Glukokortikoide morgens einnehmen
Was dahinter steckt, erläuterte Erstautor Professor Frank Buttgereit, Rheumatologie, Charité Universitätsmedizin Berlin, kürzlich beim Deutschen Rheumatologiekongress 2025 in Wiesbaden.
Warum morgens?
Die körpereigene Cortisol-Ausschüttung ist morgens zwischen sechs und neun Uhr am größten. Im Laufe des Tages fällt sie ab, mit noch einmal einem kleinen Anstieg am frühen Nachmittag.
Einen Extra-Schub bekommt der morgendliche Gipfel noch durch die „Cortisol-Awakening Response“ 30 bis 45 Minuten nach dem Aufstehen. Sie ist wichtig für die Energiebereitstellung. „Das bringt uns in die Gänge“, betonte Buttgereit. Der kleine Cortisol-Peak am frühen Nachmittag – manchmal gibt es noch einen Mini-Peak gegen 18 Uhr – wird durch die Mahlzeiten stimuliert.
Werden Glukokortikoide abends verabreicht, bringt das hingegen den natürlichen zirkadianen Rhythmus durcheinander und kann unter anderem den Schlaf-Wach-Rhythmus stören. Auf Dauer kann eine abendliche Gabe zudem das Risiko für eine Nebennierenrindeninsuffizienz, Gewichtszunahme, Störungen des Glukosestoffwechsels und kardiovaskuläre Nebenwirkungen erhöhen, erklärte der Experte.
Sonderfälle
Wann und wie vom Grundsatz der morgendlichen Einmalgabe abgewichen werden kann, steht unter anderem in der S2e-Leitlinie zur Behandlung der Polymyalgia rheumatica: Update 2024. Hier wird empfohlen: „In speziellen Situationen kann die Dosis in eine morgendliche und nachmittägliche/frühabendliche Gabe (50/50 oder 66/34) aufgeteilt werden, zum Beispiel wenn nächtliche Schmerzen während der Reduktion der Glukokortikoid-Dosis im Bereich unterhalb von 5 mg/d Prednison-Äquivalent auftreten.“
Quelle: Ärzte Zeitung