Diabetes und Augen: Wenn die Netzhaut stumm leidet

Im Verlauf eines Diabetes mellitus können kleine Gefäße der Netzhaut geschädigt werden – oft über Jahre hinweg, ohne dass Betroffene etwas davon bemerken. Welche Warnzeichen einer diabetischen Retinopathie gibt es? Wann sind Augenkontrollen notwendig? Und wie lässt sich das Risiko für einen Sehverlust senken?

von Kirsten Bechtold
13.10.2026

Ein älterer männlicher Patient lässt seine Sehkraft in einer Augenarztpraxis überprüfen.
© Foto: Peakstock / stock.adobe.com
Anzeige
  • Diabetische Retinopathie verläuft anfangs meist beschwerdefrei, betrifft aber jeden vierten Typ-1- und bis zu 15 Prozent der Typ-2-Diabetiker.
  • Augenkontrollen sind leitliniengerecht ab Diagnose (Typ 2) bzw. nach fünf Jahren (Typ 1) fällig, danach alle ein bis zwei Jahre je nach Risiko.
  • Warnzeichen wie „Rußregen“, verschwommenes Sehen oder dunkle Flecken erfordern eine sofortige augenärztliche Abklärung.

Rund jeder vierte Mensch mit Typ-1-Diabetes und zehn bis 15 Prozent der Menschen mit Typ-2-Diabetes sind von einer diabetischen Retinopathie betroffen, wie die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) berichtet. Ist dabei die Makula betroffen, die Stelle des schärfsten Sehens, kann die zentrale Sehschärfe nachlassen.

Aktueller Podcast

Handeln, bevor Warnzeichen auftreten

Bei bis zu 16 Prozent aller Menschen mit Typ-2-Diabetes bestehen bereits zum Zeitpunkt der Diabetesdiagnose Netzhautveränderungen. Frühe Stadien verursachen jedoch meist keine Beschwerden, warnt Professor Stefan Kopf, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes & Auge der DDG und Leiter der Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck.

Unbemerkt treten dabei bereits kleinste Gefäßaussackungen, Blutungen und Ablagerungen auf. Ein typisches Symptom für eine beginnende Einblutung ist der „Rußregen“: Betroffene sehen viele kleine schwarze Pünktchen oder Wölkchen, die sich wie feiner Ruß oder Regen im Sichtfeld bewegen.

Eine diabetische Netzhautablösung kündigt sich mitunter durch Lichtblitze an oder bleibt lange unbemerkt, bis die Sehschärfe stark abnimmt, sobald sich die Makula ablöst.

Besondere Bedeutung hat zudem die diabetische Makulopathie: Wirken sich die Gefäßveränderungen im Zentrum der Netzhaut aus, kann Flüssigkeit austreten und die Makula anschwellen.

Die Folge kann eine Verschlechterung der zentralen Sehschärfe sein. Warnsignale sind dann plötzlich schlechteres oder verschwommenes Sehen, Leseschwierigkeiten, Störungen der Farbwahrnehmung sowie dunkle Flecken oder rote Schleier.

Plötzliche Veränderungen des Sehens müssen zeitnah augenärztlich abgeklärt werden. Noch wichtiger ist es jedoch, nicht erst auf Warnzeichen zu warten: Regelmäßige Augenkontrollen nach einer Diabetesdiagnose können Netzhautveränderungen aufzeigen, bevor das Sehvermögen überhaupt nachlässt.

Wann ist die Augenuntersuchung fällig?

Auch bei guter Blutzuckereinstellung sollten die Augen regelmäßig augenärztlich untersucht werden. Die Kontrollintervalle richten sich nach Diabetestyp und individuellem Risiko.

Krankheitsbild Empfohlenes Intervall
Typ-1-Diabetes Erstuntersuchung 5 Jahre nach Diagnose
Typ-2-Diabetes Erstuntersuchung direkt bei Diagnose
ohne Netzhautveränderungen/Risikofaktoren anschließend an Erstuntersuchung alle 2 Jahre
bei erhöhtem Risiko anschließend an Erstuntersuchung jährlich
bei bestehender Retinopathie anschließend an Erstuntersuchung individuell, vom Augenarzt festgelegt

Zu den Risikofaktoren einer diabetischen Retinopathie zählen:

  • eine lange Diabetesdauer
  • dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte
  • Bluthochdruck
  • eine diabetische Nierenschädigung
  • Rauchen

Auch Schwangerschaft und Pubertät können den Erkrankungsverlauf beeinflussen.

Das können Menschen mit Diabetes für ihre Augen tun

  1. Blutzucker und Blutdruck im Blick behalten: Werte regelmäßig kontrollieren und die vereinbarten Therapieziele verfolgen.
  2. Augenarzttermine wahrnehmen: auch dann, wenn das Sehvermögen unverändert erscheint.
  3. Risikofaktoren reduzieren: nicht rauchen, sich regelmäßig bewegen und ausgewogen ernähren.
  4. Warnzeichen ernst nehmen: Verschwommenes Sehen, dunkle Flecken, Schleier oder „Rußregen“ zügig ärztlich abklären lassen.
  5. Besondere Situationen ansprechen: Bei Schwangerschaft oder vor einer schnellen, deutlichen Blutzuckersenkung klären, ob zusätzliche Augenkontrollen nötig sind.

Für die Beratung am HV: Gerade weil frühe Stadien der diabetischen Retinopathie schmerzfrei verlaufen, ist der Hinweis auf regelmäßige Augenkontrollen eine der wirksamsten präventiven Botschaften, die PTA Kundinnen und Kunden mit Diabetes mellitus mitgeben können.

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft

Kommentar schreiben

Die Meinung und Diskussion unserer Nutzer ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie im Sinne einer angenehmen Kommunikation auf unsere Netiquette. Vielen Dank!

Pflichtfeld *