Fallbericht: Bewusstlos durch exzessiven Rote-Bete-Verzehr
- Exzessiver Rote-Bete-Konsum kann in Kombination mit Isosorbidmononitrat eine schwere, lebensbedrohliche Methämoglobinämie auslösen.
- Nahrungs- und Arznei-Nitrate wirken synergistisch, überlasten den Hämoglobin-Stoffwechsel und führen zu massivem Sauerstoffmangel.
- Herzkranke, die Nitrate einnehmen, sollten über die Risiken nitratreicher Lebensmittel aufgeklärt werden.
Ein 82-jähriger Amerikaner mit schwerer koronarer Herzkrankheit, der kürzlich einen Herzkatheter-Eingriff hatte, verlor beim Abendessen plötzlich das Bewusstsein. Als er ins Krankenhaus eingeliefert wurde, waren sein Blutdruck gefährlich niedrig, er war benommen und zeigte eine schiefergraue Hautverfärbung (Zyanose), heißt es in dem Fallbericht.
Die Ärztinnen und Ärzte stellten einen sehr hohen Methämoglobinspiegel von 20,9 Prozent fest. Eine Methämoglobinämie ist ein lebensbedrohlicher Zustand, bei dem die Sauerstoffversorgung des Blutes beeinträchtigt ist, da das Hämoglobin nicht mehr ausreichend Sauerstoff binden kann.
Als Ursache identifizierten die Medizinerinnen und Mediziner einen ungewöhnlich hohen Verzehr von Roter Bete. Der Mann hatte wöchentlich bis zu drei Kilogramm gekochte Rote Bete zu sich genommen und zusätzlich den Restsaft getrunken.
Die Inhaltsstoffe der Roten Bete – insbesondere Nitrate – reagierten synergistisch mit Isosorbidmononitrat, einem gefäßerweiternden Arzneistoff aus der Gruppe der organischen Nitrate, das der Patient wegen seiner Herzkrankheit einnahm.
Der Mechanismus hinter der Wechselwirkung
Rote Bete ist reich an natürlichen Nitraten. Im Körper können diese durch Bakterien zu Nitrit umgewandelt werden, welches wiederum ist in der Lage, das Fe2+-Ion im Hämoglobin zu Fe3+ zu oxidieren. Dadurch entsteht Methämoglobin, das keinen Sauerstoff mehr transportieren kann.
Isosorbidmononitrat, ein Medikament zur Vorbeugung von Angina pectoris, wirkt ebenfalls als Nitrat, indem es Stickoxid freisetzt und die Blutgefäße erweitert.
Die Kombination beider Nitratquellen überlastete den natürlichen NADH-Methämoglobin-Reduktase-Stoffwechselweg des Patienten, der normalerweise für die Reduktion von Methämoglobin zuständig ist. Dies führte zu einem kritischen Sauerstoffmangel im Blut.
Die Möglichkeit einer Nahrungsnitrat induzierten Methämoglobinämie bei Säuglingen ist bekannt. Der vorliegende Fall schein allerdings der erste Fall zu sein, bei dem der Verzehr der ganzen Rote Bete Auslöser für die Erkrankung war.
Behandlung und Konsequenzen
Nach intravenöser Verabreichung von 1 mg/kg Methylenblau klang die Zyanose ab, heißt es in dem Bericht über den Fall. Methylenblau ist ein bewährtes Antidot bei Methämoglobinämie und hilft, Methämoglobin wieder in funktionsfähiges Hämoglobin umzuwandeln. Bei dem Patienten normalisierten sich in Folge sowohl der Methämoglobinspiegel als auch der Wert für die Sauerstoffsättigung im Blut.
Er wurde ohne weitere invasive Maßnahmen behandelt und nach einer Ernährungsumstellung, die den Rote-Bete-Konsum auf ein normales Maß reduzierte, entlassen.
Quelle: The Journal of Emergency Medicine