28.08.2016

Krankheiten des Babys

von Kirsten Bechtold

Schon Babys müssen sich mit den Tücken des Lebens auseinandersetzen. Dreimonatskoliken machen vor allem kleinen Jungs zu schaffen, Magen-Darm- oder grippale Infekte treffen früher oder später jeden.

© Doreen Zorn / Mauritius


  • Babyhaut ist empfindlich. Während Austrocknungserscheinungen sich selbst regenerieren, erfordert eine Neurodermitis konsequente Hautpflege.
  • Häufige Erkältungen sind Folge des unausgereiften Immunsystems. Aus einem Schnupfen kann eine schmerzhafte Mittelohrentzündung entstehen.
  • Fieber ist ein Symptom von Krankheiten, folgt aber auch körperlicher Anstrengung oder Aufregung. Ab etwa 38 °C sind Wadenwickel und Medikamentengabe sinnvoll.
  • Neben Dreimonatskoliken oder Stuhlproblemen beeinträchtigen durchbrechende Zähne das Wohlergehen von Babys.

In den ersten zwölf Monaten muss sich der Organismus des Säuglings erst einmal an die Welt außerhalb des Mutterleibs anpassen. Nicht nur die Haut ist plötzlich zahlreichen Umweltreizen ausgesetzt, auch der Darm muss nun eigenständig Nahrung verdauen. Als wäre das nicht schon genug, kommen nach und nach die Zähnchen, und das Immunsystem ist noch nicht voll funktionsfähig.

Zwar erhalten Babys bei der Geburt einen Nestschutz, der sie die ersten sechs bis neun Monate vor Kinderkrankheiten, Erkältungen und Magen-Darm-Infekten schützt. Spätestens danach bereiten jedoch Schnupfen, Husten, Fieber und Durchfall sowohl dem Säugling als auch seinen Eltern manch schlaflose Nacht.

Was es problematisch macht: Babys zeigen nicht unbedingt die typischen Krankheitssymptome. Stattdessen verhalten sie sich einfach anders als normal. Sie schlafen zum Beispiel viel, sind unruhig oder apathisch, trinken nicht mehr so gut oder haben keinen Appetit. Und, wenn ein Baby krank ist, kann es ihm sehr schnell schlechter gehen. Daher lieber im Zweifel einmal mehr zum Kinderarzt gehen als einmal zu wenig.

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Start ins Leben

Bei mindestens jedem zweiten Neugeborenen verfärben sich etwa zwei bis drei Tage nach der Geburt zunächst die Gesichtshaut, das Augenweiß und die Schleimhäute gelblich. Später wandert die Verfärbung den Körper entlang nach unten. Der Grund für diese physiologisch bedingte Form der Gelbsucht, auch Neugeborenengelbsucht genannt, ist ein Überschuss an Hämoglobin. Beim Abbau des roten Blutfarbstoffs wird Bilirubin freigesetzt, welches sich in der Haut anreichert, für die Gelbfärbung verantwortlich ist und nach und nach über den Stuhl ausgeschieden wird. Im Normalfall bildet sich die Gelbsucht innerhalb der ersten Lebenswoche zurück. Verfärbt sich allerdings der Urin braun, und ist der Stuhl aufgehellt, farblos oder fast weiß, deutet die bestehende Gelbsucht auf einen Leberschaden hin.

Screening

Bereits am 3. Lebenstag wird bei fast allen Babys das Blut routinemäßig auf bestimmte angeborene Stoffwechseldefekte wie Phenylketonurie oder Galaktosämie untersucht. Ergibt das Neugeborenenscreening einen positiven Befund, lassen sich in den meisten Fällen Entwicklungsstörungen durch eine frühzeitige Therapie verhindern.

Faktum

  1. Der Mangel an bestimmten Enzymen kann durch Anreichern falscher Stoffwechsel-Abbauprodukte oder Fehlen erwünschter Produkte schwere Entwicklungsstörungen bewirken.
  2. Die Phenylketonurie führt zum falschen Abbau der Aminosäure Phenylalanin. Die Therapie fordert eine lebenslange phenylalaninarme Diät.
  3. Bei der Galaktosämie wird der Zucker Galaktose nicht in Glukose umgewandelt. Betroffene brauchen lebenslang laktosefreie und galaktosearme Kost.

