30.08.2018

Mundgesundheit: Zahnfit im Alter

von Hannelore Gießen

Zähne halten heute deutlich länger als noch vor zehn Jahren. Wie erfolgreich die Strategien für eine konsequente Zahnpflege waren, belegt die Deutsche Mundgesundheitsstudie 2016.

© wavebreak3 / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodell)

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Die Mundgesundheit habe sich über alle Generationen und soziale Schichten hinweg deutlich verbessert, berichtete Dr. Christina Grünberg beim Fortbildungstag des Wissenschaftlichen Instituts für Prävention im Gesundheitswesen (WIPIG). Was ein großer Präventionserfolg ist. Die Zahnärztin von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität stellte die Ergebnisse der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) vor, die den Bundesbürgern von klein bis groß auf den Zahn gefühlt hat. Sie wurde von Oktober 2013 bis Juni 2014 in insgesamt 90 Gemeinden mit Hilfe von zahnmedizinischen Untersuchungen und ausführlichen Befragungen durchgeführt. Untersucht wurden mehr als 4600 Studienteilnehmer, aufgeteilt in vier Altersgruppen.

Bis(s) ans Lebensende

Gute Ergebnisse gibt es nicht nur bei Kindern und Jugendlichen, sondern auch bei Senioren: Nur jeder achte Deutsche zwischen 65 und 74 Jahren hat keine eigenen Zähne mehr. Vor 20 Jahren war es noch jeder vierte. Im Schnitt besitzen Senioren heute fünf eigene Zähne mehr als 1997.

Dennoch gibt es deutliche Unterschiede bei den älteren Senioren zwischen 75 und 100 Jahren: Jeder zweite ältere pflegebedürftige Mensch hatte keine eigenen Zähne mehr, während unter den Senioren ohne Pflegegrad nur ein Drittel zahnlos war. „Pflegebedürftigkeit ist ein großer Risikofaktor für Karies und Parodontitis bei älteren Menschen“, betonte Grünberg. In Pflegeheimen werde meist zu wenig auf die Mundhygiene geachtet.

Lebenslange Zahnpflege

Die Regeln zur Zahnpflege gelten für jedes Lebensalter:

  • zweimal täglich die Zähne und die Zunge reinigen, am besten nach dem Frühstück und vor dem Schlafengehen
  • außerdem morgens sowie abends die Zahnzwischenräume und – falls vorhanden – die Zahnprothese putzen.

Allerdings müsse man nach dem Genuss saurer Lebensmittel, wie Früchte, Orangensaft, Weißwein oder mit Essig zubereitete Salate, 30 Minuten warten, bevor man die Zähne putzt, betonte die Zahnärztin. Diese Zeit brauche der Speichel, um die Säure zu neutralisieren. „Mit Wasser auszuspülen oder gar Backpulver zu verwenden, beseitigt die Säure nicht“, erklärte Grünberg.

Grünberg plädierte für eine fluoridhaltige Zahnpasta. Das sei die einzige Möglichkeit, zur Remineralisierung des Zahnschmelzes beizutragen. Ob von Hand oder elektrisch geputzt werde, spiele keine Rolle. Es komme allein auf die korrekte Ausführung an, betonte die Zahnärztin. Allerdings könne eine elektrische Zahnbürste im Gegensatz zur Handbürste nicht zu fest aufgesetzt werden. Damit werde das Zahnfleisch vor zu großem Druck geschützt.

Mundspülungen mit desinfizierenden Substanzen empfahl die Zahnärztin nur bei speziellen Indikationen, beispielsweise nach einer Operation, und nur für eine begrenzte Zeit. Wichtig sei dagegen die Reinigung der Zunge mit einem Zungenschaber, denn 60 Prozent der Mundbakterien residierten auf der Zunge.

Konsequente Pflege der Dritten

Herausnehmbare Zahnprothesen werden am besten einmal täglich innen und außen mit Flüssigseife oder einem speziellen Reinigungsmittel geputzt. Zahnpasta ist dafür ungeeignet, denn sie enthält abrasive Bestandteile und greift die Oberfläche künstlicher Zähne an. Nach jeder Mahlzeit sollte ein Prothesenträger den Mund ausspülen und die Schleimhaut unter der Prothese mit einer weichen Bürste reinigen, erläuterte Grünberg. Druckstellen müsse der Zahnarzt bzw. der Zahntechniker beseitigen. Die Empfehlungen für Zahn- und Mundpflege gelten auch für pflegebedürftige Menschen.

Unterstützung vom Profi

Die großen Fortschritte in der Zahn- und Mundgesundheit der Bevölkerung seien auf die professionelle Zahnreinigung zurückzuführen, hob Grünberg hervor. Sie empfahl, den Zahnarzt oder Dentalhygieniker alle neun bis zwölf Monate ans Werk zu lassen. Wer an einer Parodontitis leidet, sollte noch häufiger zum Fachmann. Nach einer professionellen Zahnreinigung werde längere Zeit verhindert, dass sich auf der Zahnoberfläche ein Biofilm ausbildet, begründete die Zahnärztin die Empfehlung.

Quelle: https://www.bzaek.de/fileadmin/PDFs/dms/Zusammenfassung_DMS_V.pdf


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