EU: So sollen Lieferengpässe verhindert werden
In der Nacht zum 12. Mai 2026 haben sich Unterhändler des Europäischen Parlaments und der Mitgliedstaaten auf den Critical Medicines Act geeinigt, um Lieferengpässe bei Arzneimitteln durch eine stärkere Produktion in Europa nachhaltig zu bekämpfen. Der Entwurf für diesen war vor etwas über einem Jahr vorgelegt worden. DAS PTA MAGAZIN berichtete.
Vorzug für europäische Produktion bei Ausschreibungen
Ein Kernpunkt der Reform betrifft die öffentliche Auftragsvergabe. Bei kritischen Arzneimitteln, die bisher stark von Importen aus Drittstaaten wie China oder Indien abhängig sind, sollen künftig bevorzugt Produkte aus europäischer Herstellung den Zuschlag erhalten. Damit will die Europäische Union (EU) gezielte Anreize für sicherere Lieferketten schaffen.
Die vorläufige Einigung sieht verschiedene Mechanismen vor: So können Lieferanten künftig proportional zum Anteil der in der EU produzierten Wirkstoffe und Medikamente vergütet werden.
Ziel ist es, die Abhängigkeit vom asiatischen Markt zu reduzieren, wo Fertigungsprobleme oder verunreinigte Rohstoffe in der Vergangenheit immer wieder zu Versorgungsengpässen in Europa führten.
Gemeinsame Beschaffung und schnellere Förderung
Um die Versorgungssicherheit weiter zu erhöhen, wurden folgende Maßnahmen beschlossen:
- Strategische Projekte: Die Genehmigung von Produktionsstätten in der EU wird beschleunigt. Zudem gibt es einen leichteren Zugang zu staatlichen Förderungen.
- Gemeinsamer Einkauf: Mitgliedstaaten können sich zusammenschließen, um wichtige Medikamente – insbesondere für seltene Erkrankungen – gemeinsam zu beschaffen.
- Notfall-Austausch: Während eine verpflichtende Umverteilung von Vorräten abgelehnt wurde, sollen sich die Länder künftig freiwillig über Notfallbestände austauschen.
Definition kritischer Arzneimittel
Als „kritisch“ gelten Medikamente, für die es kaum Alternativen gibt und deren Fehlen Patientinnen und Patienten ernsthaft gefährden würde. Hierzu zählen insbesondere:
- Antibiotika und Antithrombotika
- Krebstherapeutika (Onkologika)
- Herz-Kreislauf-Mittel
- Arzneimittel für die pädiatrische Versorgung (z. B. Paracetamol-Säfte)
Politische Stimmen und Ausblick
CDU-Gesundheitspolitiker Peter Liese bezeichnete den Kompromiss als „extrem wichtigen Schritt für die Lösung eines massiven Problems.“
Auch die Apothekerschaft begrüßt das Signal: Laut ABDA-Angaben verursacht das Management von Lieferengpässen in deutschen Apotheken derzeit einen Zeitaufwand von durchschnittlich über 20 Stunden pro Woche.
Bevor die neuen Regeln final in Kraft treten können, müssen das EU-Parlament und die EU-Staaten den Kompromiss noch förmlich bestätigen. Dies gilt nach der erzielten Einigung jedoch als Formsache.
Quelle: Deutsche Presse-Agentur