Diabetes trifft Frauen anders als Männer

Herzklopfen und Schweißausbrüche: Ist das eine Hitzewallung oder Unterzuckerung? Für Frauen mit Diabetes ist diese Frage zentral. Die Stoffwechselstörung trifft Frauen anders als Männer, da Hormone den Blutzuckerspiegel stark beeinflussen. Was Diabetikerinnen zu Zyklus und Wechseljahren wissen müssen.

von Kirsten Bechtold
16.07.2026

Holzwürfel mit dem Symbol „ungleich“ – Umwandlung in das Gleichheitszeichen
© Foto: olmax1975 / stock.adobe.com
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  • Hormonschwankungen durch Zyklus, Schwangerschaft oder Wechseljahre verändern die Insulinwirkung bei Frauen erheblich.
  • In der Menopause sind Hitzewallungen kaum von einer Unterzuckerung zu unterscheiden, weshalb der Glukosewert stets geprüft werden sollte.
  • Symptome von Frauen werden oft als Stress abgetan (Medical Gaslighting), was eine zielgerichtete Diabetes-Therapie gefährlich verzögert.

Zyklus, Schwangerschaft, Wechseljahre oder das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) nehmen massiven Einfluss auf den Blutzuckerspiegel und erhöhen das Risiko für Komplikationen. Daher ist eine geschlechtersensible Versorgung und Beratung von Diabetikerinnen unerlässlich, wie Experten des Verbands der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) auf einer Online-Pressekonferenz betonten.

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Der weibliche Zyklus steuert die Insulinwirkung

Frauen mit Diabetes müssen wissen, dass Hormone wie Östrogen und Progesteron maßgeblich beeinflussen, wie gut das körpereigene oder zugeführte Insulin wirkt. So kann der Insulinbedarf in der zweiten Zyklushälfte um bis zu 15 Prozent ansteigen, erklärt Professorin Dr. Susanne Reger-Tan, Klinikdirektorin der Klinik für Diabetologie und Endokrinologie am Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen. Selbst moderne Pumpensysteme erfassen diese hormonellen Schwankungen des Blutzuckers bislang kaum.

Wechseljahre: Nicht jede Hitzewallung ist harmlos

In den Wechseljahren wird der Diabetes für viele Frauen noch unberechenbarer. Der Östrogenspiegel sinkt, die Insulinwirkung verändert sich und die Blutzuckerwerte schwanken. Eine Untersuchung zeigte, dass rund zwei Drittel der Frauen mit Typ-1-Diabetes nach der Menopause von instabileren Glukosewerten berichten.

Besonders tückisch: Symptome wie Schwitzen, Zittern und Herzklopfen können sich wie eine klassische Hitzewallung anfühlen – oder eben wie eine gefährliche Unterzuckerung. „Im Zweifel sollte immer zuerst der Glukosewert geprüft werden“, empfiehlt Diabetologin Reger-Tan.

Medical Gaslighting: Wenn Symptome als Stress abgetan werden

Viele Frauen machen die Erfahrung, dass ihre Beschwerden im medizinischen Alltag nicht sofort ernst genommen werden, berichtet die Psychologin Laura Klinker vom Diabetes Zentrum Bad Mergentheim. Physische Symptome werden fälschlicherweise als Stress, psychische Belastung oder harmlose Hormonschwankung eingeordnet, was die richtige Diagnose verzögert. „Fachleute sprechen hier von Medical Gaslighting“, warnt Theresia Schoppe, stellvertretende VDBD-Vorstandsvorsitzende.

Diese Versorgungslücke lässt sich sogar in Zahlen belegen: Daten von etwa 20.000 Menschen mit Typ-2-Diabetes und Begleiterkrankungen zeigen, dass Frauen seltener schützende Herz- und Nierenmedikamente erhielten als Männer. Das weibliche Geschlecht senkte die Chance auf eine leitliniengerechte Therapie um signifikante 33 Prozent.

Was Frauen mit Diabetes wissen sollten

Der VDBD rät Diabetikerinnen dringend, körperliche Veränderungen nicht als Nebensache abzutun. Zyklus, Schwangerschaft, Wechseljahre, aber auch Schlaf, Stress und seelische Belastungen beeinflussen die Diabetes-Therapie spürbar.

Wer unklare Symptome spürt, sollte umgehend den Blutzuckerspiegel kontrollieren. Frauen, die nach einem Schwangerschaftsdiabetes entbunden haben, müssen die Nachsorge fest in ihren Alltag einplanen.

Und wer sich chronisch erschöpft fühlt, sollte dies in der ärztlichen Beratung offen ansprechen. Eine gute Diabetesberatung erklärt nicht nur Werte, sondern hilft dabei, Muster zu erkennen und Patientinnen in genau den Lebensphasen zu begleiten, in denen der Diabetes plötzlich neue Regeln schreibt.

Das wichtigste Warnsignal bleibt: Fühlt sich der Diabetes plötzlich „anders“ an, ist das immer ein Grund, genauer hinzuschauen.

Quelle: Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V.

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