30.01.2021

Neurodermitistherapie: Mehr als cremen

von Dr. Claudia Bruhn

In naher Zukunft könnte die Beratungskompetenz der PTA bei Neurodermitis mehr denn je gefragt sein. Denn nach Dupilumab und Baricitinib wird die Zulassung weiterer systemischer Wirkstoffe erwartet.

© leadenpork / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodellen)

Fortbildung

Originalartikel als PDF


  • Die Neurodermitis ist eine chronische oder chronisch-rezidivierende, nicht ansteckende entzündliche Hauterkrankung.
  • Hauptsymptom ist trockene Haut mit starkem Juckreiz und Ekzemen.
  • Zur Behandlung wird ein Stufenschema empfohlen aus topischer Basistherapie, topischen/oralen Glukokortikoiden, Calcineurininhibitoren, systemischen Immunmodulatoren.
  • Konsequente Basispflege und die Vermeidung von Provokationsfaktoren erfolgt in allen Stadien.
  • In Zukunft werden systemische Therapeutika, die gezielt das Entzündungs- geschehen in der Haut beeinflussen, an Bedeutung gewinnen.

Neurodermitis (atopische Dermatitis, atopisches Ekzem) ist eine chronische oder chronisch-rezidivierende, nicht ansteckende entzündliche Hauterkrankung. Die Angaben zu ihrer Häufigkeit sind unterschiedlich, doch eines scheint sicher: Kinder sind häufiger betroffen als Erwachsene. Während in Deutschland zwischen zwei und vier Prozent der Erwachsenen erkrankt sind, liegt der Anteil bei Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren bei 15 bis 19 Prozent. Unter den Vorschulkindern leiden etwa elf bis 13 Prozent an Neurodermitis. Die am stärksten betroffene Altersgruppe sind Babys und Kleinkinder, der Anteil wird mit etwa 20 Prozent angegeben. Bis zum Beginn des Erwachsenenalters verschwinden die Symptome in den meisten Fällen, doch bei mindestens 30 Prozent der Kinder mit Neurodermitis können auch danach noch Ekzeme auftreten.

Lernziele Neurodermitistherapie

Nach Lektüre dieser Lerneinheit wissen Sie ...

  • welche Ursachen Neurodermitis hat und welche Provokationsfaktoren es gibt.
  • wie die Stufentherapie der Hautkrankheit aussieht.
  • welche Arzneistoffe in der Stufentherapie zum Einsatz kommen.
  • welche ergänzenden Therapien es gibt.

Hintergrund

Da die Neurodermitis überwiegend bei Kindern und Jugendlichen auftritt, ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Patienten, Eltern, Ärzten und anderen Therapeuten sowie der Apotheke Voraussetzung für den Behandlungserfolg.

Jetzt herunterladen!

Den Fragebogen zur zertifizierten Fortbildung Neurodermitistherapie können Sie sich hier zum Einlesen herunterladen. 

Symptome

Trockenheit, gepaart mit starkem Juckreiz und Hautveränderungen wie Ekzemen, Nässen oder Brennen sind die Hauptsymptome, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen können. Je nach Alter sind bei der Neurodermitis unterschiedliche Hautareale betroffen. Bei Säuglingen finden sich die Ekzeme oft auf der Gesichts- und Kopfhaut sowie am Körperstamm, bei Kindern und Jugendlichen gehäuft in den Arm- und Kniebeugen. Bei Erwachsenen sind die Ekzeme überwiegend im Bereich des Kopfes, des Halses, der Schultern und der Hände zu beobachten. Als Minimalvarianten der Neurodermitis bezeichnet man kleine Hautveränderungen wie schuppende Rötungen und Einrisse an Finger- und Zehenkuppen, Lippen- und Mundwinkelentzündungen (Cheilitis, Perlèche) und Einrisse (Rhagaden) an den Ohrläppchen. Auch wenn zeitweise keine Ekzeme sichtbar sind, können bei Neurodermitikern im Körper entzündliche Prozesse stattfinden.