Verstopfte Tränenkanäle

Ein häufiges Problem bei Neugeborenen sind verstopfte Tränenkanäle. Grund hierfür ist eine dünne Membran, die die Einmündung des Tränennasengangs in die Nase verschließt Dadurch staut sich Flüssigkeit, und die Augen tränen. Bakterien können sich leicht ausbreiten. Sichtbare Zeichen einer eitrigen Entzündung sind gelbliche Krusten in den inneren Augenwinkeln, vor allem nach dem Aufwachen. Die Krusten können mit einem feucht-warmen Tuch vorsichtig entfernt werden. Ein altes Hausmittel ist Muttermilch, mehrmals täglich in den Augenwinkel getröpfelt. In den meisten Fällen öffnen sich die Tränenkanäle in den ersten Lebensmonaten von allein.

Empfindliche Haut

An der Haut wird es sichtbar: Nach neun Monaten im Mutterleib, und damit schwimmend im Fruchtwasser, muss sich die äußere Hülle nun an die trockenen Gegebenheiten der Umwelt gewöhnen. Daher beginnt sie sich bei fast jedem Säugling in den ersten Tagen nach der Geburt zu schuppen. Das ist kein Grund zur Panik, in aller Regel regeneriert sie sich von selbst. Pflegende Cremes können helfen, sind aber nicht unbedingt notwendig.

Neugeborenenakne-- Bei vielen Babys kommt es bis etwa vier Wochen nach der Geburt zur Neugeborenenakne. Hierbei handelt es sich vermutlich um eine Reaktion auf die mütterlichen Geschlechtshormone, die im Mutterleib auf das Baby übergegangen sind. Die kleinen, rötlichen Pusteln treten vor allem im Gesicht auf. Solange sie sich nicht entzünden, muss gegen die Flecken nichts unternommen werden. Sie gehen innerhalb einiger Wochen von selbst zurück.

Erythema toxicum-- Treten gelblich-weiße, von einem roten Hof umgebene Knötchen, an den Armen, Beinen oder am Rumpf auf, handelt es sich wahrscheinlich um ein Erythema toxicum. Auch dies ist eine völlig normale Hauterscheinung bei Säuglingen, die nach wenigen Tagen nicht mehr sichtbar ist.

Neurodermitis

Ernst zu nehmen sind unscharf begrenzte, gerötete und/oder nässende Herde mit Bläschen, Schuppen und gelegentlich auch Krusten. Diese Symptome deuten auf eine Neurodermitis (atopisches Ekzem, atopische Dermatitis) hin. Die schubweise auftretende, vererbbare Hautentzündung ist oft mit starkem Juckreiz verbunden und beginnt sehr häufig bereits um den 3. Lebensmonat.

Typischerweise treten die Hautprobleme bei Babys an den Wangen, am behaarten Kopf und an den Streckseiten von Armen und Beinen auf. Einige reagieren verstärkt mit Hautausschlägen, wenn neue Lebensmittel nach dem Abstillen eingeführt werden oder nach Impfungen. Der Grund dafür ist derzeit noch ungeklärt.

Die Hautprobleme treten bei Babys an den Wangen, am behaarten Kopf und an den Streckseiten von Armen und Beinen auf.

Pflege-- Neurodermitisgeplagte Säuglingshaut benötigt eine andere Pflege als die gesunde Babyhaut. Prinzipiell muss die Behandlung der Neurodermitis an die individuellen Bedürfnisse des kleinen Patienten (z. B. nässende oder trockene Ekzeme) angepasst werden. Auf jeden Fall bedarf es einer Basispflege mit Cremes und Lotionen (z. B. Eucerin® AtopiControl 12 % Omega, Bedan®) sowie rückfettenden Ölbädern (z. B. Balmandol®), um die Schutzfunktion der Haut zu verbessern und die schubfreie Zeit möglichst zu verlängern.

