Autoimmunerkrankungen: Auslöser Stress

(wk/fast) Nicht nur Patienten führen belastende Situationen oft als möglichen Auslöser einer Autoimmunerkrankung ins Feld. Auch die Forschung kommt zu dem Ergebnis, dass Immun- und Stresssystem eng verwoben sind, Stress somit den Toleranzbruch begünstigen kann.

08.10.2018

Frau, die unausgeschlafen im Bett sitzt und einen Wecker auf dem Kopf hält.
© Foto: amriphoto / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)
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Bei der Suche nach Ursachen von Autoimmunerkrankungen führen Patienten im Gespräch mit ihrem Arzt oft belastende Lebensereignisse mit an. Darüber hinaus gibt es auch direkte Evidenz für diesen Zusammenhang, wie Professor Georg Pongartz, Universitätsklinikum Düsseldorf, in der Sitzung "Microbiom, Trauma und Stress als Ursachen der chronischen Entzündung" beim Rheumatologen-Kongress in Mannheim berichtete. 

Generell werden Autoimmunerkrankungen als multifaktoriell bedingt angesehen. Auch Umweltfaktoren werden als Auslöser diskutiert, darunter Stress. Daten, die für eine Rolle von Stress bei der Entstehung einer sterilen Inflammation sprechen, mehren sich. Es bedarf allerdings eines entsprechenden genetischen Hintergrunds.

Konkrete Hinweise auf den Zusammenhang von Stress- und Immunsystem stammen etwa aus Studien zu Patienten mit posttraumatischem Stresssyndrom (PTSD). Bei Frauen mit PTSD war die Inzidenz der Rheumatoiden Arthritis in einer Auswertung der Nurses Health Study "dosisabhängig" mit der Schwere des PTSD um 68 Prozent erhöht. Beim Systemischen Lupus erythematodes war die Inzidenz sogar um 162 Prozent erhöht. 

Erklären lässt sich dies durch die enge Verknüpfung von Stress- und Immunsystem. Sie kommt unter anderem darin zum Ausdruck, dass das autonome Nervensystem und die Hypophysen-Hypothalamus-Nebennieren-Achse (HHN-Achse) bei akutem Stress über das limbische System aktiviert werden. In Vorbereitung auf Flucht oder Kampf wird sowohl das sympathische Nervensystem, als auch die Cortisolproduktion der Nebenniere hochgefahren. 

Ersteres wirkt über vermehrten Blut- und Lymphfluss, gesteigerte Antigenprozessierung und –präsentation sowie vermehrte Energiebereitstellung proinflammatorisch, Letzteres in Form der Steroidhormone als Stimulator von Immunzellen. Zudem fördert Stress die humorale Aktivität durch Umverteilung von Lymphozyten. Auf Basis dieser Befunde kann Stress als proinflammatorischer Stimulus eingestuft werden.

Bei chronischem Stress steht die Erschöpfung der HHN-Achse im Vordergrund. Zusammen mit den chronisch erhöhten Zytokinspiegeln (u. a. Interleukin 6, IL-6) bildet dies eine explosive Mischung, die einen Toleranzbruch begünstigen und letztlich eine Autoimmunerkrankung auslösen kann, wie Pongartz ausführte. So konnte bei Menschen, die Angehörige pflegen – ein Modell für chronischen Stress – ein deutlich schnellerer Anstieg der IL-6-Spiegel gemessen werden als bei Kontrollen. Ihre inflammatorische Last war höher.

Quelle: springermedizin.de DGRh-Kongressdossier 2018

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5 Kommentare

16.10.2021 - 23:14 Uhr
Kommentar von Of.

Meine Frage: Habe eine chron.pol.Sinus., rez.HWI ,Herpesinfektionen, massive Gelenkbeschwerden. Bei einer Blutunters. würde ein sehr hoher ANA-Wert festgestellt. Jedoch stelle ich fest, diesem wurde wenig Beachtung geschenkt. Gibt es hier einen Zusammenhang zu Kollagenlosen?

Antwort der Redaktion

Guten Tag, lassen Sie den hohen Wert antinukleärer Antikörper noch einmal von einem anderen Arzt abchecken. Ein Mediziner Ihres Vertrauens kann am Besten eine fundierte Diagnose stellen. Weitere Infos zu Kollagenosen finden Sie auf der Website der Deutschen Rheuma-Liga: www.rheuma-liga.de (Stichwort Kollagenosen) Ihr Team von DAS PTA MAGAZIN


19.06.2021 - 14:08 Uhr
Kommentar von Ramoser Helene

Hallo, ich habe eine Regenbogenhautentzündung, die laut Arzt auf eine Autoimmunerkrankung zurückzuführen ist und jetzt mit Cortison behandelt wird. Kann mir jemand eine natürliche Behandlung zusätzlich empfehlen. Mfg Helene 62

Antwort der Redaktion

Sehr geehrte Frau Ramoser, vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie haben die Möglichkeit, eine Zweitmeinung bei einem naturheilkundlich spezialisierten Arzt einzuholen. Wir wünschen Ihnen gute Besserung. Ihr Team von DAS PTA MAGAZIN


12.05.2021 - 21:30 Uhr
Kommentar von Sabine pipmbino

Welche Tipps können Sie geben um eben diese Entstehung oder Verschlimmerung von Autoimmunerkrankungen zu verhindern oder abzumildern? Was sagen Sie zu COVID-19-Impfungen? Danke Sabine P. 58 j.

Antwort der Redaktion

Sehr geehrte Frau Pipmbino, grundsätzlich sollten Sie auf eine ausgewogene Work-Life-Balance achten mit ausgewogener, gesunder Ernährung und regelmäßigen Sporteinheiten. Bei Fragen zu Autoimmunerkrankungen und Impfungen wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an Ihren Hausarzt. Mit freundlichen Grüßen Ihre Redaktion von DAS PTA MAGAZIN


26.10.2020 - 18:32 Uhr
Kommentar von Anne Reinke

Hallo Ich leide an Lichen S. – eine Hauterkrankung. Ich bekam Hormonzäpfchen und eine Fettsalbe verschrieben. Alles war entzündet und schmerzhaft. Jetzt geht es besser, ist aber nicht heilbar. Ich hatte viel Stress, habe meinen Nebenjob gekündigt. Ich werde wieder Sport machen. Und habe für nächstes Jahr Urlaub gebucht, nach Borkum. Ich bin 59 Jahre alt. Habe einen erwachsenen Sohn und einen Pflegesohn (FAS/ADHS). Bin verheiratet. Mfg Anne

Antwort der Redaktion

Sehr geehrte Frau Reinke, vielen Dank, dass Sie uns ihre persönliche Lebensgeschichte anvertraut haben. Wir hoffen, dass Sie nächstes Jahr den Urlaub auf Borkum genießen können. Bleiben Sie und Ihre Familie gesund. Mit freundlichen Grüßen Ihre Redaktion von DAS PTA MAGAZIN


28.11.2019 - 17:40 Uhr
Kommentar von Silvia Kompass

Ich leide seit mehr als 22 Jahren an Polymyositis mit Beteiligung der Lunge (Lungenfibrose). Ich hatte eine sehr schwierige Kindheit. Im letzten Jahr hatte ich großen beruflichen Stress. Seit einem Jahr ist auch die Lungenfibrose plötzlich schlechter geworden. Ich vermute deshalb auch einen seelischen Faktor für den Ausbruch meiner Erkrankung und Verschlechterung meiner Lungenfibrose.