können zu schweren Komplikationen führen.

Kinder durchlaufen viele akute Erkrankungen. Zu einer kompetenten Beratung in der Apotheke gehört es nicht nur, die Krankheitsbilder zu kennen und das passende Medikament in der altersentsprechenden Darreichungsform und Dosierung ausfindig zu machen, das obendrein auch den Vorstellungen der Eltern hinsichtlich der Neigung zu Schul- oder Alternativmedizin entspricht. Ein verantwortungsvoller Umgang mit der Thematik beinhaltet immer auch eine Abschätzung, bis wann Selbstmedikation möglich und ab wann ein Arztbesuch sinnvoll ist.

Lernziele Kinderkrankheiten

Nach Lektüre dieser Lerneinheit wissen Sie ...

  • welches Hautbild für welche klassische Kinderkrankheit typisch ist.
  • welche Komplikationen bei Masern, Röteln, Ringelröteln, Scharlach und Windpocken auftreten können.
  • was bei akuten Symptomen wie Fieber, Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung empfohlen werden kann.
  • ob Augenentzündungen und Ohrenschmerzen für die Selbstmedikation geeignet sind.

Masern und mehr

Viele Krankheiten werden über das Hautbild diagnostiziert. Oft werden sie als Kinderkrankheiten bezeichnet, selbst wenn sie zum großen Teil Erwachsene befallen können und definitiv nicht harmlos sind. In komplikationsfreien Fällen reichen bei den meisten der im Folgenden beschriebenen Krankheiten Bettruhe, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eventuell die Gabe fiebersenkender Mittel oder Maßnahmen.

Masern

Morbilliviren werden über Tröpfcheninfektion übertragen. Sie führen bei fehlender Immunität in 95 Prozent der Fälle nach acht- bis zwölftägiger Inkubationszeit zur Infektion, die mit Fieber um 39 Grad Celsius, entzündeten Augen und den Symptomen eines Atemwegsinfekts beginnt. Nach zwei bis drei Tagen zeigen sich weiße Stellen auf der geröteten Mundschleimhaut (Koplik-Flecken). Am dritten bis fünften Tag beginnt das Masernexanthem hinter den Ohren, mit einem Ausschlag aus bräunlich-rosafarbenen Knötchen, die zusammenfließen und sich von oben nach unten sowie von innen nach außen über den Körper ausbreiten. Das Fieber steigt auf 40 Grad Celsius und höher. Nach vier bis sieben Tagen klingt der Ausschlag ab, häufig begleitet von einer kleieartigen Schuppung (Desquamation).

Komplikationen-- Eine bakterielle oder virale Superinfektion kann zu Mittelohrentzündung, Bronchitis, Lungenentzündung oder Durchfall führen. Gefürchtet sind schwerwiegende Folgen wie Enzephalitis (Hirnentzündung) und subakut sklerosierende Panenzephalitis, eine entzündliche, neurodegenerative Erkrankung des Gehirns, die stets tödlich verläuft.

Maßnahmen-- Gemeinschaftseinrichtungen dürfen frühestens fünf Tage nach dem Auftreten des Exanthems wieder besucht werden.

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Mumps

Eine Infektion mit dem Paramyxovirus parotitis führt erst ein-, dann beidseitig zu einer schmerzhaften Schwellung der Ohrspeicheldrüsen. Sie kann fieberfrei oder bei Temperaturen um 38 Grad Celsius verlaufen und Meningitis, Taubheit sowie Entzündungen von Bauchspeicheldrüse, Schilddrüse oder Tränendrüse auslösen. Ab der Pubertät können Hoden und Nebenhoden betroffen sein, was zu Unfruchtbarkeit führen kann.

Maßnahmen-- Die Therapie sieht eine lokale Wärmeanwendung und Schmerzmittel vor sowie die Isolation von nicht geimpften Menschen. Gemeinschaftseinrichtungen dürfen erst neun Tage nach dem Beginn der Ohrspeicheldrüsenschwellung wieder besucht werden

Röteln

Das Rubella-Virus breitet sich über Tröpfcheninfektion aus und führt nach einer zwei- bis dreiwöchigen Inkubationszeit zu Symptomen, die an eine Erkältung erinnern. Eventuell tritt Fieber auf. Auch bei Röteln beginnt der Ausschlag hinter den Ohren und breitet sich über Gesicht, Hals, Rumpf und Extremitäten aus. Er ist jedoch im Gegensatz zum Masernexanthem hellrot, von mittlerer Fleckengröße und vor allem nicht zusammenfließend. Die Lymphknoten hinter den Ohren und im Nacken sind schmerzhaft angeschwollen. Gelegentlich schmerzen die Gelenke (Arthralgie), oder die Milz ist vergrößert.

