01.01.2022

kurz & bündig: Beratung zum Trockenen Auge

von Stefanie Fastnacht

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Hintergrund 


Das Trockene Auge, auch Sicca-Syndrom genannt, zählt in Deutschland mit einer Prävalenz von 15 bis 17 Prozent zu den Volkskrankheiten. Zu den endogenen Risikofaktoren gehören zunehmendes Alter und hormonelle Schwankungen, weshalb es Frauen in und nach den Wechseljahren häufiger trifft als Männer. Ferner sind eine Reihe von Grunderkrankungen mit Trockenen Augen vergesellschaftet, etwa eine Dysfunktion der Meibom-Drüsen, Rosacea, Diabetes mellitus oder rheumatische Erkrankungen. Daneben begünstigen verschiedene äußere FaktorenTrockene Augen: Klimaanlagen und Zugluft, trockene Heizungsluft in der kalten Jahreszeit, ständige Bildschirmarbeit, Tabakrauch und Umweltschadstoffe wie Autoabgase und Ozon. Auch das Tragen von Kontaktlinsen kann die Augen austrocknen. Das Gleiche gilt für die Einnahme von Medikamenten, zum Beispiel Anticholinergika, Betablocker oder orale Kontrazeptiva. Typische Symptome trockener Augen sind Juckreiz, Brennen, Fremdkörpergefühl, Rötungen und Entzündungen sowie Tränenfluss.

Tränenfilminstabilität


Bei Gesunden sorgt der Tränenfilm dafür, dass die Augen gut benetzt und vor Austrocknung geschützt sind. Er setzt sich von innen nach außen aus drei Schichten zusammen. Die innerste Schicht besteht aus Tränenflüssigkeit und Schleimstoffen, den Muzinen. Die mittlere Schicht ist wässrig. Die äußere Schicht, die die Barriere zur Umwelt bildet, setzt sich aus Lipiden zusammen und bildet einen feinen Fettfilm. Die enthaltenen Lipide werden von am Rand der Ober- und Unterlider sitzenden Talgdrüsen, den Meibom-Drüsen, produziert. Stimmt die Zusammensetzung des Tränenfilms nicht, wird er instabil. In Folge ist die Augenoberfläche nicht mehr richtig geschützt und befeuchtet. Fachleute unterscheiden bei einem instabilen Tränenfilm Störungen der wässrigen oder muzinösen Anteile. Dabei verändern sich durch eine mangelnde Tränenproduktion die Fließeigenschaften des Tränenfilms, sodass er aufreißt und die Augenoberfläche nicht mehr richtig überzieht. Durch Störungen der Lipidkomponenten verdunstet dagegen der wässrige Anteil des Tränenfilms zu schnell und verursacht so Beschwerden. Oft liegen auch Mischkomponenten vor.

Begleittipps


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Raten Sie Kunden, die unter trockenen Augen leiden, häufig zu lüften und in der kalten Jahreszeit Luftbefeuchter einzusetzen. Neben vitaminreicher Ernährung und der Zufuhr von viel Flüssigkeit hilft ausreichend Schlaf. Kontaktlinsenträger sollten die Augen durch das Tragen einer Brille entlasten. Regelmäßig eingehaltene Pausen bei der Bildschirmarbeit und das bewusste Blinzeln tragen ebenfalls zur Entlastung bei. Bei einem Mangel an Lipiden ist es zudem ratsam, die Lidränder regelmäßig sanft zu massieren und so die Meibom-Drüsen zu stimulieren. Warme Augenkompressen unterstützen dies und pflegen zusätzlich die Lidränder. Da Konservierungsmittel wie Benzalkoniumchlorid mit der Zeit das Hornhautepithel beeinträchtigen können, empfehlen sich vor allem bei langfristiger Anwendung Augenpräparate ohne Konservierungsmittel.

Selbstmedikation, ja oder nein?


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Kunden, die in der Apotheke über lang anhaltende oder stark ausgeprägte Beschwerden klagen, sollten einen Augenarzt konsultieren. Nur er kann letztlich die individuellen Ursachen von trockenen Augen und die Zusammensetzung des Tränenfilms beurteilen. Gesellen sich zu Rötungen, Brennen und Jucken akute Schmerzen oder eine deutliche Beeinträchtigung des Sehvermögens, sind Betroffene ebenfalls an den Augenarzt zu verweisen, um etwa eine Hornhautbeteiligung oder einen Glaukomanfall auszuschließen. Auch bei Verdacht auf bakterielle oder virale Infektionen ist der Gang zum Arzt angezeigt. Sporadisch auftretendes Fremdkörpergefühl deutet dagegen auf einen Mangel an wässrig-muzinösen Bestandteilen im Tränenfilm hin. Das Gleiche gilt für Kunden, die zum Beispiel nach der Bildschirmarbeit oder nach dem Gamen über Beschwerden klagen. Hier können Präparate aus der breiten OTC-Palette von Tränenersatzmitteln in der Apotheke hilfreich sein.

Tränenersatzmittel


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Für leichte Symptome eignen sich niedrig viskose Tränenersatzmittel mit synthetischen Polymeren wie Polyvinylpyrrolidon (Povidon, z. B. Lac ®-Ophtal ® MP) und Polyvinylalkohol (z. B. Liquifilm ® Benetzende Augen Pflegetropfen). Reicht das nicht, helfen höher viskose Filmbildner wie Hypromellose (z. B. Berberil ® Dry Eye EDO ®), Carboxymethylcellulose (Carmellose, z. B. Optive ®), Hyaluronsäure (z. B. Ocutears ® Hydro+) oder Trehalose (z. B. Thealoz ®duo Augentropfen, +Hyaluronsäure). Noch stärker wirkt Polyacrylsäure (Carbomer, z. B. Thilo-Tears ® Augengel). Vorsicht: Sichtbehinderung, deshalb nachts nehmen. Lipid-/Liposomzusätze gleichen Lipidmangel aus. Bewährt bei einer Lipidphasenstörung haben sich Medizinprodukte mit Perfluorhexyloctan (EvoTears ®), das die Lipidphase ersetzt. Praktisch sind auch Präparate, die auf das geschlossene Lid gesprüht werden und von dort in das Auge einwandern (z. B. Tears Again ® Liposomales Augenspray, + Vit. A u. a.).


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