Windeldermatitis

Ein wunder Po ist bei Säuglingen nichts Ungewöhnliches. Durch Windeln als Feuchtigkeitssperre weicht die zarte Haut auf. Urin und Stuhl reizen sie zusätzlich. Zinkhaltige Cremes (z. B. Weleda Calendula Babycreme) lassen die Rötung meist innerhalb weniger Tage zurückgehen.

Windelsoor-- Ein Fall für den Arzt ist die Windeldermatitis, wenn sich die Symptome darüber hinaus nicht bessern, sich die Rötung weiter ausbreitet und offene oder nässende Stellen sichtbar werden. Eventuell werden diese dann mit desinfizierenden oder gerbstoffhaltigen Präparaten behandelt. Eine Infektion mit dem Hefepilz Candida albicans (Windelsoor) kann sich auflagern. Dann wird der Arzt gegen Pilze wirksame Lotionen oder Cremes (Antimykotika, meist mit Nystatin oder Clotrimazol) verordnen.

Seborrhoisches Säuglingsekzem-- Fest haftende, gelbe, fettige Schuppen auf der behaarten Kopfhaut des Babys sind ein Zeichen für ein seborrhoisches Säuglingsekzem (Kopfgneis, Grind). Ebenso können feuchte Schuppen auf geröteter Haut, vor allem im Bereich der Hautfalten und in der Windelregion auftreten. Warum das Ekzem entsteht, ist bis heute nicht geklärt; vermutet wird, dass eine übermäßige Talgproduktion daran schuld ist.

Babys kümmert diese Hauterscheinung meist wenig, da der Ausschlag nicht juckt. Er verschwindet in aller Regel nach wenigen Wochen bis einigen Monaten auch ohne Behandlung. Möchten Eltern dennoch etwas gegen die unschönen Schuppen unternehmen, können sie diese zum Beispiel mit Befelka-Hautöl, Speise- oder Babyöl einweichen und anschließend mit einem milden Babyshampoo vorsichtig abwaschen (nicht kratzen!). Für hartnäckige Fälle kann dem Öl Salicylsäure (0,25 %) zugemischt werden.

Milchschorf-- Das seborrhoisches Säuglingsekzem wird umgangssprachlich häufig Milchschorf genannt. Das ist falsch, denn bei echtem Milchschorf juckt die Kopfhaut, und die sich bildenden Krusten nässen oftmals. Milchschorf kann ein Zeichen dafür sein, dass das Baby zu einer Allergie bzw. zu Neurodermitis neigt. Das ist beim Kopfgneis nicht der Fall.

TIPP!

Antimykotische Tropfen helfen, wenn der Hefepilz Candida albicans für weißliche Beläge auf Babys Mundschleimhaut und Zunge (Mundsoor) sorgt. Sie müssen mehrmals täglich gut im Mundbereich des Kindes verteilt werden.

Training fürs Immunsystem

Kaum lässt der Nestschutz nach, läuft auch schon die Nase. Durchschnittlich acht bis zehn Erkältungen pro Jahr sind nicht ungewöhnlich für Babys. Jeder Infekt trainiert dabei die körpereigene Abwehr. Erfreulicherweise verlaufen Erkrankungen der oberen Luftwege bei den meisten Säuglingen harmlos. Nasentropfen mit isotonischer Kochsalzlösung (z. B. Olynth® salin® Tropfen) helfen dabei, die Schleimhaut feucht zu halten. Damit das Kind nachts besser schlafen kann, können Nasentropfen oder -sprays mit schleimhautabschwellenden Substanzen wie Oxymetazolin (z. B. Nasivin® o. Kons. Dosiertropfer Baby) oder Xylometazolin (z. B. Otriven® 0,025% Nasentropfen f. Sgl.) sparsam verwendet werden.

Otitis media-- Ganz auf die leichte Schulter nehmen sollten Eltern den Schnupfen ihrer Kinder nicht. Als Komplikation kann es zu einer schmerzhaften, akuten Mittelohrentzündung (Otitis media) kommen. Das passiert, wenn die Erkältungsviren über die kurze Ohrtrompete ins Mittelohr wandern und sich dort die Schleimhaut entzündet.

Säuglinge zeigen oftmals nicht die charakteristischen Merkmale einer Mittelohrentzündung und können natürlich auch nicht in Worten ausdrücken, wo es weh tut. So kann es sein, dass das Verhalten des Babys auf Bauchschmerzen hindeutet, hohes Fieber auftritt und manchmal auch Durchfall. Greifen sich die Babys häufig an die Ohren, kann dies ein Zeichen für eine Otitis media sein. Es kann aber auch sein, dass das Kleine nur müde ist. Vielfach klingt eine Mittelohrentzündung mit nur leichten Beschwerden nach zwei bis drei Tagen von selbst ab. Verschlechtern sich die Symptome, sind Antibiotika Mittel der Wahl.

Husten

In aller Regel sind Viren auch daran schuld, wenn sich zur laufenden Nase ein Husten gesellt. Die akute Bronchitis zeichnet sich meist dadurch aus, dass zunächst trockener Reizhusten auftritt. Dieser geht dann möglicherweise später in lockeren Husten mit Auswurf über. Unterstützend können schleimlösende Hustensäfte mit Ambroxol (z. B. Mucosolvan® Kindersaft 30 mg/5 ml), Efeublätterextrakt (z. B. Prospan® Hustensaft) oder Thymianfluidextrakt (Soledum® Hustensaft) helfen. Achtung! Viele Thymianpräparate werden laut Fachinformation erst für Kinder ab einem Jahr empfohlen.

Bei Bronchitis tritt zunächst trockener Reizhusten auf, der später locker wird.

Bronchiolitis--  Bei Säuglingen sind häufig nicht nur die Bronchien, sondern auch deren feine Verästelungen, die Bronchiolen, entzündet. Bei einer Bronchiolitis verkrampfen sich, ebenso wie bei einer obstruktiven Bronchitis, die in der Bronchialwand eingelagerten Muskeln. Dies geht bei der Ausatmung mit pfeifenden Geräuschen (Giemen) einher bis hin zu Atemnot. In diesen Fällen ist ein Besuch beim Kinderarzt Pflicht. Hinter den Symptomen können sich auch ein Asthma bronchiale oder eine Lungenentzündung verstecken.

Steigende Temperatur

An der Höhe des Fiebers lässt sich nicht ablesen, wie gefährlich eine Erkrankung ist. Fieber ist nur ein Symptom, mit dem sich der Organismus gegen Krankheitserreger wehrt. Zudem führen zum Beispiel auch körperliche Anstrengung oder Aufregung zu einem Anstieg der Körpertemperatur. Daher ist es schwierig, genaue Grenzwerte anzugeben, ab wann es gefährlich wird. Babys unter sechs Monaten sollten dem Arzt vorgestellt werden, wenn die Temperatur über 38 Grad Celsius, gemessen im Enddarm, steigt. Für ältere Säuglinge wird häufig als Grenze 38,5 Grad Celsius angegeben. Ist das Kind apathisch und will nichts essen und trinken, ist ein Arztbesuch immer ratsam.

TIPP!

Ein Fieberkrampf ist meist nach etwa 15 bis 30 Minuten vorbei. Vorbeugen ist schwierig. Raten Sie betroffenen Eltern, bereits ab den ersten Anzeichen für einen Infekt, Fieber zu messen und fiebersenkende Maßnahmen einzuleiten, wie Wadenwickel oder Medikamentengabe.

Fiebersenkende Maßnahmen-- In vielen Fällen hilft es bereits, dem Kind weniger anzuziehen, um das Fieber zu senken bzw. die Temperatur konstant zu halten. Nasse Wadenwickel können ebenfalls mildernd wirken. Aber Achtung: Das Kind darf auf keinen Fall zu zittern anfangen. Das lässt die Temperatur weiter steigen.