Komplikationen-- Eine Enzephalitis tritt selten auf. Gefürchtet ist jedoch die Rötelnembryopathie, denn eine Infektion einer Schwangeren kann im ersten Schwangerschaftsdrittel (Trimenon) zu Fehlbildungen des Kindes führen.

Wussten Sie, dass ...

  • bei Kindern zwischen drei und elf Jahren im Vergleich zum Säugling die Verdauung schneller erfolgt?
  • deswegen bei oralen Arzneiformen mit einem früheren Wirkeintritt gerechnet werden muss?
  • dabei höhere Spitzenspiegel der Wirkstoffe erreicht werden, was zu vermehrten Nebenwirkungen führen kann?
  • die verkürzte Resorptionsphase bei retardierten Arzneiformen berücksichtigt werden muss, um altersgemäße Dosierung zu gewährleisten?

Ringelröteln

Über Tröpfcheninfektion überträgt sich das Humane Parvovirus B19 und löst – meist bei Schulkindern – das Erythema infectiosum aus, wie Ringelröteln auch genannt werden. Das Virus vermehrt sich in den roten Blutkörperchen und führt zu einem grippeähnlichen Vorläuferstadium. Dann folgt eine juckende, schmetterlingsförmige Rötung der Wangen, die das Munddreieck frei lässt. Wie eine Girlande greift sie nach ein bis zwei Tagen auf die Extremitäten über. Über zwei Wochen kann das Exanthem verblassen und wieder aufblühen.

Komplikationen-- Eher selten treten bei Patienten mit entsprechenden Vorerkrankungen Komplikationen auf wie eine hämolytische Anämie (Zerstörung der roten Blutkörperchen) oder eine Arthritis. Bei einer Infektion im ersten Trimenon kann es bei der Schwange- ren zum Abort kommen oder einem Hydrops fetalis (Wasserkopf) des Ungeborenen.

Maßnahmen-- Die Erkrankung verläuft meist selbstlimitierend, sodass eine symptomatische Therapie ausreicht. Eine Impfung gibt es nicht.

Scharlach

Typischerweise sind es Kinder zwischen zwei und zehn Jahren, die sich über Tröpfcheninfektion mit betahämolysierenden Streptokokken der Gruppe A anstecken und innerhalb von zwei bis fünf Tagen an Scharlach erkranken. Die Symptome setzen heftig ein mit hohem Fieber um 40 Grad Celsius, Übelkeit und Erbrechen, starken Halsschmerzen mit Schluckstörungen, eitrig belegten Mandeln (Tonsillen) und stark gerötetem Gaumen.

Exanthem-- Nach ein bis zwei Tagen beginnt ein samtartiger, feinfleckiger Hautausschlag. Er tritt zuerst in den Gelenkbeugen von Armen und Beinen sowie am Rumpf auf und breitet sich über den gesamten Körper aus. Im Gesichtsbereich sind die Wangen gerötet, das Munddreieck bleibt dagegen blass. Nach ein bis zwei Wochen tritt an Händen und Füßen eine kleieartige Schuppung ein, die mehrere Wochen anhalten kann.

Zunge-- Anfangs erscheint die Zunge belegt und ist ab dem dritten Tag hochrot mit hervortretenden Papillen (Himbeerzunge). Der Belag lässt sich ab dem fünften Tag abstreifen.

