Herzwochen 2026: Vorhofflimmern am Ruhepuls erkennen

Die Herzwochen 2026 der Deutschen Herzstiftung widmen sich unter dem Motto „Herz aus dem Takt – Vorhofflimmern erkennen und handeln“ der Früherkennung. Der Ruhepuls ist ein wichtiger Indikator. Welche Werte gelten als normal und wann ist eine ärztliche Abklärung für Kundinnen und Kunden geboten?

von Kirsten Bechtold
02.11.2026

Mann misst Puls am linken Handgelenk
© Foto: Timo Blaschke / stock.adobe.com
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  • Der Ruhepuls ist ein wichtiger Indikator, um Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern frühzeitig zu erkennen.
  • Bei Erwachsenen sind 60 bis 80 Schlägen pro Minute normal; dauerhafte Werte über 100 oder unter 60 sind ärztlich abzuklären.
  • Neben der reinen Schlagzahl muss bei der Messung stets auch die Regelmäßigkeit des Herzrhythmus beurteilt werden.

Am Puls lassen sich Herzfrequenz, Rhythmus und die Stärke der Pulswelle präzise beurteilen. Alter, Trainingszustand, Medikation, Infektionen sowie die akute physische oder psychische Belastung können den Wert verändern. Wichtiger als ein einzelner Messwert ist daher, ob der Puls in Ruhe dauerhaft auffällig verändert ist, arrhythmisch schlägt oder Begleitsymptome auftreten. Darauf weist die Deutsche Herzstiftung anlässlich der Herzwochen 2026 hin, die vom 1. bis 30. November stattfinden. 

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Normale Werte

Als Faustregel gilt: Je jünger ein Mensch ist, desto schneller schlägt in der Regel sein Herz. Besonders bei Kindern hängen normale Pulswerte stark vom exakten Lebensalter, vom Wach- oder Schlafzustand sowie von Faktoren wie Fieber und Aufregung ab.

Bei Erwachsenen bestimmen neben der individuellen Disposition vor allem Ausdauertraining, Dehydratation, Anämie, Schilddrüsenerkrankungen, Infekte sowie Arzneimittel den Ruhepuls. Zudem liegt der Ruhepuls bei Frauen im Durchschnitt etwas höher als bei Männern. Bei älteren Erwachsen kann der Ruhepuls wieder leicht ansteigen auf etwa 70 bis 90 Schläge pro Minute.

Welche Pulswerte sind in welchem Alter normal?

Altersgruppe Ruhepuls (Schläge/Minute)
Neugeborene 100 – 180
Kleinkinder 60 – 140
ältere Kinder/Jugendliche 60 – 135
Jugendliche 60 – 120
Erwachsene 60 – 80
Quelle: Deutsche Herzstiftung

Ob Messwerte noch als normal einzustufen sind, richtet sich primär danach, ob die Pulsfrequenz dauerhaft erhöht oder erniedrigt ist, welche Begleitumstände vorliegen und ob Symptome bestehen.

  • Tachykardie: Bei Erwachsenen liegt ein beschleunigter Herzschlag vor, wenn die Ruhefrequenz 100 Schläge pro Minute überschreitet.
  • Bradykardie: Schlägt das Herz in Ruhe langsamer als 60-mal pro Minute, spricht man von einem verlangsamten Herzschlag.

Beim Pulsmessen zählt jedoch nicht nur die Frequenz, sondern ebenso die Regelmäßigkeit: Schlägt das Herz wiederholt unregelmäßig, kann eine Herzrhythmusstörung vorliegen.

Ursachen für Frequenzabweichungen

Ein dauerhaft hoher Ruhepuls weist nicht zwingend auf eine Herzkrankheit hin. Zu den häufigsten Auslösern gehören:

  • körperliche Anstrengung, Schmerzen, Stress oder akute Aufregung
  • Fieber, Flüssigkeitsmangel oder Blutverlust
  • Genussmittel und Stimulanzien wie Koffein, Nikotin oder Alkohol
  • Blutarmut (Anämie) oder eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • Arzneimittel, etwa bestimmte Asthmasprays (Beta-2-Sympathomimetika) oder abschwellende Rhinologika (Sympathomimetika)

Auch kardiale Ursachen kommen infrage. „Wichtig ist zu klären, ob der Puls dauerhaft zu hoch ist oder nur vorübergehend ansteigt. Ein häufiger Ruhepuls von über 100 sollte ärztlich abgeklärt werden“, rät Professor Thomas Meinertz, Herzspezialist der Deutschen Herzstiftung.

Umgekehrt ist auch eine Bradykardie nicht immer pathologisch: Bei gut trainierten Ausdauersportlerinnen und -sportlern ist der Ruhepuls physiologisch niedrig, da das Schlagvolumen des Herzens erhöht ist.

Allerdings können auch Herzerkrankungen oder bestimmte Arzneimittel wie Blutdrucksenker oder Opiate den Puls senken. Treten Begleitsymptome wie Schwindel, ausgeprägte Schwäche, Fatigue, Dyspnoe oder Synkopen auf, ist eine ärztliche Ursachenklärung zwingend erforderlich.

Tastet man wiederholt einen unregelmäßigen Puls, liegt womöglich ein Vorhofflimmern vor. Diese häufigste anhaltende Arrhythmie verläuft oft asymptomatisch und bleibt daher lange unentdeckt.

Wichtig für das Beratungsgespräch: Integrierte EKG- und Pulswarnungen von Smartwatches liefern keine gesicherte Diagnose, sollten jedoch stets ein Anlass sei, den Arzt aufzusuchen.

Anleitung für die Praxis: Puls richtig messen

Der Ruhepuls lässt sich verlässlich an der Speichenarterie (Arteria radialis) an der Innenseite des Unterarms daumenseitig tasten:

  1. Zur Ruhe kommen: Vor der Messung einige Minuten entspannt sitzen oder liegen. Eine direkte Messung nach Mahlzeiten, Sport, Nikotin- oder Kaffeegenuss verfälscht das Ergebnis.
  2. Puls ertasten: Zeige- und Mittelfinger an der Innenseite des Handgelenks unterhalb des Daumenballens anlegen und sanft andrücken, bis die Pulswelle gut spürbar ist.
  3. Schläge auszählen: Bei regelmäßigem Rhythmus 30 Sekunden zählen und das Ergebnis verdoppeln. Bei unregelmäßigem oder auffallend langsamem Puls stets die vollen 60 Sekunden auszählen.
  4. Dokumentation: Bei wiederholt auffälligen Werten sollten Frequenz, Uhrzeit, Belastungssituation und Begleitbeschwerden notiert werden, um die ärztliche Diagnostik zu unterstützen.

Die verlässlichsten Referenzwerte liefert die Pulsmessung morgens unmittelbar nach dem Erwachen.

Quelle: Deutsche Herzstiftung

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