Alternativen zu nicht lieferbaren Gerbstoffpräparaten
- Wegen Verunreinigungen sind die synthetischen Gerbstoff-Präparate Tannolact und Tannosynt derzeit außer Handel.
- Ein direkter 1:1-Ersatz existiert nicht; die alternative Empfehlung sollte sich daher nach dem spezifischen Hautzustand richten.
- Als Alternativen kommen Bituminosulfonate, pflanzliche Gerbstoffe, Kamillenblüten sowie Polidocanol infrage.
- Eine weitere Alternative auf Basis natürlicher Tanninsäure ist die neue Hautpflegeserie Tannocare.
Ende 2025/ Anfang 2026 wurden die Präparate Tannolact (Galderma) durch die Hersteller wegen Verunreinigungen der Wirkstoffe durch Bisphenole vorsorglich zurückgerufen. Auch Tannosynt (Almirall Hermal) ist zurzeit außer Handel. Wie die Deutsche Apotheker Zeitung berichtet, ist derzeit noch nicht absehbar, wann entsprechende Präparate wieder auf den Markt kommen.
Die Gerbstoff-Formulierungen dienen aufgrund ihrer zusammenziehenden (adstringierenden) Wirkung zur Stabilisierung der Hautbarriere und zum Austrocknen nässender, entzündeter oder juckender Hautveränderungen. Einsatzgebiete sind zum Beispiel Hämorrhoiden, Analfissuren, Windeldermatiden, Windpocken oder Intertrigo (Haut reibt auf Haut).
Eine mögliche Alternative, die Kundinnen und Kunden angeboten werden kann, ist Tannocare (MiM Pharma). Die kosmetische Hautpflegeserie basiert auf natürlicher Tanninsäure.
© Foto: MiM Pharma
Die Präparate sollen gereizte, reibungs- und feuchtigkeitsbelastete Haut geschmeidig halten. Die pflegende Anwendung kann eine medizinische Behandlung begleiten, aber nicht ersetzen.
Weitere Alternativen
Darüber hinaus gibt es weitere Alternativen, wobei unterschieden werden muss, ob die Haut nässt, juckt, entzündet oder trocken ist. Sie sind kein direkter Ersatz, können aber dennoch entsprechende Beschwerden lindern. Hier eine Auswahl.
Bituminosulfonate
Amonium- und Natriumbituminsulfonat sind Salze sulfonierter Schieferöle. Sie werden zum Beispiel bei chronisch-ekzematösen und anogenitalen Erkrankungen oder bei leichten Formen der Neurodermitis und anderen Ekzemerkrankungen eingesetzt. Amoniumbituminsulfonat ist zum Beispiel enthalten in Ichtholan 10 % Salbe, Natriumbituminsulfonat in Ichthosin Creme 4 %.
Eichenrinde
Die Eichenrinde (Quercus cortex) enthält vor allem Gerbstoffe, darunter Catechin-Gerbstoffe und Ellagitannine. Angewendet wird sie traditionell bei leichten Hautentzündungen und zur Linderung von Juckreiz und Brennen bei Hämorrhoidalbeschwerden. In aller Regel werden aus der Droge (z. B. Salus Eichenrinde) per Abkochung Lösungen für Umschläge oder Waschungen hergestellt.
Hamamelis
Arzneilich verwendet werden Blätter und Rinde der Virginischen Zaubernuss (Hamamelis virginiana) sowie Destillate. Je nach Zubereitung werden Hamamelispräparate äußerlich bei leichten Haut- und Schleimhautentzündungen, kleineren Hautverletzungen und Hämorrhoidalbeschwerden eingesetzt. Präparatebeispiele sind Haenal fact und Hametum Hämorrhoidensalbe.
Kamillenblüten
Die Blüten der Kamille (Matricariae flos) enthalten Flavonoide wie Apigenin und ätherisches Öl mit alpha-Bisabolol. Äußerlich angewendet helfen Zubereitungen traditionell bei leichten Hautentzündungen, oberflächlichen Wunden und Reizungen im Anal- und Genitalbereich. Ein Beispiel ist das Kamillosan Wund- und Heilbad.
Lauromacrogol 400 (Synonym: Polidocanol)
Das nicht ionischen Tensid wirkt lokalanästhetisch und juckreizlindernd. Äußerlich kann es bei juckenden Hauterkrankungen eingesetzt werden. Enthalten ist die Substanz unter anderem in Eucerin AtopiControl Anti-Juckreiz-Spray oder Balneum Hermal F flüssiger Badezusatz.
Zinkoxid
Zinkoxid-haltige Pasten schützen gereizte Haut und nehmen Feuchtigkeit und Exsudat auf. Dadurch können sie nässende Haut austrocknen. Eingesetzt werden Zinkpaste, weiche Zinkpaste oder Zinkoxidschüttelmixtur (Lotio alba aquosa).
Quelle: MiM Pharma, DAZ, Lauer-Taxe