Komplikationen-- Scharlachtoxine können bei schweren Krankheitsverläufen zu gewebszerstörenden Entzündungen führen und Mittelohrentzündungen, Schleimhautblutungen, Herzschäden und Bewusstseinseintrübungen hervorrufen. Gefürchtet ist die lebensbedrohliche Hyperpyrexie, bei der das Fieber auf über 41 Grad Celsius steigt, sowie immunologische Komplikationen. Im Anschluss an eine Infektion mit Streptokokken der Gruppe A kann es zu einer nicht bakteriellen Entzündung kommen. Ursache sind Proteine in der Streptokokkenmembran, die als Antigene wirken. Dagegen produziert der Organismus Antikörper, welche zugleich auf ähnliche Proteine des eigenen Körpers passen. Meist sind Herz oder Gelenke betroffen. Die Ablagerung solcher Immunkomplexe in den Nierenkörperchen kann bei diesen eine Entzündung (Glomerulonephritis) auslösen.

Maßnahmen-- Ab dem zweiten Tag einer mindestens zehntägigen Antibiose können Gemeinschaftseinrichtungen wieder besucht werden, sofern keine Krankheitszeichen vorliegen.

Windpocken

Eine über Tröpfchen verlaufende Erstinfektion mit Varicella-Zoster-Viren führt nach zwei bis vier Wochen zum Krankheitsbild der Windpocken. Nicht zwingend tritt ein kleinfleckiges Vorexanthem auf, das nach einem Tag wieder verschwindet. Danach entwickeln sich schubweise juckende Bläschen, die sich über den gesamten Körper verteilen und auch Genitalien, Bindehäute und die Mundschleimhaut nicht verschonen. Knötchen und unter Druck leicht aufplatzende Bläschen sowie verkrustete Abheilungsformen treten nebeneinander auf und erinnern an einen Sternenhimmel.

Komplikationen-- Aufkratzen fördert bakterielle Sekundärinfektionen mit Streptokokken oder Staphylokokken (schuppender oder nässender Hautausschlag, Impetigo contagiosa). Varizellen überdauern in den Nervenzellen des Rückenmarks und führen bei geschwächter Immunabwehr zu einem Rezidiv, das in Form einer Gürtelrose (Herpes zoster) auftritt. Weitere Komplikationen sind Hirnentzündung oder Lungenentzündung (Pneumonie) sowie eine Embryopathie bei Infektionen von Schwangeren. Unter einer Embryopathie versteht man Krankheiten oder Fehlbildungen, die durch Störungen der Embryonalentwicklung bis zur zehnten Schwangerschaftswoche entstehen.

Maßnahmen-- Um das Aufkratzen der Bläschen zu verhindern, sollten Kindern die Fingernägel kurz geschnitten und nachts Baumwollhandschuhe übergezogen werden. Kalte Umschläge und luftige Kleidung reduzieren den Juckreiz, der durch Wärme und Schwitzen verstärkt wird.

Juckreizlindernd wirken adstringierende Cremes oder Lotionen (z. B. Tannosynt ®, Zinkoxidschüttelmixtur) auch mit Zusatz eines Lokalanästhetikums (z. B. Anaesthesulf ® Lotio) sowie innerlich angewandte Antihistaminika (z. B. Fenistil ®). Immungeschwächte Patienten können das Virustatikum Aciclovir verschrieben bekommen. Für Risikopatienten wird eine Impfung empfohlen.

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Selbstmedikation ja oder nein?

Arzneimittel für Kinder sind in der Pharmazie ein schwieriges Thema, denn der Organismus entspricht definitiv nicht dem eines „kleinen Erwachsenen“ und unterliegt in der Altersspanne von drei bis elf Jahren großen Veränderungen. Da Gewichtszunahme und Wachstum langsamer verlaufen als im Säuglingsalter, können für die Dosisanpassung größere Altersgruppen zusammengefasst werden. Ab einem Alter von vier Jahren sind Kinder meist in der Lage, feste Arzneiformen wie Dragees zu schlucken.

Fieber

Mit einer erhöhten Temperatur reagiert der Körper auf Infektionen, Entzündungen sowie körperliche und seelische Überlastung. Bei rektaler Messung gelten Werte ab 38,5 Grad Celsius als Fieber.

Ziel der körperlichen Reaktion ist eine Anregung der Infektabwehr und eine Vernichtung von Krankheitserregern. Diese Schutzmaßnahme sollte nicht grundlos unterbunden werden. Üblicherweise gilt die Empfehlung, erst ab 39 Grad Celsius fiebersenkende Maßnahmen einzuleiten, wobei dies aber von der Gesamtkonstitution des Kindes abhängt. Wirkt es bereits bei niedrigerer Temperatur apathisch oder neigt es zu Fieberkrämpfen, sollte schon bei niedrigeren Werten eingeschritten werden.

Fieberkrämpfe-- Verdrehte Augen, krampfende Gliedmaßen und fehlende Ansprechbarkeit kennzeichnen einen Fieberkrampf. Trat ein solcher bereits in der Vergangenheit auf, ist bei diesem Kind unbedingt ab einer Körpertemperatur von 39 Grad Celsius eine Fiebersenkung vorzunehmen. Im akuten Krampfanfall helfen verschreibungspflichtige Diazepamzäpfchen oder -rektallösungen.

Hirnhautentzündung-- Beim erstmaligen Auftreten eines Fieberkrampfes sollte das Kind dringend klinisch untersucht werden, um eine Hirnhautentzündung auszuschließen. Der Verdacht erhärtet sich, wenn die Temperaturen längere Zeit 39 Grad Celsius überschreiten und Symptome wie Erbrechen, Durchfall, Nackensteife und Benommenheit auftreten.

Austrocknungsgefahr-- Bei Fieber erhöht sich die Atemfrequenz, was zum Abatmen größerer Flüssigkeitsmengen in Form von Wasserdampf führt. Viel Trinken ist oberstes Gebot. Milchprodukte sollten dabei möglichst gemieden oder – wenn das Kind nichts anderes zu sich nehmen will – zumindest verdünnt werden, denn das enthaltene Eiweiß kann das Fieber begünstigen.

Wadenwickel-- Dieses alte Hausmittel darf nur angewendet werden, wenn warme Hände und Füße eine stabile Kreislaufsituation anzeigen. Die Temperatur der Wickel sollte nur knapp unter der Körpertemperatur des Patienten liegen. Eiskalte Wickel wirken dagegen zusammenziehend auf die Blutgefäße, was zu einer unerwünschten Erhöhung der Körperkerntemperatur führt.

Fiebersenkende Mittel-- Die Standardsubstanzen Paracetamol (z. B. Benuron ®) und Ibuprofen (z. B. Nurofen ®) werden in Abhängigkeit von Alter und Körpergröße dosiert. Für Paracetamol liegt die Einzeldosis bei zehn bis 15 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht (max. TD 60 mg/kg KG); als Einzeldosis für Ibuprofen werden sieben bis zehn Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht empfohlen (max. TD 30 mg/kg KG).

Homöopathisch sind folgende Mittel im Einsatz: Belladonna (plötzlicher Beginn, roter Kopf; s. a. Serie Homöopathie unter www.das-pta-magazin.de), Aconitum (plötzlicher Beginn, trockene, heiße Haut) oder Ferrum phosphoricum (Fieber mit starkem Schwitzen und blassem Gesicht). Potenzen für den akuten Einsatz sind D6 bis D12.

Bauchschmerzen

Oft sind Bauchschmerzen die Folge von zu viel oder zu schwerem oder blähungstreibendem Essen oder lassen sich auf eine seelische Belastung zurückführen. Treten sie jedoch häufiger auf oder sind sie von Krämpfen, Fieber oder starken Schmerzen begleitet, ist ein Arztbesuch unabdingbar, um organische Ursachen schnellstmöglich auszuschalten. 80 bis 90 Prozent der wiederkehrenden Bauchschmerzen gelten als psychisch bedingt. Die allgemeine Reizüberflutung, der viele Kinder ausgesetzt sind, spielt eine nicht unerhebliche Rolle.

Maßnahmen-- Das Kind sollte in einer reizarmen, warmen Umgebung entspannen. Bauchmassagen im Uhrzeigersinn, warme Kompressen mit krampflösendem Kümmel- oder Melissenöl sowie blähungstreibender Fenchel-Anis-Kümmel-Tee schaffen Erleichterung. Auch pflanzliche Fertigarzneimittel und Homöopathika lindern Symptome.

Bei gasbedingten Magen-Darm-Beschwerden hilft das Entschäumungsmittel Simeticon (z. B. Lefax ®, Sab ® simplex). Ein typisches Homöopathikum für Kinder, die unter Stress leiden und dazu neigen, sich mit fetten Speisen zu überessen, ist Nux vomica D6.

