Diabetes und Augen: Wenn die Netzhaut stumm leidet
- Diabetische Retinopathie verläuft anfangs meist beschwerdefrei, betrifft aber jeden vierten Typ-1- und bis zu 15 Prozent der Typ-2-Diabetiker.
- Augenkontrollen sind leitliniengerecht ab Diagnose (Typ 2) bzw. nach fünf Jahren (Typ 1) fällig, danach alle ein bis zwei Jahre je nach Risiko.
- Warnzeichen wie „Rußregen“, verschwommenes Sehen oder dunkle Flecken erfordern eine sofortige augenärztliche Abklärung.
Rund jeder vierte Mensch mit Typ-1-Diabetes und zehn bis 15 Prozent der Menschen mit Typ-2-Diabetes sind von einer diabetischen Retinopathie betroffen, wie die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) berichtet. Ist dabei die Makula betroffen, die Stelle des schärfsten Sehens, kann die zentrale Sehschärfe nachlassen.
Handeln, bevor Warnzeichen auftreten
Bei bis zu 16 Prozent aller Menschen mit Typ-2-Diabetes bestehen bereits zum Zeitpunkt der Diabetesdiagnose Netzhautveränderungen. Frühe Stadien verursachen jedoch meist keine Beschwerden, warnt Professor Stefan Kopf, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes & Auge der DDG und Leiter der Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck.
Unbemerkt treten dabei bereits kleinste Gefäßaussackungen, Blutungen und Ablagerungen auf. Ein typisches Symptom für eine beginnende Einblutung ist der „Rußregen“: Betroffene sehen viele kleine schwarze Pünktchen oder Wölkchen, die sich wie feiner Ruß oder Regen im Sichtfeld bewegen.
Eine diabetische Netzhautablösung kündigt sich mitunter durch Lichtblitze an oder bleibt lange unbemerkt, bis die Sehschärfe stark abnimmt, sobald sich die Makula ablöst.
Besondere Bedeutung hat zudem die diabetische Makulopathie: Wirken sich die Gefäßveränderungen im Zentrum der Netzhaut aus, kann Flüssigkeit austreten und die Makula anschwellen.
Die Folge kann eine Verschlechterung der zentralen Sehschärfe sein. Warnsignale sind dann plötzlich schlechteres oder verschwommenes Sehen, Leseschwierigkeiten, Störungen der Farbwahrnehmung sowie dunkle Flecken oder rote Schleier.
Plötzliche Veränderungen des Sehens müssen zeitnah augenärztlich abgeklärt werden. Noch wichtiger ist es jedoch, nicht erst auf Warnzeichen zu warten: Regelmäßige Augenkontrollen nach einer Diabetesdiagnose können Netzhautveränderungen aufzeigen, bevor das Sehvermögen überhaupt nachlässt.
Wann ist die Augenuntersuchung fällig?
Auch bei guter Blutzuckereinstellung sollten die Augen regelmäßig augenärztlich untersucht werden. Die Kontrollintervalle richten sich nach Diabetestyp und individuellem Risiko.
| Krankheitsbild | Empfohlenes Intervall |
| Typ-1-Diabetes | Erstuntersuchung 5 Jahre nach Diagnose |
| Typ-2-Diabetes | Erstuntersuchung direkt bei Diagnose |
| ohne Netzhautveränderungen/Risikofaktoren | anschließend an Erstuntersuchung alle 2 Jahre |
| bei erhöhtem Risiko | anschließend an Erstuntersuchung jährlich |
| bei bestehender Retinopathie | anschließend an Erstuntersuchung individuell, vom Augenarzt festgelegt |
Zu den Risikofaktoren einer diabetischen Retinopathie zählen:
- eine lange Diabetesdauer
- dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte
- Bluthochdruck
- eine diabetische Nierenschädigung
- Rauchen
Auch Schwangerschaft und Pubertät können den Erkrankungsverlauf beeinflussen.
Das können Menschen mit Diabetes für ihre Augen tun
- Blutzucker und Blutdruck im Blick behalten: Werte regelmäßig kontrollieren und die vereinbarten Therapieziele verfolgen.
- Augenarzttermine wahrnehmen: auch dann, wenn das Sehvermögen unverändert erscheint.
- Risikofaktoren reduzieren: nicht rauchen, sich regelmäßig bewegen und ausgewogen ernähren.
- Warnzeichen ernst nehmen: Verschwommenes Sehen, dunkle Flecken, Schleier oder „Rußregen“ zügig ärztlich abklären lassen.
- Besondere Situationen ansprechen: Bei Schwangerschaft oder vor einer schnellen, deutlichen Blutzuckersenkung klären, ob zusätzliche Augenkontrollen nötig sind.
Für die Beratung am HV: Gerade weil frühe Stadien der diabetischen Retinopathie schmerzfrei verlaufen, ist der Hinweis auf regelmäßige Augenkontrollen eine der wirksamsten präventiven Botschaften, die PTA Kundinnen und Kunden mit Diabetes mellitus mitgeben können.
Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft