Bedenkliche Bakterien schwimmen mit

(fast) Antibiotikaresistente Erreger finden sich immer häufiger in Gewässern. Ein Forschungsteam der Universitäten Marburg, Duisburg-Essen und Hongkong hat Erregertypen analysiert, ihre Häufigkeit in über 270 europäischen Süßwasserseen erfasst und so die Basis für gezielte Überwachung geschaffen.

24.08.2021

Wasser, das über bemooste Steinbrocken läuft.
© Foto: Tinka - stock.adobe.com
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„Die Coronavirus-Pandemie hat sehr deutlich veranschaulicht, wie wichtig es ist, Veränderungen in der Entwicklung von Krankheitserregern schnell und in großem Maßstab erkennen zu können“, sagt Prof. Dominik Heider, Philipps-Universität Marburg. Er hat die im Fachmagazin Environment International veröffentlichte Studie gemeinsam mit Prof. Jens Boenigk, Universität Duisburg-Essen, geleitet. Heider ist Experte für Data Science in der Biomedizin und beschäftigt sich unter anderem mit Algorithmen zur Vorhersage von Arzneimittelresistenzen.

„Diese Resistenzen gegen wichtige Reserveantibiotika sind ein großes Problem. Die bisherigen Forschungsarbeiten zu antibiotikaresistenten Keimen in Umweltgewässern waren geographisch begrenzter und weniger standardisiert. Wir geben in unserer Studie zum ersten Mal einen umfassenden Überblick über die aktuelle Situation in Europa“, erklärt Boenigk. Dafür nutzte das Team standardisierte Wasserproben von 274 Süßwasserseen in dreizehn europäischen Ländern von Skandinavien bis Spanien, die alle innerhalb eines Monats gesammelt wurden. Die Forscherinnen und Forscher untersuchten Proben hinsichtlich der Resistenzgene gegen vier wichtige Antibiotikaklassen, die vor allem in der landwirtschaftlichen Tierhaltung und Humanmedizin genutzt werden: Tetracycline, Cephalosporine, Chinolone und Sulfonamide. 

Das Ergebnis: In fast allen Proben konnten Mikroorganismen festgestellt werden, die potenziell gegen diese Wirkstoffklassen resistent sind. Ein großes Problem sind Abwässer, die zwar vor der Einleitung in Flüsse und Seen gereinigt werden, aber dennoch Krankheitserreger aufweisen. Diese gelangen dann in Süßgewässer wie Flüsse und Seen, erklären die Forschenden. Darüber hinaus wirken sich sozioökonomische und ökologische Faktoren wie die chemische Industrie und die Tierhaltung in unmittelbarer Nähe der Gewässer auf die Entwicklung antibiotikaresistenter Keime aus.

Was bedeuten diese Ergebnisse nun für die menschliche Gesundheit? Nach Auffassung Heiders stellen die Resistenz-Werte keine unmittelbare Gefahr dar. Allerdings könnten die Keime für Personen mit geschwächter Immunabwehr oder Vorerkrankungen bedrohlich werden. Weshalb es sehr wichtig sei, die Keimbelastung kontinuierlich zu überwachen. Die aktuellen Werte sollten als deutliches Warnsignal in der Infektionsbekämpfung verstanden werden, betont der Wissenschaftler.

Quelle: idw

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