Medikamentös kommen für Säuglinge vor allem zwei Substanzen in Frage: Paracetamol und Ibuprofen. Beide besitzen nicht nur fiebersenkende, sondern auch schmerzlindernde Eigenschaften, Ibuprofen hemmt zudem Entzündungen. Paracetamol (z. B. ben-u-ron® 75 mg Zäpfchen) kann ab einem Körpergewicht von drei Kilogramm, also quasi ab Geburt, gegeben werden. Die Substanz wird in Abhängigkeit von Alter und Körpergewicht dosiert. Daher ist es wichtig, die Angaben in der Packungsbeilage zu beachten. Das gilt auch für Ibuprofen. Nurofen® junior 60 mg Zäpfchen können beispielsweise Babys ab drei Monaten und einem Gewicht von mindestens sechs Kilogramm gegeben werden. Andere Präparate werden erst ab einem Alter von sechs Monaten empfohlen (z. B. Dolormin® für Kinder 2 % Suspension).

Drei-Tage-Fieber-- Viren der Herpesgruppe sind mit hoher Wahrscheinlichkeit verantwortlich dafür, wenn das Baby plötzlich und ohne Grund hohes Fieber bekommt. Weicht das Fieber nach drei Tage einem kleinfleckigen, blassen Hautausschlag, war es mit großer Wahrscheinlichkeit das Drei-Tage-Fieber. Dieses betrifft Babys ab dem 6. Monat und Kleinkinder bis drei Jahre. Ansteckend sind die Kleinen vermutlich schon drei bis vier Tage, bevor die Symptome auftreten und bis zum Auftreten des Hautausschlags. Normalerweise heilt das Drei-Tage-Fieber folgenlos aus. Dennoch sollte der Arzt vor allem bei den ganz Kleinen aufgesucht werden, damit dieser andere Erkrankungen ausschließen kann.

Gefährlich kann das Drei-Tage-Fieber für Säuglinge und Kleinkinder werden, die zum Fieberkrampf neigen. Entsprechend veranlagt, können Krampfanfälle auftreten, wenn die Temperatur zu schnell ansteigt oder – beim langsamen Anstieg – eine gewisse Grenze, meist 38,9 Grad Celsius überschreitet. Das Kind wird bei einem Fieberkrampf steif, die gesamten Muskeln des Körpers krampfen, und es kann bewusstlos werden.

Magen-Darm-Infekt

Ist der Stuhl plötzlich flüssiger als normal, riecht übel und kommt deutlich häufiger als üblich, deutet dies auf einen Magen-Darm-Infekt hin. Möglicherweise wird dieser begleitet von Erbrechen. Beide Symptome sind quasi schon die Therapie, denn auf diese Weise versucht der Körper die Erreger, meist Rota-, Adeno- und Noroviren, wieder los zu werden. Das Ganze ist daher normalerweise nach zwei bis vier Tagen überstanden.

Achtung: Dehydratation!-- Gefährlich wird eine infektiöse Gastroenteritis mit Durchfall und Erbrechen für Babys vor allem dadurch, dass sie bezogen auf ihr Körpergewicht schnell sehr viel Flüssigkeit und damit auch Elektrolyte verlieren. Es droht die Austrocknung (Dehydratation). Daher ist es besonders wichtig, dass die Kleinen weiterhin essen und trinken. Das kann die Brustmahlzeit oder das Fläschchen sein. Ist der Säugling schon älter und bekommt Beikost, empfiehlt es sich, für ein paar Tage eine leicht-verdauliche Schonkost (z. B. Banane, Karotte, Haferbrei) zu geben. Fertige Elektrolytpräparate (z. B. Elotrans®) können helfen, die verlorengegangenen Mineralstoffe und Spurenelemente zu ersetzen.

Unruhe vorprogrammiert

Schreit das Neugeborene bevorzugt in den Abendstunden immer wieder lang anhaltend während oder kurz nach der Mahlzeit, windet sich und hat offensichtlich Schmerzen, kann eine „Dreimonatskolik“ dahinter stecken. Inzwischen ist bekannt, dass die Luftansammlung im Bauch die Folge des Luftschluckens während des Schreiens ist und nicht die einer Kolik. Das Kind hat noch nicht gelernt, sich selbst zu beruhigen. Daher zählt das exzessive und unspezifische Schreien heute zu den Regulationsstörungen.