Erbrechen

Falsche Ernährung, ein verdorbener Magen, Infektionskrankheiten, Vergiftungen, aber auch Reiseübelkeit und Stress können akut Erbrechen auslösen und je nach Umfang zu erheblichem Mineralstoff- und Flüssigkeitsverlust führen.

Maßnahmen-- Generell sollte die Ursache des Erbrechens abgeklärt werden. Bei Fieber, heftigem Ausmaß oder begleitenden Schmerzen sollte der Arzt kontaktiert werden. Antiemetika wie Dimenhydrinat (z. B. Vomex ® A, Superpep ®) gibt es in verschiedenen Zubereitungsformen und können sowohl prophylaktisch als auch zur Behandlung von Erbrechen unterschiedlichster Genese eingesetzt werden. Zum Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes und zur Beruhigung des Magens helfen Kamillenblüten- oder Melissenblättertee. Bei Reiseübelkeit kann das Homöopathikum Cocculus D6 schon vorab gegeben werden.

Vergiftung-- Der Verzehr von verdorbenen Lebensmitteln, giftigen Pflanzenteilen oder Pilzen sowie das Verschlucken von Haushaltschemikalien können Erbrechen auslösen. Diese im Prinzip sinnvolle Methode, sich der giftigen Substanzen zu entledigen, kann bei schaumbildenden oder ätzenden Flüssigkeiten schwere Komplikationen mit sich bringen. Deshalb sollte Erbrechen nicht erzwungen werden. Wichtigste Maßnahme ist ein Anruf bei der für die Region zuständigen Giftnotrufzentrale. Deren Ortsvorwahl folgt die Durchwahl 19240.

Durchfall

Ungeformte Darmentleerungen kommen bei Kindern häufig vor. Infektionen mit Rotaviren oder Salmonellen gehen neben Durchfall mit Fieber, Erbrechen, Bauchschmerzen und fehlendem Appetit einher. In diesem Fall ist ein Arztbesuch angezeigt. Ebenso sollte Rücksprache gehalten werden, wenn der Durchfall nach zwölf Stunden nicht abklingt oder ihm Blut beigemengt ist.

Maßnahmen-- Eine orale Rehydratation (z. B. mit Oralpädon ®) dient zum Ausgleich fehlender Elektrolyte und Flüssigkeit. In schweren Fällen kann die Therapie im Krankenhaus intravenös erfolgen. Die nachfolgenden Therapeutika folgen unterschiedlichen Wirkprinzipien. Medizinische Kohle (z. B. Kohle-Compretten®) ist in der Lage, Giftstoffe zu adsorbieren und aus dem Darmtrakt zu entfernen. Tannin-Eiweiß (z. B. Tannalbin®) wirkt adstringierend und verschließt kleinste Kapillaren im Darm, was die Aufnahme von Giftstoffen aus dem Darm erschwert und den Wasserverlust über die Darmschleimhaut senkt. Trockenhefe mit Saccharomyces cerevisia (z. B. Perenterol ®) kann bestimmte Bakterienarten binden und wirkt sich hemmend auf die Vermehrung relevanter Keime aus.

Milchsäurebakterien (z. B. Lacteol ®) fördern das Wachstum der gesunden Darmflora und erzeugen einen Biofilm auf der Darmschleimhaut, durch den Krankheitserreger sich nicht mehr anheften können. Eine motilitätshemmende Wirkung besitzt der Trockenextrakt aus Uzarawurzel (Uzara ®).

Verstopfung

Findet die Stuhlentleerung stattdessen seltener statt und ist der Faeces von verhärteter Konsistenz, liegt eine Verstopfung vor. Meist ist die Ernährung dafür der Auslöser und, sofern der Zustand nicht chronisch ist, eine spezielle Therapie nicht erforderlich.

Maßnahmen-- Eltern sollten auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr des Kindes achten sowie auf eine ballaststoffreiche Ernährung mit Vollkornprodukten sowie rohem Obst und Gemüse. Besteht darüber hinaus Bedarf, die Stuhlentleerung kurzfristig zu erleichtern, helfen Lactulose-Sirupe (z. B. Bifiteral ®), Glycerol-Zäpfchen (z. B. Glycilax ®, Nene-Lax) und Natriumpicosulfat (für Kinder ab 4 Jahre, z. B. Laxoberal ®).

