Fatigue: Keine Einbildung

(kib) „Fatigue ist real und biologisch erklärbar – sie ist keine ‚eingebildete‘ Erschöpfung“, betonte Professor Andreas Schwarting auf dem Deutschen Rheumatologie-Kongress in Wiesbaden. Warum sie entsteht, ist inzwischen teilweise erklärbar.

15.10.2025

Tabletten und Kapseln auf blauem Hintergrund sowie Holzblöcke mit den Worten „Chronic“, „Fatigue“ und „Syndrome“
© Foto: Natallia / stock.adobe.com
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Fatigue schränkt Menschen mit Rheuma oft mehr ein, als das Arthritiden und Schmerzen tun. Therapeutisch können Rheumatologinnen und Rheumatologen bisher wenig tun. Deshalb gehen Forschende vermehrt den biologischen Ursachen auf den Grund, etwa Funktionsstörungen der Mitochondrien.

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Teile des Puzzles aufgedeckt

Hinweise auf biologische Zusammenhänge ergeben sich dadurch, dass sich die Fatigue unter Behandlung mit Biologika bessert, erklärte der Experte.

Am Pathomechanismus scheint nach bisherigen Erkenntnissen dreierlei beteiligt zu sein:

  • Antikörper
  • entzündliche Reaktionen im Nervengewebe von Gehirn und Rückenmark (Neuroinflammation)
  • Störungen des zellulären Energiestoffwechsels

Speziell beim systemischem Lupus erythematodes ist Fatigue das prominenteste Symptom.

„Wir konnten feststellen, dass Antikörper gegen den NMDA (N-Methyl-D-Aspartat)-Rezeptor-Subtyp 2 eine Rolle spielen“, berichtete der Rheumatologe unter Verweis auf eigene Studiendaten.

Ein Therapieansatz bei Autoantikörper-vermittelter Fatigue wäre dann etwa eine Immunadsorption. Bei diesem Verfahren werden krankheitsfördernde Substanzen, vor allem Autoantikörper und Immunkomplexe, aus dem Blut des Patienten gezielt entfernt, Bei einzelnen Personen hat Schwarting bereits beobachtet, dass das funktioniert.

Mitochondrien im Fokus

Zunehmend gelangen auch Entzündungsreaktionen im Nervengewebe des Gehirns und Rückenmarks in den Fokus der Forschung. „Diese Prozesse könnten Signalwege beeinflussen, die für Wachheit, Energiehaushalt und Motivation wichtig sind“, erklärt der Wissenschaftler in der Ärzte Zeitung.

International untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daher nun verstärkt den Zellstoffwechsel. Die Vermutung: Fatigue könnte auf mitochondriale Funktionsstörungen zurückgehen, wodurch die Zellen zu wenig Energie zur Verfügung haben.

Experimentell konnte bereits Folgendes nachgewiesen werden: Bei Menschen mit chronischer Fatigue funktioniert das Enzym Pyruvatkinase M2 nicht richtig. Dieses ist jedoch wichtig für die Bereitstellung von Adenosin-Triphosphat (ATP). Die fehlerhafte Funktionsweise des Enzyms führt dazu, dass vermehrt Laktat in der Zelle produziert wird. Das wiederum schädigt die Zelle und begünstigt die entzündlichen Reaktionen im Nervengewebe.

Tipps für Betroffene

Tipps, wie „Schlafen Sie mal länger“, oder psychologische Erklärungsversuche seien wenig hilfreich, trotz bekannter Assoziation zwischen Depressionen und Fatigue, betonte der Experte.

Doch Bewegung scheint zu helfen. Es gibt dem Experten zufolge sehr gute Metaanalysen, die zeigen, dass jede Form von körperlicher Aktivität zu einer Verbesserung der Fatigue führt. Wichtig sei, das richtige Maß zu finden. „Ist es zu viel, bricht das System wieder zusammen“, warnte Schwarting.

Quelle: Ärzte Zeitung

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