Ursachen

Die Neurodermitis ist eine komplexe Erkrankung, deren Ursachen noch nicht bis ins letzte Detail erforscht sind. Einigkeit herrscht unter den Wissenschaftlern darüber, dass verschiedene Gene für die Veranlagung zur Neurodermitis verantwortlich sind. Dazu zählt das Filaggrin-Gen, das einen wichtigen Eiweißstoff für die Vernetzung des Hautkeratins verschlüsselt. Wenn es durch Mutationen diese Funktion verloren hat, ist die Hornschicht der Haut (Stratum corneum) und damit die Hautbarriere beeinträchtigt und kann ihre Schutzfunktion nicht mehr richtig erfüllen. Verschlimmert wird dieser Zustand durch eine veränderte Zusammensetzung der Hautlipide, vor allem der Ceramide. Die Folge ist eine sehr trockene, leicht reizbare Haut, in die Allergene, Bakterien oder Viren leichter eindringen können als in gesunde Haut. Auf das Eindringen von Fremdstoffen reagiert die Haut mit einer Abwehrreaktion, bei der Immunzellen wie T-Helferzellen (TH) vom Typ TH2 eine wichtige Rolle spielen. Sie schütten beispielsweise die entzündungsfördernden Zytokine Interleukin(IL)-4 und IL-13 aus, die die Hautbarriere noch weiter schädigen können. Darüber hinaus werden weitere Immunzellen aktiviert, sodass ein regelrechtes Netzwerk von Entzündungsfaktoren zirkuliert, die die Inflammation in Gang halten. In die Haut eingedrungene Allergene sind auch für die erhöhten Immunglobulin E-Werte (IgE) verantwortlich, die man bei vielen Neurodermitikern findet.

Komorbiditäten-- Viele Neurodermitis-Patienten leiden zusätzlich an Asthma bronchiale, allergischem Schnupfen, Nahrungsmittelallergien oder chronischer Rhinosinusitis.

Provokationsfaktoren

Neurodermitiker berichten häufig über einen schubförmigen Verlauf ihrer Erkrankung. Phasen, in denen sie die Hautveränderungen im Griff haben, wechseln sich ab mit Phasen hoher Krankheitsaktivität (Exazerbationen). Ursache für Exazerbationen können Provokations(Trigger-)faktoren sein, die es zu identifizieren und zu meiden gilt. Dazu zählen klimatische Faktoren wie trockene Kälte oder Schwitzen, häufiges Waschen und langes Duschen, Kontakt mit Allergenen (z. B. Haare von Haustieren, Hausstaubmilbenkot, Pollen), das Tragen von Kleidung aus Wolle oder Synthetik sowie der Kontakt mit Reinigungsmitteln oder Duftstoffen. Nicht unterschätzt werden sollte die Bedeutung von psychischen Faktoren, die die Erkrankung verschlimmern können. Andererseits stellt ein quälender Juckreiz, vor allem nachts, eine besondere psychische Belastung dar. Wenn Betroffene versuchen, das Jucken durch Kratzen zu beenden, kommt es zur weiteren Beeinträchtigung der Hautbarriere und zur Ausschüttung von Botenstoffen wie Histamin. Dadurch juckt die Haut noch mehr, eine Juck-Kratz-Spirale wird in Gang gesetzt. In zerkratzte Hautareale können Bakterien (z. B. Staphylococcus aureus), Viren (z. B. Herpes simplex) oder Pilze (z. B. Hefepilze) leichter eindringen als in gesunde, sodass diese Infektionen häufige Begleiterscheinungen bei einem Neurodermitis-Schub sind.

grafik_02_2021_TT_24

Spezifische Therapien

Zur Behandlung der Neurodermitis empfehlen ärztliche Leitlinien eine Stufentherapie, die immer wieder an den individuellen Hautzustand, aber auch äußere Faktoren wie zum Beispiel die Jahreszeit, angepasst werden sollte. Die Besonderheit der Neurodermitis-Stufentherapie besteht darin, dass auf jeder Therapiestufe die notwendigen Maßnahmen der vorherigen Stufe weitergeführt werden sollen.

