Adipositas: Per Kompression Venenbeschwerden lindern

(kib) Venenbeschwerden durch starkes Übergewicht lassen sich durch das Tragen von medizinischen Kompressionsstrümpfen effektiv lindern. Das belegt eine kontrollierte klinische Studie aus Bochum.

10.10.2025

Übergewichtige Frau sitzt auf einem grauen Sofa und zieht den linken Kompressionsstrumpf an.
© Foto: Paulina_OK / stock.adobe.com
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Die Forschenden wollten herausfinden, ob medizinische Kompressionsstrümpfe die Venenbeschwerden bei adipösen Menschen lindern, ob die Betroffenen die Therapie konsequent durchführen und für welche Art Kompressionsstrumpf sie sich entscheiden.

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Studiendesign

37 Frauen und 12 Männer mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 bis 40 kg/m² nahmen an der fünfwöchigen Studie teil. Die Teilnehmenden wiesen unterschiedlich schwere Symptome wie Hautveränderungen und Ödeme auf, die auf eine eingeschränkte Funktion der Venen zurückgehen.

Das Durchschnittsalter lag bei 54 Jahren. Während die Patientinnen und Patienten in der ersten Untersuchungswoche zu Kontrollzwecken keine medizinische Kompressionsversorgung trugen, war in der zweiten Woche für alle am linken Bein ein medizinischer Flachstrick- und am rechten Bein ein medizinischer Rundstrickstrumpf Pflicht.

Anschließend mussten sie sich für die folgenden drei Wochen auf eine Qualität für beide Beine festlegen. Zum Einsatz kamen knielange Strümpfe der Kompressionsklasse II (23 bis 32 mmHg).

Rund oder flach gestrickt?

Rundstrick-Kompressionsstrümpfe werden in einem Zylinder gestrickt, sodass keine Naht erforderlich ist. Die Änderung der Strumpfweite erfolgt lediglich durch größere und kleinere Maschengrößen.

Flachstrick-Kompressionsstrümpfe werden auf flachen Strickmaschinen gestrickt. Hier können Maschen zu- oder abgenommen werden, sodass wesentlich größere Kalibersprünge versorgt werden können. Die flachgestrickten Strümpfe müssen an der Rückseite zusammengenäht werden. Sie haben eine höhere Festig- und Steifigkeit.

Beschwerdescore sank um 42,6 Prozent

Das Tragen medizinischer Kompressionsstrümpfe zeigte Wirkung. Die venösen Beschwerden gingen sehr rasch und deutlich zurück. Schon in der ersten Tragewoche nahmen Schwellung, Schweregefühl, Schmerzen und Pochen ab.

Der zusammenfassende Varicose Veins Symptoms Questionnairé-Beschwerdescore verringerte sich gegenüber dem Ausgangswert während des vierwöchigen Tragezeitraums um 42,6 Prozent. Außerdem verringerten sich Ödeme vom 47 auf 15 Prozent. Die Hauttrockenheit sank während der Tragezeit der Strümpfe von 40 auf 23 Prozent.

Tragekomfort, Handhabung und Sitz der Strümpfe bewertete eine deutliche Mehrheit der Patientinnen und Patienten mit gut oder sehr gut. Sowohl Rundstrick- als auch Flachstrickversorgungen sind medizinisch wirksam. 62,5 Prozent der Teilnehmenden entschied sich nach der Probewoche für rundgestrickte Strümpfe, 37,5 Prozent für flachgestrickte. Getragen wurden die Strümpfe täglich zwischen neun und zehn Stunden.

Die Ergebnisse untermauert laut den Studienautoren den leitliniengerechten Einsatz von medizinischen Kompressionsstrümpfen als Basistherapie bei venösen Beschwerden infolge von Adipositas.

Hintergrund

Adipositas (BMI ≥ 30 kg/m2) ist ein gravierender Risikofaktor für die Adipositas-assoziierte funktionelle venöse Insuffizienz (AA-FVI). Denn die Fettgewebsmassen im Unterbauch beeinträchtigen die Venen in der Leistengegend. Der Druck in der Leiste erhöht sich, was einen erhöhten intravenösen Druck und eine verringerte Blutflussgeschwindigkeit in den Beinen zur Folge hat.

Dabei gilt: Je höher der Body Mass Index, desto größer das Risiko für eine AA-FVI. Je länger die AA-FVI nicht behandelt wird, desto höher das Risiko morphologischer Veränderungen an den Venen. Dies kann zu schweren venösen Erkrankungen und Komplikationen führen, wie Stauungsekzem, Dermatoliposklerose, Ulkusbildung, tiefe Venenthrombose und andere.

Quelle: IDW

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