30.06.2018

Medikamente: Mit Diabetes reisen

von Anne Bäurle

Für Diabetiker ist eine sorgfältige Reisevorbereitung wichtig. Dazu gehört auch ein umfassender Impfschutz, inklusive Vakzine gegen die saisonale Grippe, hiess es auf dem 19. Forum Reisen und Gesundheit in Berlin.

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Während einer Reise haben über die Hälfte aller Diabetiker wegen veränderter Aktivitäten mehr Blutzuckerentgleisungen als zu Hause (meist Hypoglykämien). Daran erinnerte Dr. Andreas Leischker auf der Veranstaltung in Berlin. „Besonders häufig kommt es in der ersten Nacht zu Hypoglykämien“, so der Internist. Er empfahl Diabetikern daher, doppelt so viele Teststreifen mitzunehmen wie sie im selben Zeitraum zu Hause verbrauchen würden, da der Blutzucker im Urlaub häufiger gemessen werden müsse. Auch Insulin sollte in doppelter Menge eingepackt werden.

Achtung Temperatur

Je nach Reiseziel und Verkehrsmittel müssen auch die Lagerungsbedingungen für Insulin berücksichtigt werden: Insulin ist bei bis zu 30 Grad Celsius mindestens vier Wochen haltbar. Übersteigt die Temperatur 40 Grad Celsius, verliert das Insulin sehr schnell seine Wirksamkeit. Bei sehr hohen Außentemperaturen muss Insulin daher gekühlt werden, so Leischker, der am Alexianer-Krankenhaus in Krefeld tätig ist.

Wer im Winter verreist, muss wissen: Bei kalten Außentemperaturen sollte Insulin körpernah unter der Kleidung aufbewahrt werden, da es bei Gefrieren ebenfalls seine Wirksamkeit verliert. Bedacht werden muss auch, dass Blutzuckermessgeräte bei Temperaturen unter null Grad Celsius in der Regel nicht funktionieren oder falsche Messwerte anzeigen. „Blutzuckermessgeräte müssen daher zumindest vor der Messung angewärmt werden. Außerdem halten Lithiumbatterien insbesondere bei Kälte länger als Alkalibatterien“, so Leischker.

Desinfektionsmittel einpacken

Diabetiker, die in Gegenden mit schlechter medizinischer Infrastruktur reisen, riet Leischker zudem, ein Wunddesinfektionsmittel und für den Fall von Infektionen im Bereich der Füße ein orales Antibiotikum wie Azithromycin oder Amoxicillin/Clavulansäure mitzunehmen. „Aufgeplatzte Blasen müssen bei Diabetikern sofort desinfiziert werden!“.

Der häufigste Auslöser für eine diabetische Ketoazidose sind Infektionen. „Typische Symptome sind dabei Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen“, berichtete der Internist. Bei diesen Symptomen sollten Diabetiker sofort jede körperliche Aktivität beenden, den Blutzucker messen und den Urin mit einem Teststreifen auf Ketonkörper untersuchen.

Im Falle einer Ketoazidose ist neben der Gabe eines schnellwirksamen Insulins eine Flüssigkeitszufuhr von mindestens einem Liter sehr wichtig. „Wenn sich die Symptome nicht bessern, muss unbedingt ein Krankenhaus aufgesucht werden“, betonte Leischker.

Infektionsrisiko erhöht

Insgesamt haben Diabetiker ein erhöhtes Risiko für Infektionen, hier seien besonders Influenza, Pneumonie und Tuberkulose zu nennen. Unabhängig vom Alter wird die saisonale Influenzaimpfung daher allen Diabetikern und besonders reisenden Diabetikern empfohlen. „Impfen lassen sollte man sich auch, wenn die Grippe in Deutschland vor der Abreise gerade keine Hochsaison hat, denn in den Tropen und Subtropen tritt die Grippe ganzjährig auf“, berichtete Leischker. Die saisonale Grippe sei die häufigste durch eine Impfung vermeidbare Erkrankung bei Reisen in die Subtropen. Neben dem Reiseziel erhöhen zudem bestimmte Reisearten das Infektionsrisiko: Kreuzfahrten, längere Bahnreisen oder Gruppenreisen.

TIPP!

Raten Sie Diabetikern, sich für die Reise eine Bescheinigung mit allen erforderlichen Medikamenten und medizinischen Geräten ausstellen zu lassen. Diese kann bei Bedarf Zollbehörden und Fluggesellschaften gezeigt werden. Auch mehrsprachige Diabetikerausweise bieten sich an.

Ein noch besserer Grippeschutz wird Studien zufolge mit einer kontinuierlichen jährlichen Grippeimpfung erreicht. Leischker berichtete, das Risiko, an einer schweren Influenza-Verlaufsform zu erkranken, habe bei Senioren, die sich in drei aufeinanderfolgenden Jahren gegen Influenza impfen ließen, um 70 Prozent niedriger gelegen als bei Senioren, die sich nur einmal hatten impfen lassen.

„Welche Erregerstämme kursieren, kann man vorab nie zu 100 Prozent voraussehen. Einen verbesserten Schutz bietet wohl langfristig eine kontinuierlich wahrgenommene jährliche Grippeimpfung.“

Ins Reisegepäck eines Diabetikers gehörten zudem Mittel gegen Durchfall und ein Desinfektionsmittel. „Diabetiker sollten sich je nach Reiseland und -art von ihrem Arzt oder Apotheker das Nötige zusammenstellen lassen und wissen, wie sie bei Blutzuckerentgleisungen reagieren müssen“, riet der Experte.

Quelle: Ärzte Zeitung


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