29.11.2017 - Zum Beratungsthema: Winterhaut

kurz & bündig: Beratung zur Babyhautpflege

© katrinaelena / stock.adobe.com

Anzeige

von Stefanie Fastnacht


Der Hintergrund


©koti / stock.adobe.com

Die Haut eines reifen und gesunden Neugeborenen ist bereits voll funktionsfähig. Allerdings ist sie noch nicht so belastbar wie bei Erwachsenen und auch weniger dick. Weshalb Urin und Stuhl in Windeln, übertriebene Reinigung mit Wasser und Detergenzien durch die Eltern oder andere Personen sowie mechanische Belastungen Irritationen auslösen können. Entwickeln sich Hauterkrankungen, zum Beispiel eine Neurodermitis (Atopisches Ekzem), liegt meist eine genetische Disposition vor. Diese Kinder haben oft eine besonders empfindliche, trockene Haut und benötigen tägliche Pflegeeinheiten. Neben inneren Faktoren beeinflussen vor allem Umweltfaktoren wie Kälte oder Sonnenexposition die Haut. Das Eincremen der Wangen mit wasserfreien beziehungsweise wasserarmen Präparaten schützt die Gesichtshaut von im Kinderwagen liegenden Babys vor winterlicher Kälte und Erfrierungen. In Sachen Sonne gilt: Kinder unter einem Jahr sollten durch Hut und langärmelige Kleidung geschützt werden und sich möglichst nur im Schatten aufhalten.

Reinigen


©sognolucido / stock.adobe.com

Hautärzte der Berliner Charité haben 2016 in Zusammenarbeit mit europäischen Kollegen Pflegeempfehlungen für Säuglingshaut erarbeitet. Danach sollten Babys nicht mit einem Waschlappen abgewaschen, sondern mindestens zwei- bis dreimal pro Woche gebadet werden; selbst wenn die Nabelschnur noch nicht abgefallen ist. Auch tägliche Bäder sind erlaubt. Die optimale Badedauer liegt bei fünf bis zehn Minuten, die Raumtemperatur sollte 24 Grad Celsius betragen. Um die Hautreifung nicht zu beeinträchtigen, raten die Dermatologen, auf Badezusätze zu verzichten. Babyöle (z. B. Roche Posay Lipikar Badeöl) oder speziell für die Babyhaut entwickelte Produkte (z. B. Avène Baby Pédiatril Reinigungsgel) sind aber erlaubt und können ins Badewasser gegeben werden. Wichtig ist, dass die Formulierungen den pH-Wert der Haut im leicht Sauren bei etwa 5,5 halten. Nicht geeignet sind dagegen Reinigungspräparate mit aggressiven waschaktiven Substanzen, zum Beispiel Natriumlaurylsulfat. Die Substanz denaturiert Proteine und wird als allergieauslösend und hautreizend eingestuft.

Eincremen


©taichi_k / Getty Images / iStock

Zur Stärkung der Hautbarriere mindestens zweimal wöchentlich Pflegeprodukte auftragen. Die darin enthaltenen Emollienzien (z. B. Fettsäuren, Wollwachs) entspannen die Haut, machen sie weich und geschmeidig. Hinzu kommt eine abdeckende Wirkung, was transepidermale Wasserverluste reduziert und vor Keimen schützt. Wichtig bei der Auswahl und Empfehlung von Pflegepräparaten ist, sie der Jahreszeit anzupassen. Im Winter sollte der Emollienziengehalt (z. B. Excipial® Kids Creme, Weleda Calendula Pflegecreme) höher liegen als im Sommer. Um Wärmestau zu vermeiden, empfiehlt sich im Sommer dagegen eine weniger reichhaltige Pflege (z. B. Bepanthol® Körperlotion, Linola® Hautmilch leicht). Bei Kindern mit infantiler Akne sollte auf Emollienzien möglichst verzichtet werden.

Neurodermitis


©ankomando / stock.adobe.com

Säuglinge mit einem Risiko für Neurodermitis sollten etwa ab der zweiten Lebenswoche täglich von Kopf bis Fuß eingecremt werden. Egal, ob sie nun gebadet wurden oder nicht. Wichtig ist, dass die verwendeten Produkte sowohl Fett als auch Wasser enthalten (z. B. Dermasence® Adtop Creme, Eucerin® AtopiControl Lotion) und sich leicht auftragen und Verteilen lassen. Reines Öl ist ungeeignet, weil es die Haut oft zu stark abdeckt. In Folge schwitzen die Kinder unter der Cremeschicht, beziehungsweise die Haut fängt an zu jucken. Lotionen mit sehr hohem Wasseranteil trocknen die Haut wiederum zu stark aus. Während des Zahnens sollte bei allen Babys, aber besonders bei den Kleinen mit atopischer Veranlagung, darauf geachtet werden, dass die Mundpartie nicht durch den Speichel gereizt wird.

Windeldermatitis


©MatoomMi / Getty Images / iStock

Beim Windelwechsel die Haut mit Wasser und Baumwolltüchern reinigen, sorgfältig trocknen. Trotz guter Pflege entwickelt sich manchmal eine Windeldermatitis: Das toxisch-irritative Kontaktekzem wird durch Urin- und Stuhlkontakt ausgelöst. Auf der vorgeschädigten Haut haben Bakterien und Pilze wie Candida albicans leichtes Spiel: Sie vermehren sich und verstärken die Entzündung. Ist die Haut nur leicht gerötet, empfehlen sich zum Schützen und Ausheilen Salben mit reduziertem Lipidgehalt. Bewährt haben sich Zusätze von wundheilungsförderndem Dexpanthenol. Auch zinksulfathaltige Zubereitungen (z. B. Mirfulan® Wund- und Heilsalbe, Leti AT4 Windelcreme) kommen zum Einsatz. Treten Pusteln, offene und schuppige Hautstellen auf, ist ein Arztbesuch ratsam. Bei der Diagnose Candida helfen nystatinhaltige Formulierungen (z. B. Mykundex® Heilsalbe, Nystatin Holsten Softpaste) die über zehn bis 14 Tage aufgetragen werden.


Artikel teilen

Kommentare (0)

Kommentar schreiben

Die Meinung und Diskussion unserer Nutzer ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie im Sinne einer angenehmen Kommunikation auf unsere Netiquette und Nutzungsbedingungen. Vielen Dank!

* Pflichtfeld

Apotheke und Marketing

APOTHEKE + MARKETING wendet sich an das Fachpersonal in der öffentlichen Apotheke, wobei das Magazin und die Webseite insbesondere auf das berufliche Informationsbedürfnis des Apothekers eingeht.

www.apotheke-und-marketing.de

Springer Medizin

Springermedizin.de ist das Fortbildungs- und Informationsportal für Ärzte und Gesundheitsberufe, das für Qualität, Aktualität und gesichertes Wissen steht. Das umfangreiche CME-Angebot und die gezielte Berichterstattung für alle Fachgebiete unterstützen den Arbeitsalltag.

www.springermedizin.de

Newsletter

Mit unserem Newsletter erhalten Sie Fachinformationen künftig frei Haus – wöchentlich und kostenlos.