Stufe 1-- Ist die Haut trocken, aber ohne Ekzeme, wird die topische Basistherapie angewendet und auf die Vermeidung und Reduktion von Triggerfaktoren geachtet.

Stufe 2-- Bei leichten Ekzemen kommen zusätzlich zur topischen Basistherapie niedrig potente topische Glukokortikoide und/oder topische Calcineurininhibitoren zum Einsatz.

Stufe 3-- Bei moderat ausgeprägten Ekzemen können zusätzlich zu Stufe 1 und 2 auch höher potente topische Glukokortikoide angewendet werden.

Stufe 4-- Bleiben die Ekzeme bestehen und sind sie schwer ausgeprägt, werden zusätzlich zu den notwendigen Maßnahmen der ersten drei Stufen systemische, immunmodulierende Therapeutika eingesetzt.

Basistherapie

Sie beinhaltet die regelmäßige, möglichst zweimal tägliche Pflege der Haut mit wirkstofffreien Produkten und wird auch in ekzemfreien Phasen durchgeführt. Ziel ist es, die Hornschicht der Haut zu hydratisieren, fehlende Lipide zu ersetzen und damit die gestörte Barrierefunktion zu normalisieren. Zum Einsatz kommen, je nach Hautzustand, Fettsalben, Salben, Cremes und Lotionen mit Zusätzen wie Ceramiden, D-Panthenol, Pflanzenölen (z. B. Nachtkerzenöl, Borretschöl) sowie Feuchthaltefaktoren wie Harnstoff oder Glycerin. Harnstoff ist für Säuglinge und für Kleinkinder nur bedingt geeignet, da seine Anwendung zu Hautirritationen (z. B. Brennen) führen kann.

Glukokortikoide

Ab Stufe 2 können zusätzlich zur topischen Basistherapie niedrig potente (z. B. Hydrocortison, Prednisolon), ab Stufe 3 auch höher potente topische Glukokortikoide (Fluticasonpropionat, Methylprednisolonaceponat, Mometasonfuroat) zum Einsatz kommen. Hydrocortison ist in einer Konzentration bis 0,5 Prozent zur topischen Anwendung rezeptfrei erhältlich. Die Zubereitungen sollten einmal, in Ausnahmefällen zweimal, täglich dünn auf die Hautläsionen aufgetragen werden, bis diese abgeheilt sind. Auf der Haut des Gesichts und des Hodensacks (Skrotum), bei Säuglingen auf der behaarten Kopfhaut sowie in Hautfalten ist die Resorptionsrate für Glukokortikoide und damit auch das Risiko für Nebenwirkungen erhöht.

Deshalb sollten die Wirkstoffe auf diesen Hautarealen nur mit Vorsicht eingesetzt werden. Die wichtigsten unerwünschten Wirkungen topischer Glukokortikoide sind Hautatrophie (Hautverdünnung), Hautinfektionen, steroidinduzierte Rosacea, periorale Dermatitis und Kontaktallergien.

Systemische Glukokortikoide-- Prednisolon wird beispielsweise verordnet, wenn die Symptome mit topischen Medikamenten allein nicht mehr ausreichend gelindert werden können oder ein akuter Schub unterbrochen werden soll (Stufe 4). Systemische Glukokortikoide sollten nur für wenige Wochen in einer Dosierung von ≤ 0,5 Milligramm Prednisolonäquivalent pro Kilogramm Körpergewicht eingenommen werden.

Calcineurininhibitoren

Calcineurin ist ein Enzym, das im Zellkern von weißen Blutkörperchen die Synthese entzündungsfördernder Zytokine, zum Beispiel IL-2, fördert. Wird es gehemmt, kommt es zur Reduktion von Entzündungen und Juckreiz. Bei Neurodermitis können ab Stufe 2 die Calcineurininhibitoren Tacrolimus und Pimecrolimus (jeweils > 2 J.) topisch angewendet werden. Zur Behandlung der Gesichtshaut, der behaarten Kopfhaut oder in Hautfalten sind sie besser geeignet als topische Glukokortikoide, da keine Hautatrophie auftritt. Tacrolimus und Pimecrolimus topisch angewendet, eignen sich auch für eine längerfristige Therapie. In der Beratung sollte die PTA darauf hinweisen, dass lokale Nebenwirkungen wie Hautbrennen (vor allem bei Tacrolimus) oder ein Wärmegefühl (häufiger bei Pimecrolimus) auftreten können. Außerdem muss bei der Anwendung der topischen Calcineurininhibtoren auf wirksamen Lichtschutz geachtet werden.

