Hoffnung auf neues Alzheimermedikament

(kib) Der Antikörper Lecanemab hat gute Chancen, als erste krankheitsmodifizierende Alzheimertherapie in der Europäischen Union zugelassen zu werden. Darauf lassen die Ergebnisse einer Phase-III-Studie hoffen.

13.10.2022

Nachdenkliche Seniorin auf einem Sofa
© Foto: PIKSEL / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)
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Hersteller des potenziellen Medikaments gegen die Alzheimerkrankheit sind Eisai und Biogen. Die von ihnen veröffentlichten Daten der Phase-III-Studie Clarity AD deuten auf einen moderaten, wenn auch klaren Erfolg bei allen relevanten Endpunkten hin.

Der Antikörper konnte nicht nur den kognitiven Abbau im Vergleich zu Placebo deutlich bremsen, sondern auch die Alltagsfunktionen der Erkrankten besser erhalten. Es handelt sich hier um die erste Phase-3-Studie, die einen klaren Vorteil für eine Therapie ergab, die sich gegen Beta-Amyloid richtet, berichtet die Ärzte Zeitung. Einer Zulassung in der Europäischen Union steht damit nichts mehr im Wege. Nach Angaben von Biogen und Eisai sollen demnächst Zulassungsanträge in den USA, der Europäischen Union und Japan gestellt werden.

Stabilisierung der Alltagsfunktionen

An Clarity AD nahmen weltweit 1795 Personen teil. Erforderlich waren eine leichte kognitive Einschränkung basierend auf einer Alzheimerpathologie oder eine leichte Alzheimerdemenz. Primärer Endpunkt war die kognitive Veränderung im Laufe von 18 Monaten, gemessen mit der Skala „Clinical Dementia Rating-Sum of Boxes“ (CDR-SB), die sechs unterschiedliche kognitive Funktionen prüft.

Der Wert sei nach eineinhalb Jahren in der Gruppe mit Lecanemab um 27 Prozent besser gewesen als in der Placebogruppe, mit einer statistisch hochsignifikanten Differenz, teilen die beiden Unternehmen mit.

Auch anhand weiterer Kognitionsskalen wie ADAS-Cog sowie einem Instrument zur Beurteilung der Alltagsfunktion ließen sich signifikante Vorteile der Antikörperbehandlung nachweisen.

Vorsitiger Optimismus 

„Die jetzt bekanntgewordenen Ergebnisse stimmen vorsichtig optimistisch. Zum ersten Mal konnte ein Wirkstoff, der in die Mechanismen der Alzheimer-Krankheit eingreift, die Kognition von Probandinnen und Probanden in einer Phase-3-Studie verbessern“, so Dr. Linda Thienpont, Leiterin Wissenschaft bei der Alzheimer Forschung Initiative. „Allerdings ist die erzielte Verbesserung der Kognition von 27 Prozent nach 18 Monaten im Vergleich zur Kontrollgruppe als eher moderat einzustufen“, erläuterte Thienpont in einer Mitteilung.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie ist der Ansicht, dass eine seriöse Einordnung der Ergebnisse noch nicht möglich sei. Denn bisher hätten die Firmen nur einen Teil der Daten veröffentlicht. Die vollständigen Daten sollen am 29. November 2022 auf dem CTAD-Kongress („Clinical Trials on Alzheimer’s Congress“) präsentiert werden.

Quelle: Ärzte Zeitung, IDW

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