Ein Mythos geht nicht unter

(kib) Nun, da es wieder kalt wird und die Erkältungssaison Einzug hält, bedarf eine Frage dringend der Klärung: Hilft Hühnersuppe wirklich gegen grippale Infekte?

von Dr. Robert Bublak
07.12.2023

Topf mit Hühnersuppe
© Foto: weyo / stock.adobe.com
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Wer die Wörter „Erkältung“ und „Hühnersuppe“ gemeinsam googelt, erhält 1,5 Millionen Treffer. Man erfährt, dass schon die alten Ägypter, Chinesen und der persische Arzt Avicenna Hühnerbrühe empfohlen haben, um gegen Erkältungsbeschwerden vorzugehen. Und in den USA heißt Hühnersuppe mit Verweis auf die jüdische Rezeptur ebenso wie auf die erwartete Heilwirkung „Jewish Penicillin“.

Hinweise auf eine solche Wirkung existieren, wenn auch spärlich. Die Trefferzahl für „chicken soup“ in der Medizindatenbank PubMed ist mit 216 denn auch deutlich geringer als bei Google. Mit an vorderster Stelle rangiert eine Publikation aus dem Nebraska Medical Center in Omaha aus dem Jahr 2000. Die Autoren stellten fest, dass Hühnersuppe die Neutrophilenmigration hemmt, und schrieben der Suppe einen moderaten antientzündlichen Effekt zu, der die Symptomatik von Infektionen des oberen Respirationstrakts abschwächen könnte.

Wohltuende Effekte

Nach Ausbruch von Corona meldete sich einer der Autoren mit einem weiteren Beitrag zurück. Die frühere Studie sei keine klinische Untersuchung gewesen, und ein antineutrophiler Effekt könne ebenso gut das Infektionsrisiko erhöhen. Aber: Wer Hühnersuppe koche, helfe Leuten, sich besser zu fühlen, und habe die Bestätigung, zumindest etwas getan zu haben – auch wenn das nicht von der Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen befreie.

Ist der Deckel auf dem Hühnersuppentopf damit endgültig geschlossen? Keinesfalls! Jospeh Alpert von der University of Arizona School of Medicine in Tucson hat sich erst neulich wieder mit den medizinischen Eigenschaften der Suppe befasst. Solche schließt er aus, sieht aber die Vorzüge der Suppe in ihren wohltuenden Effekten. Gegen einen Glauben, der sich von der Antike bis in die heutige Zeit erhalten hat, dürfte indessen kein wissenschaftliches Kraut gewachsen sein.

Quelle: MMW – Fortschritte der Medizin | Ausgabe 20/2023

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