Bezeichnung „Urgetreide“ führt in die Irre
Ein rechtlich ungeschützter Marketingbegriff
Dinkel, Einkorn, Emmer und Khorasan-Weizen (Markenname Kamut) sind frühe Formen aus der Gattung des heutigen Weizens, die gemeinsam mit diesem zur Familie der Süßgräser gehören. Sie werden oftmals als „Urgetreide“ oder „Urweizen“ bezeichnet.
Hierzu stellt das MRI in einer wissenschaftlichen Stellungnahme klar: Der Begriff „Urgetreide“ ist rechtlich nicht geschützt. Er suggeriert Verbraucherinnen und Verbrauchern eine ursprüngliche, unveränderte Getreideart.
Wenig Gemeinsamkeiten mit antiken Wildformen
Tatsächlich haben sich jedoch auch Dinkel, Emmer und Einkorn über Jahrtausende durch natürliche Auslese und gezielte Züchtung massiv weiterentwickelt. Die heute in Deutschland angebauten Arten stammen größtenteils aus Genbanken und sind oft jünger als 100 Jahre.
Um die Erträge und Backeigenschaften zu optimieren, wurde beispielsweise moderner Weichweizen in Dinkel eingekreuzt. Auch natürliche Einkreuzungen fanden statt.
Mit den Wildformen der Antike haben die heutigen Kulturformen daher kaum noch Gemeinsamkeiten. Aus Sicht des MRI ist die Bezeichnung „Urgetreide“ deshalb fachlich nicht haltbar.
Vorsicht bei Unverträglichkeiten: Allesamt glutenhaltig
Dinkel, Einkorn, Emmer und Khorasan-Weizen (Markenname Kamut) wird vor allem eine bessere Verträglichkeit bei einem geringeren allergenen Potenzial im Vergleich zu Weizen unterstellt. Dabei steht insbesondere der Inhaltsstoff Gluten im Fokus. Doch alle genannten Getreidearten enthalten Gluten. Laut MRI sind Aussagen zu einer geringeren Allergenität nicht richtig.
Wichtiger Hinweis für Allergiker
Laut der wissenschaftlichen Einordnung des MRI und der S2k-Leitlinie Zöliakie sollten Patientinnen und Patienten mit Zöliakie oder IgE und nicht-IgE Weizenallergie keine Unterscheidung zwischen herkömmlichem Weichweizen und den als Urgetreide bezeichneten Getreidearten machen.
Für die Betroffenen sind die Proteinstrukturen in Dinkel, Emmer, Einkorn und Kamut ebenso problematisch wie in modernem Hart- und Weichweizen.
Quelle: Max Rubner-Institut - Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel