Ekelbilder fordern das Immunsystem

(kib) Wer krankheitsbezogene, Ekel erregende Videos guckt, hat mehr der Antikörper Immunglobulin A im Speichel. Das beobachteten Wissenschaftler.

11.08.2022

Schrei mit geöffnetem Mund
© Foto: Jürgen Freund / OKAPIA KG, Germany / picture-alliance
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Die Forscher des Fachbereichs Biologie der Universität Hamburg ließen 116 Testpersonen (47 männlich, 69 weiblich) verschiedene Ekel auslösende Videos schauen. Zwei der Videos zeigten Situationen, die mit ansteckenden Virusinfektionen der Atemwege in Verbindung gebracht wurden.

Das dritte Video enthielt kein Risiko einer Ansteckung, sondern Situationen, die im Kern Ekel hervorrufen, wie beispielsweise verdorbene Lebensmittel, verwesende Tierkadaver oder Kakerlaken. Ein viertes Video diente als Kontrolle und zeigte Landschaftseindrücke.

Die Forschenden nahmen Speichelproben, um die Konzentration von Antikörpern (sekretorischen Immunglobulins A, sIgA) zu messen und ließen die Probanden Fragebögen zu ihrem Empfinden ausfüllen.

Videoschauen erhöht die Antikörperkonzentration

„Es zeigte sich, dass die sIgA-Konzentration bei Testpersonen nach der Stimulation – vor allem bei Videos, die Menschen mit Krankheitssymptomen zeigen – anstieg“, sagt Judith Keller, Erstautorin der Studie und Doktorandin in der Arbeitsgruppe Neuroendokrinologie am Fachbereich Biologie der Universität Hamburg.

Im Durchschnitt erhöhte sich die sIgA-Konzentration nach dem Schauen des Krankheitsvideos um 83,15 Prozent und nach dem Schauen von Videos mit verdorbenen Lebensmitteln um 44,79 Prozent.

„Dies ist besonders, da das physiologische Immunsystem bisher als hauptsächlich reaktiv gilt, also sonst eher auf ein Pathogen im Körper reagiert. Der Anstieg in unserer Studie spricht dafür, dass es auch reagiert, bevor das Pathogen in den Körper kommt“, so Keller in einer Mitteillung. Die Forscher nehmen an, dass das Verhaltensimmunsystem (engl. behavioral immune system, BIS) also nicht nur psychologische Maßnahmen auslöst, sondern in diesem Fall auch eine Antwort des physiologische Immunsystem (PIS) stimuliert.

„Allerdings müssen wir einschränken, dass unsere Studie keine direkten Beweise für eine erhöhte Immunität bei Personen liefert“, sagt Juniorprofessorin Dr. Esther Diekhof, Leiterin der Arbeitsgruppe Neuroendokrinologie am Fachbereich Biologie der Universität Hamburg. „Ein solcher proaktiver Abwehrmechanismus scheint jedoch wahrscheinlich, da sIgA im Speichel eine wichtige Rolle beim Immunausschluss spielt.“

Künftige Studien müssen weiter untersuchen, ob dieser Anstieg von sIgA tatsächlich eine Immunantwort auslöst und somit eine erhöhte Immunität von zum Beispiel Atemwegsviren widerspiegelt, noch bevor die Schleimhäute mit einem Erreger in Kontakt gekommen sind.

Quelle: IDW

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