Ausprobieren-- Ratschläge, was dem Schreibaby helfen kann, gibt es viele. Aber jedes Kind reagiert unterschiedlich. Daher gilt die Devise: ausprobieren. Vielleicht helfen entschäumende Medikamente (z. B. sab simplex®, Lefax® Pump-Liquid) dabei, übermäßige Luft- und Gasansammlungen aus dem Magen-Darm-Trakt zu entfernen. Stillende können versuchsweise blähende Zwiebeln, Kohl und Bohnen vom Speiseplan streichen. Möglicherweise hilft es auch, den Säugling häufiger anzulegen, um den Darm zu entlasten und es häufiger „bäuern“ zu lassen. Bei Flaschenkindern sollte das Saugloch nicht zu groß sein, damit nicht zu viel Luft in den Darm gelangt.

Viele Säuglinge mögen es, wenn ihr Bauch im Uhrzeigersinn mit Fenchelöl massiert wird. Andere beruhigende Maßnahmen wie Herumtragen, Einwickeln, Hin- und Herschaukeln oder Ablenkung können ebenfalls für Entlastung sorgen.

Harter Stuhl

Wie oft ein Baby Stuhlgang hat, ist individuell verschieden. Auch eine Frequenz von bis zu zehn Tagen ist in Ordnung, wenn der Stuhl nicht zu hart ist und der Säugling keine Bauchkrämpfe oder Schmerzen beim Ausscheiden hat. Andernfalls liegt vermutlich eine Verstopfung vor. Hier besteht die Gefahr, dass die Schleimhaut am Darmausgang einreißt, was schmerzhaft ist und Entzündungen den Boden ebnet.

Stuhlerweichend-- Ursachen für harten Stuhl gibt es viele, zum Beispiel die Einführung von Beikost, eine Umstellung der Ernährung, zu wenig Flüssigkeit, eventuell auch zu hohe Flüssigkeitsverluste durch Fieber, Durchfall oder Erbrechen. Ausreichend Trinken und die Gabe von kleinen Mengen Pflaumen- oder Birnensaft/-mus können in vielen Fällen leicht und schnell Abhilfe schaffen. Milchzucker (Laktose), unter das Essen gemischt, erweicht den Stuhl ebenfalls. Funktionieren diese Maßnahmen nicht oder zeigt sich Blut in der Windel, sollte der Kinderarzt aufgesucht werden.

Kurz vorm Durchbruch

Wann die Zähne durchbrechen, ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Im Normalfall bahnen sich etwa ab dem 6. Lebensmonat zunächst die unteren Schneidezähne den Weg durch das Zahnfleisch. Manche Babys bekommen davon überhaupt nichts mit, viele sind jedoch unruhig, reizbar, speicheln mehr als sonst, und ihr Zahnfleisch ist rot und geschwollen. Rote Wangen und ein wunder Po sowie Appetitlosigkeit und sogar Erbrechen können ebenfalls ein Zeichen für den bevorstehenden Durchbruch sein.

Linderung schaffen-- In dieser Phase beißen die Kleinen gerne auf etwas Hartem wie Brotkanten oder Beißringen herum. Viele freuen sich über eine Zahnfleischmassage, zum Beispiel mit einem speziell genoppten Fingerhut aus Silikon. Veilchenwurzeln sollen, wird darauf herum gekaut, entzündungshemmende und zusammenziehende Inhaltsstoffe freisetzen. Aus hygienischen Gründen sind allerdings Brotkanten oder Karotten zu bevorzugen. Homöopathische Einzel- (z. B. Denisia Nr. 9) oder Komplexmittel (z. B. Osanit®, Escatitona® Zahnungstropfen) können Linderung verschaffen. Gels mit der lokal betäubend wirkenden Substanz Lidocain (z. B. Dentinox®-Gel N Zahnungshilfe) wirken kurzzeitig schmerzlindernd.


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