Kleinere Wunden

Aktive Kinder holen sich beim Toben oder im Sport reihenweise Blessuren. Bei Schnitt-, Platz- oder Schürfwunden sollte die Wunde von Schmutzpartikeln befreit werden. Zum anschließenden Spülen kann isotonische Natriumchlorid- oder Ringerlösung verwendet werden. Erst danach kommen Hautdesinfektionsmittel zum Einsatz wie Octenidinlösung (z. B. Octenisept ® Wunddesinfektion) oder Povidon-Jod (z. B. Betaisodona ®). Generell ist bei Desinfektionsmaßnahmen auf eine vollständige Benetzung der Wunde und eine ausreichend lange Einwirkzeit zu achten. Ein Abdecken der Wunde mit Pflastern oder Wundkompressen schützt die empfindliche Stelle vor Verschmutzung.

Antibiotisch-- Ist die Wunde bereits bakteriell infiziert, kann Tyrothricin helfen (in Tyrosur ® Gel). Es wirkt durch direkten Angriff auf die Zellwand bakterizid bzw. bakteriostatisch auf grampositive und einige gramnegative Bakterien.

Augenentzündungen

Rote Augen treten häufig auf, wenn die Bindehaut durch Fremdkörper wie Staub oder Spielplatzsand gereizt wird; aber auch Viren oder allergische Reaktionen können dahinterstecken. Kommt allerdings gelblicher Eiter hinzu, der den Abflussweg im Augenwinkel in Richtung Nase blockiert, sind in der Regel Bakterien die Verursacher. Eine solche Augenentzündung ist sehr ansteckend und überträgt sich nicht nur problemlos auf das benachbarte Auge, sondern auch auf andere Menschen.

Maßnahmen-- Ein Arztbesuch sollte bei Augenproblemen stets erfolgen. Verordnete Präparate dürfen nicht von anderen Familienmitgliedern benutzt werden, um eine Ansteckung zu vermeiden. Kinder und Angehörige sollten auf eine gründliche Händehygiene hingewiesen werden, ein persönliches Handtuch benutzen, die Augen nicht reiben und mindestens für drei Tage den Kontakt zu anderen Kindern meiden.

In der Pflanzenheilkunde hat sich das Kraut des Augentrosts (Euphrasia officinalis) zur Behandlung gereizter Augen bewährt. Angeboten werden verschiedene Darreichungsformen, zum Beispiel Euphrasia D3 Augentropfen, Euphrasia comp. Augensalbe oder Herba-Vision ® Augentrost. Zur Beruhigung der Bindehaut kann auch das Vitamin-B-Derivat Dexpanthenol (z. B. Bepanthen ® Augensalbe, Augentropfen) eingesetzt werden.

Ohrenschmerzen

Gerade bei kleineren Kindern schafft es die Ohrtrompete (Eustachische Röhre) noch nicht in ausreichendem Maße, das Mittelohr zu belüften und Sekrete in den Nasen-Rachen-Raum abzuleiten. Besonders Erkältungskrankheiten können die Funktion so weit einschränken, dass es infolge eines Tubenkatarrhs zur Mittelohrentzündung kommt mit starken Schmerzen, Hörminderung und Fieber. Gelegentlich fließt eitriges Sekret aus dem Gehörgang.

Cave-- Eitrige Infektionen im Schädelbereich bergen stets die Gefahr, sich auf die Knochen, Knochenhöhlen und andere Organe auszubreiten. Ein Arztbesuch ist sinnvoll, um neben den Ursachen auch die Notwendigkeit eines Antibiotikums zu klären.

Maßnahmen-- Schon bei den ersten Beschwerden hilft das Auflegen warmer Kompressen oder eines Zwiebelsäckchens, dessen Dämpfe den Sekretfluss fördern. Eine Behandlung mit abschwellendem Nasenspray (z. B. Nasenspray-ratiopharm ® für Kinder kons. frei) fördert die Belüftung des Systems, sollte aber die in der Packungsbeilage angegebene Anwendungsdauer von wenigen Tagen nicht überschreiten.


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