Ebenfalls zu den Calcineurininhibitoren gehört das Immunsuppressivum Ciclosporin, das bereits seit dem Jahr 1997 für die Neurodermitistherapie Erwachsener zugelassen ist. Ciclosporin wird bei schwerer Neurodermitis in Tablettenform oder als Lösung zum Einnehmen angewendet. Es wird eine Intervalltherapie, zum Beispiel über vier Monate, empfohlen.

Dupilumab

Das Biologikum Dupilumab ist ein monoklonaler Antikörper, der sich gegen die alpha-Kette des IL-4-Rezeptors Typ I und des IL-4/IL-13-Rezeptors Typ II richtet. Dadurch blockiert er die Wirkung der Zytokine IL-4 und IL-13, die bei entzündlichen Reaktionen der Neurodermitis eine Schlüsselrolle spielen. Für Erwachsene mit mittelschwer oder schwer ausgeprägter Neurodermitis ist Dupilumab seit September 2017, für Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren seit August 2019, zugelassen. Im November 2020 wurde Dupilumab auch für Kinder zwischen sechs und elf Jahren mit schwerer Neurodermitis zugelassen, wenn sie für eine systemische Therapie in Betracht kommen. Verabreicht wird Dupilumab alle zwei Wochen subkutan, bei Sechs- bis Elfjährigen alle vier Wochen.

Nach der Einweisung durch den Arzt kann der Patient sich das Medikament auch selbst injizieren oder durch eine Pflegeperson injizieren lassen. Eine Behandlung mit topischen Glukokortikoiden oder topischen Calcineurininhibitoren kann unter Dupilumab weitergeführt werden.

Baricitinib

Zur Behandlung der mittelschweren bis schweren atopischen Dermatitis bei Erwachsenen wurde vor wenigen Wochen der oral einzunehmende Januskinase(JAK)1/2-Inhibitor Baricitinib zugelassen. Bisher war Baricitinib bereits zur Behandlung der mittelschweren bis schweren rheumatoiden Arthritis auf dem Markt. Bei Neurodermitis wird einmal täglich eine Dosis von vier Milligramm empfohlen. Bei Ansprechen auf die Therapie kann die Dosierung gegebenenfalls auf zwei Milligramm gesenkt werden. Die Wirksamkeit und Sicherheit bei Kindern und Jugendlichen ist noch nicht erwiesen. Die Wirkung von Baricitinib beruht auf der Hemmung der Januskinasen 1 und 2, die eine wichtige Rolle bei der Produktion entzündungsfördernder Zytokine spielen.

Off-label-Use

Die Immunsuppressiva Azathioprin, Mycophenolatmofetil und Methotrexat sind zur Neurodermitisbehandlung nicht zugelassen, werden aber bei schweren Fällen off-label eingesetzt. Unter Azathioprin müssen die Patienten auf guten Lichtschutz achten, (schützende Kleidung, Sonnenschutzmittel), da die Anwendung zu Hauttumoren führen kann. Während einer Behandlung mit Methotrexat oder Mycophenolatmofetil sind schwangerschaftsverhütende Maßnahmen obligatorisch, da beide Substanzen zu Fehlbildungen der Feten führen können.

Ausblick

Zurzeit befinden sich weitere Wirkstoffe zur Systemtherapie der Neurodermitis in der Entwicklung. Dazu zählen Biologika, die das entzündungsfördernde Interleukin IL-13 blockieren (Tralokinumab, Lebrikizumab) oder gegen das ebenfalls proinflammatorische IL-31 gerichtet sind (Nemolizumab). Außerdem wird die Wirksamkeit und Sicherheit von weiteren Januskinase-Inhibitoren wie den JAK-1-Inhibitoren Abrocitinib und Upadacitinib bei der Neurodermitis geprüft.

Sonstige Therapien

Es gibt eine Reihe von Substanzen, die Neurodermitis-Symptome lindern können, obwohl dazu keine großen kontrollierten Studien durchgeführt wurden. In den Leitlinien findet sich dann der Hinweis, dass ihr Einsatz erwogen werden kann.

Antipruriginosa

Positive Erfahrungen bei Neurodermitis gibt es zu juckreizlindernden Wirkstoffen wie Polidocanol oder zu synthetischen Gerbstoffen. Sie können begleitend zu einer antientzündlichen Therapie topisch angewendet werden.

Antientzündliche Externa

Zinkhaltige Lotionen sind wegen ihres adstringierenden sowie antiinflammatorischen und kühlenden Effekts von Vorteil bei akuten Entzündungen. Auch mit der lokalen Anwendung von Schiefer- ölen (Natrium- und Ammoniumbituminosulfonat) gibt es positive Erfahrungen bei Neurodermitis.

Antibiotika

Verschiedene Staphylokokken-Stämme (z. B. Staphylococcus epidermidis, Staphylococcus hominis) gehören zu den natürlichen Hautbewohnern. Auf der Haut von Neurodermitikern lässt sich jedoch häufig eine übermäßige Besiedlung mit Staphylococcus aureus nachweisen, die zu krustigen Ekzemen führen kann. Dann können Antibiotika wie Cephalosporine (z. B. Cephalexin) sinnvoll sein. Topische Antibiotika (z. B. Fusidinsäure) werden bei Neurodermitis wegen der Gefahr einer Resistenzbildung nicht empfohlen.

Antihistaminika

Obwohl topische Antihistaminika juckreizlindernd wirken (z. B. bei Insektenstichen) werden sie bei Neurodermitis zur lokalen Behandlung nicht empfohlen. Lediglich bei schweren Neurodermitisschüben können systemische H1-Antihistaminika (z. B. Dimetinden) wegen ihrer sedierenden Wirkung vorteilhaft sein.

Spezifische Immuntherapeutika

Verschiedene Allergene wie Pollen oder Hausstaubmilbenkot zählen zu den Provokationsfaktoren der Neurodermitis. Eine spezifische Immuntherapie bei Neurodermitis wird von Dermatologen deshalb als sinnvoll erachtet, insbesondere, wenn Betroffene gleichzeitig unter allergischer Rhinitis oder allergischem Asthma leiden. In anderen Fällen wäre die Spezifische Immuntherapie eine Off-label-Behandlung.

Balneophototherapeutika

Für Patienten ab 18 Jahren mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis wird diese Therapieform seit Oktober 2020 von der GKV übernommen. Viele niedergelassene Dermatologen bieten sie an. Die Balneophototherapie kann synchron oder asynchron erfolgen. Bei der synchronen Variante badet der Patient in einer Tote-Meer-Salzlösung und wird gleichzeitig mit UV-B-Licht bestimmter Wellenlänge bestrahlt. Bei der asynchronen Balneophototherapie schließt sich die Bestrahlung an ein 20-minütiges Bad an.

Silber

Es besitzt antimikrobielle Eigenschaften und kann daher bei topischer Anwendung eine übermäßige bakterielle Besiedlung der Haut reduzieren. Auf dem Markt sind silberhaltige Textilien und eine Creme mit Mikrosilber.

Probiotika

Orale Probiotika (z. B. Lactobacillus) werden bei Neurodermitis zurzeit nicht empfohlen, da verschiedene Studien keine überzeugenden Beweise für positive Effekte auf den Verlauf der Erkrankung liefern konnten. Ein weiterer probiotischer Ansatz ist die dermale Applikation von nicht infektiösen Bakterien- stämmen mit der Basispflege. Der Hintergrund dafür ist, dass in gesunder Haut bestimmte Bakterien vorkommen, die antimikrobielle Peptide gegen S. aureus produzieren. Damit könnte das gestörte Hautmikrobiom wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Auf dem Markt sind Produkte, die Bakterienlysate aus Aquaphilus dolomiae, Vitreoscilla filiformis, Laktobazillen und Bifidobakterien sowie die Präbiotika Maltodextrin und Inulin enthalten.

Wussten Sie, dass ...

  • die Menge an Basispflege, die aufgetragen werden sollte, häufig unterschätzt wird?
  • aus diesem Grund die Fingerspitzeneinheit entwickelt wurde, die etwa 0,5 Gramm Zubereitung entspricht?
  • eine Fingerspitzeneinheit die Menge ist, die aus einer Tube von der Spitze der Fingerkuppe bis zum ersten Fingergelenk eines Erwachsenen aufgetragen wird?
  • man im Internet Tabellen mit der notwendigen Anzahl von Fingerspitzen-Einheiten für die einzelnen Körperteile findet?

Beratung

Neben der Beratung zur richtigen Anwendung der verordneten oder im Rahmen der Selbstmedikation erworbenen Arzneimittel sollte die PTA auch über begleitende Maßnahmen Auskunft geben können.

Basistherapie

Bei Anwendung der Basistherapeutika sind Grundregeln wie „feucht auf feucht“ (fett-feuchte Umschläge auf nässende Ekzeme) oder „fett auf trocken“ (fetthaltige Salbengrundlagen auf trockene Haut) zu beachten. Außerdem wird die Auswahl von individuellen Vorlieben, der Ekzemphase (hydrophiler in der Akutphase) und der Jahreszeit (lipidreicher im Winter) beeinflusst.

Reinigung-- Zur Hautreinigung sollten schwach saure (pH 5,5) Syndets eingesetzt werden. Auch Bäder mit rückfettenden Zusätzen werden bei Neurodermitis ausdrücklich empfohlen. Nach dem Bad sollte die Haut nicht trockengerubbelt werden, um den schützenden Fettfilm zu erhalten.

Fett-feuchte Verbände-- Sie bestehen aus einer fettreichen Basiscreme oder -salbe und einem darüber liegenden angefeuchteten Verband. Bedeckt wird alles mit einem trockenen (Schlauch)verband. Im akuten Neurodermitisschub können damit der Haut gleichzeitig Fett und Feuchtigkeit zugeführt werden.

Cortisonangst

Wenn ein Patient auf ein topisches Glukokortikoid nur unzureichend anspricht, könnte auch mangelnde Adhärenz die Ursache sein. Die Anwendung von Glukokortikoiden stößt oft auf Vorbehalte, vor allem bei Eltern von Säuglingen und Kleinkindern. Durch einfühlsame Beratung kann die PTA Betroffenen die Kortisonangst nehmen.

Proaktiv

Proaktive Behandlung bedeutet, dass die verordneten topischen Glukokortikoide oder topischen Calcineurininhibitoren nach dem Abheilen der Läsionen noch an zwei Tagen pro Woche (z. B. immer mittwochs und sonntags) auf die zuvor erkrankten Areale aufgetragen werden. Die Basispflege wird beibehalten. Studien haben gezeigt, dass die Haut mit dieser Methode ekzemfrei gehalten werden oder wenigstens die Zeit bis zum nächsten Schub verlängert werden kann. Es gibt jedoch noch keine Erfahrungen zur dauerhaften proaktiven Behandlung. Deshalb sollte sie zunächst nur für maximal drei Monate durchgeführt werden.

Individualrezepturen

Viele Hautärzte verordnen bei Neurodermitis Rezepturen mit Wirkstoffen, für die es nur wenige Daten aus klinischen Studien gibt. Der Grund könnte sein, dass in ihrer Praxis langjährige Erfahrungen mit diesen Wirkstoffen (z. B. Antiseptika wie Triclosan oder Chlorhexidin) existieren. Für die Kundenbindung kann es sehr vorteilhaft sein, wenn die PTA eine Individualrezeptur abgibt, die extra für die Patientin hergestellt wurde.

