31.10.2019

Neurodermitis: Topische Basistherapie

Bei allen Schweregraden dieser Hautkrankheit wird eine topische Basistherapie empfohlen. Damit Apotheken Kunden evidenzbasiert beraten können, hat die GD Gesellschaft für Dermopharmazie eine Stellungnahme zur Orientierung herausgegeben.

© Syda Productions / stock.adobe.com

Originalartikel als PDF

Bis zu 20 Prozent aller Kinder sowie zwischen zwei und acht Prozent aller Erwachsenen leiden in Deutschland und anderen europäischen Ländern zumindest zeitweilig unter einer Neurodermitis. Ein zentraler Behandlungsbaustein dieser auch als „atopisches Ekzem“ oder „atopische Dermatitis“ bezeichneten Hauterkrankung ist die topische Basistherapie.

Darunter wird der Einsatz von Externa verstanden, die als Arzneimittel, Medizinprodukte oder Kosmetika vermarktet werden und keine oder keine pharmakologisch aktiven Wirkstoffe enthalten. Auf diese Produkte bezieht sich die Stellungnahme der die GD Gesellschaft für Dermopharmazie, die gemeinsam von zwei Dermatologen und zwei Apothekern erarbeitet wurde. Interessierte können den Volltext der Stellungnahme und das dazu gehörende Literaturverzeichnis auf der Homepage der GD abrufen (www.gd-online.de).

Die Stellungnahme bezieht sich im Wesentlichen auf eine europäische, zuletzt im Mai 2018 aktualisierte S2k-Leitlinie. Danach sollte den betroffenen Patienten bei allen Schweregraden der Neurodermitis – vom Primärstadium der trockenen Haut bis hin zu persistierenden, schwer ausgeprägten Ekzemen – eine dauerhafte Anwendung von hautzustandsgerechten topischen Basistherapeutika empfohlen werden. Dies gilt auch dann, wenn die Erkrankung gleichzeitig mit Glukokortikoiden, Calcineurininhibitoren, Biologika oder sonstigen Arzneimitteln behandelt wird.

Hautbarriere stabilisieren

Ziel der topischen Basistherapie ist es, damit dem Stratum corneum, der obersten Schicht der Epidermis, Feuchtigkeit zuzuführen und Störungen der Hautbarriere zu beheben, die zu Hauttrockenheit (Xerose) und als Folge davon zu Hautirritationen, Juckreiz und einer Ausbreitung des krankheitsrelevanten Erregers Staphylococcus aureus führen können. Die Galenik des verwendeten Produkts sollte immer auf den aktuellen Hautzustand der Betroffenen abgestimmt sein, wobei in Akutphasen des Ekzems eher hydrophile und im chronischen Stadium sowie bei Winterklima eher lipidreichere Formulierungen hilfreich sind.

Der Erfolg der topischen Basistherapie hängt nicht nur von der Formulierung selbst, sondern auch von deren regelmäßiger und korrekter Anwendung ab. Wird vom behandelnden Arzt ein spezielles Produkt für die topische Basistherapie verordnet oder empfohlen, so sollte das beratende Personal in der Apotheke dem Patienten die richtige Anwendung des Produktes erläutern und dabei auch auf die erforderliche Auftragsmenge hinweisen. In allen anderen Fällen obliegt es der Apotheke, dem Kunden ein geeignetes Produkt zu empfehlen. Dabei sollte im Sinne einer evidenzbasierten Therapie bevorzugt auf Produkte zurückgegriffen werden, für die aussagekräftige Studiendaten zur Wirksamkeit und zur Verträglichkeit vorliegen.

Wussten Sie, dass ...

  • Lokalisation und Erscheinungsbild der Neurodermitis altersabhängig unterschiedlich ausgeprägt sind?
  • sowohl die Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft als auch die europäische Leitlinie vom European Dermatology Forum vier Neurodermitis-Schweregrade unterscheiden?
  • die Verwendung topischer Basistherapeutika von Geburt an bei prädisponierten Säuglingen die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Neurodermitis bis zu 50 Prozent reduzieren kann?

Beispiele für geeignete Externa

Studiendaten zu Wirksamkeit und Verträglichkeit liegen zum Beispiel für glycerinhaltige Topika vor. Für sie konnte in mehreren kontrollierten Studien sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern eine ausgeprägte hydratationsfördernde Wirkung gezeigt werden. Anders als Zubereitungen mit Harnstoff wirken glycerinhaltige Präparate in der Regel nicht hautirritierend.

Zudem haben sich Externa mit Zusätzen, denen eine spezielle Wirkung bei Neurodermitis nachgesagt wird und die deshalb in der europäischen Leitlinie als „Emollients plus“ bezeichnet werden, in Studien als wirksam erwiesen. Für eine konservierungsmittelfreie Formulierung mit proteinfreiem Junghaferextrakt konnte etwa in einer offenen klinischen Studie gezeigt werden, dass sie bei Anwendung im Anschluss an eine 14-tägige topische Glukokortikoid-Therapie eine mehrwöchige Erhaltung des durch die Glukokortikoide verbesserten Hautzustands bewirkt.

Ebenfalls wirksam sind Zubereitungen mit Zusätzen von bestimmten Bakterienlysaten. So wurde für eine konservierungsmittelfreie O/W-Emulsion mit einem Lysat aus Aquaphilus dolomiae in einer kontrollierten klinischen Studie nachgewiesen, dass sie nach 28-tägiger Anwendung bei Kindern im Alter von einem bis vier Jahren den Zustand der Hautbarriere verbessert und die Besiedelung der Ekzeme mit Staphylococcus aureus vermindert. Der letztgenannte Effekt wird auf eine Stabilisierung des Hautmikrobioms durch das Bakterienlysat zurückgeführt. FAST

Quelle: GD Gesellschaft für Dermopharmazie


Artikel teilen

Kommentare (0)

Kommentar schreiben

Die Meinung und Diskussion unserer Nutzer ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie im Sinne einer angenehmen Kommunikation auf unsere Netiquette und Nutzungsbedingungen. Vielen Dank!

* Pflichtfeld

Apotheke und Marketing

APOTHEKE + MARKETING wendet sich an das Fachpersonal in der öffentlichen Apotheke, wobei das Magazin und die Webseite insbesondere auf das berufliche Informationsbedürfnis des Apothekers eingeht.

www.apotheke-und-marketing.de

Springer Medizin

Springermedizin.de ist das Fortbildungs- und Informationsportal für Ärzte und Gesundheitsberufe, das für Qualität, Aktualität und gesichertes Wissen steht. Das umfangreiche CME-Angebot und die gezielte Berichterstattung für alle Fachgebiete unterstützen den Arbeitsalltag.

www.springermedizin.de

Newsletter

Mit unserem Newsletter erhalten Sie Fachinformationen künftig frei Haus – wöchentlich und kostenlos.