Infektionen erschmecken
Influenzaviren sind schon ansteckend, bevor erste Symptome auftreten. Doch bisherige Diagnosemöglichkeiten sind oft teuer, in der Anwendung kompliziert und in vielen ärmeren Regionen der Welt nicht verfügbar.
Die technologische Grundlage für eine neuartige Selbstdiagnostik bei Influenza haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Würzburg kürzlich vorgestellt. Sie könnte laut einer Mitteilung jederzeit und überall genutzt werden, etwa in Form eines Kaugummis oder Lutschers, der im Speichel infizierter Personen auf Grippeviren reagiert und einen Geschmacksstoff freisetzt.
Im Mund nicht infizierter Personen würde dagegen nichts passieren, heißt es in der Meldung. So könnten Betroffene innerhalb weniger Minuten eine Infektion erkennen – ganz ohne Labor, Strom oder medizinisches Personal.
Sensormolekül Thymol
Das neue Diagnose-Werkzeug besteht aus dem Sensormolekül Thymol und einem virusspezifischen Zuckerbaustein. Kommt es mit aktiven Grippeviren in Kontakt, setzen diese Thymol frei, und im Mund entsteht ein klar erkennbarer Geschmack.
Das Prinzip ist flexibel: Sowohl der Geschmacksträger als auch der Erkennungsbaustein lassen sich anpassen. So kann das System etwa mit süßen, bitteren oder salzigen Geschmacksrichtungen ausgestattet werden – auch kindgerecht. Ebenso lässt es sich auf unterschiedliche Krankheitserreger übertragen, erklären die Forschenden.
So könne für andere Infektionen beispielsweise der virusspezifische Zuckerbaustein durch ein bakterienspezifisches Peptid ersetzt werden. Die zugrunde liegende Funktionsweise bleibe dabei erhalten.
Aus Sicht der Forschenden eröffnet die Methode neue Möglichkeiten für eine niederschwellige Diagnostik viraler und bakterieller Infektionen.
Nächster Schritt
In einem nächsten Schritt arbeitet das Forschungsteam daran, die Sensoren in Kaugummis oder Lutscher einzuarbeiten und das diagnostische System für eine massenhafte Produktion tauglich zu machen.
Dabei kooperiert es mit dem 2024 aus der Uni Würzburg heraus entstandenen Start-up FlareOn Biotech GmbH. Der Entwicklungsprozess wird voraussichtlich rund vier Jahre dauern.
Quelle: IDW