Patientenschulung

Wie bei anderen chronischen Erkrankungen gibt es auch für die Neurodermitis Patientenschulungen, die das Ziel haben, Patienten den Umgang mit ihrer Krankheit zu erleichtern. Die Kosten übernehmen die Krankenkassen, bei pädiatrischen Patienten auch für Eltern-Kind-Schulungen. Geleitet werden sie meistens von mehreren Fachleuten, neben dem Hautarzt sind zum Beispiel Psychologen und Ernährungsberater beteiligt. Außerdem gibt es zahlreiche Selbsthilfegruppen für Neurodermitiker.

Klimatherapie

Klimatische Einflüsse zählen zu den Provokationsfaktoren der Neurodermitis. So kann sich beispielsweise bei kalter, trockener Witterung der Hautzustand deutlich verschlechtern. Bei vielen Neurodermitikern wirkt sich ein Aufenthalt am Meer oder im Hochgebirge positiv auf die Erkrankung aus.

Allergene

Bestimmte Nahrungsmittel wie Ei, Kuhmilch, Soja oder Weizen können – vor allem bei Kindern – zu Ekzemverschlechterungen führen. Dennoch werden spezielle Diäten nicht empfohlen. Eine Ausnahme bilden Nahrungsmittel, bei denen in oralen Provokationstests Reaktionen auftraten; sie sollten weggelassen werden. Da inhalative Allergene ebenfalls zu den Provokationsfaktoren der Neurodermitis zählen, können hausstaubmilbenreduzierende Maßnahmen wie Encasings (dichte Matratzenüberzüge) sinnvoll sein.

Selbstinjektion

Nach einer Einweisung durch den Arzt kann das Biologikum Dupilumab in Eigenregie subkutan appliziert werden. Bei der Abgabe des Arzneimittels sollte die PTA dem Patienten Hinweise zur Aufbewahrung und Entsorgung geben. So sollten nicht verwendete Spritzen im Kühlschrank bei zwei bis acht Grad Celsius aufbewahrt werden. Sie können auch maximal zwei Wochen bei Raumtemperatur gelagert werden, dürfen dann jedoch nicht zurück in den Kühlschrank gelegt werden. Direkte Sonnenbestrahlung des Arzneimittels ist zu vermeiden.

Interaktionen-- Impfungen mit Totimpfstoffen können weniger wirksam sein, wenn sie zur gleichen Zeit wie Subs- tanzen verabreicht werden, die das Immunsystem unterdrücken. Sie sollten deshalb in den behandlungsfreien Intervallen durchgeführt werden. Vor Beginn einer Behandlung mit Baricitinib oder Dupilumab wird der Arzt den Impfstatus feststellen und gegebenenfalls auf den neuesten Stand bringen. Lebendimpfstoffe, auch attenuierte, dürfen während einer Behandlung mit diesen beiden Arzneistoffen nicht verabreicht werden, da die Sicherheit nicht geprüft wurde.

Interessenskonflikt: Die Autorin erklärt, dass keinerlei Interessenskonflikte bezüglich des Themas vorliegen.


Artikel teilen

Kommentare (0)

Kommentar schreiben

Die Meinung und Diskussion unserer Nutzer ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie im Sinne einer angenehmen Kommunikation auf unsere Netiquette und Nutzungsbedingungen. Vielen Dank!

* Pflichtfeld

Apotheke und Marketing

APOTHEKE + MARKETING wendet sich an das Fachpersonal in der öffentlichen Apotheke, wobei die Website insbesondere auf das berufliche Informationsbedürfnis des Apothekers eingeht.

www.apotheke-und-marketing.de

Springer Medizin

Springermedizin.de ist das Fortbildungs- und Informationsportal für Ärzte und Gesundheitsberufe, das für Qualität, Aktualität und gesichertes Wissen steht. Das umfangreiche CME-Angebot und die gezielte Berichterstattung für alle Fachgebiete unterstützen den Arbeitsalltag.

www.springermedizin.de

Mit unserem Newsletter erhalten Sie Fachinformationen direkt in Ihr Postfach – wöchentlich und kostenlos.