Influenza: Impfstoffmangel oder Verteilungsproblem?

(ue/kib) Aktuelle Pressemitteilungen haben in den letzten Tagen für Verwirrung gesorgt: Impfstoffhersteller hatten mitgeteilt, dass ihre Bestände „abverkauft“ sind. Gibt es also einen Mangel an Grippe-Impfstoff – oder nur ein Verteilungsproblem? Was sagen Experten des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) und Apotheker dazu?

21.11.2018

Nahaufnahme einer Injektion
© Foto: tibanna79 / stock.adobe.com
Anzeige

Susanne Stöcker, Sprecherin des PEI, stellt klar: „Abverkauft ist nicht gleichbedeutend mit ausverkauft“. Abverkauft heißt zwar, die Lager sind leer. Das bedeute aber nicht, dass damit schon alles verimpft sei: „Teilweise ist der Impfstoff noch in der Handelskette unterwegs – also zwischen Großhandel, Apotheken und Ärzten, das ist etwas anderes als ausverkauft“, betont Stöcker.

Aktueller Podcast

Das PEI hat bislang 15,7 Millionen Dosen für 4 tetravalente und einen trivalenten Impfstoff gegen Influenza freigegeben. Nachproduzieren können die vier zuständigen Pharmafirmen nicht mehr, denn die Herstellung dauere ein halbes Jahr, sagt Stöcker. Die Stamm-Zusammensetzung der Influenza-Impfstoffe muss bekanntlich jedes Jahr an die aktuelle epidemiologische Situation angepasst werden.

Stöcker sieht dennoch keinen Grund für einen generellen Engpass, es sei ausreichend produziert worden, stellt sie fest. Ein Problem ist eher die Verteilung: „Es gibt regionale Engpässe und wir versuchen herauszufinden, wo sie sind“, so Stöcker.

Herausfinden will das PEI das über ein Meldesystem: Seit dem 10. Oktober 2018 hat das PEI ein Online-Formular zur Meldung vermuteter Engpässe von Impfstoffen bereitgestellt. Es umfasst Angaben zum Standort der Arztpraxis, zum Impfstoff, zur Anzahl der kontaktierten Apotheken und zum Bezugsweg. Angehörige der Heilberufe sowie Patienten werden gebeten, dem PEI über dieses Formular mitzuteilen, wenn ein Grippeimpfstoff nicht verfügbar ist.

Zwar sind Meldungen über Engpässe bei Grippe-Impfstoffen nichts Ungewöhnliches, die gab es in den vergangenen Jahren immer mal wieder, aber dieses Jahr kamen sie „außergewöhnlich früh auf – schon im Oktober“, stellt Frank Eickmann, Sprecher des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg, klar. „Es gibt kaum noch Impfstoff und wenn ich jetzt als Apotheker noch welchen bestellen möchte, muss ich schon Glück haben“, berichtet Eickmann.“ Er nennt die Situation „unglücklich“.

Quelle: Medscape

Kommentar schreiben

Die Meinung und Diskussion unserer Nutzer ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie im Sinne einer angenehmen Kommunikation auf unsere Netiquette. Vielen Dank!

Pflichtfeld *

1 Kommentar

21.11.2018 - 18:31 Uhr
Kommentar von R. Hauffe

Alles gut und schön. Jedoch können es die Apothekenangestellten kollektiv nicht mehr ausstehen dieses Theater jedes Jahr!!! Generell wird nie pünktlich ausgeliefert und Nachlieferungen nur kleckerweise. Bestellen die Ärzte nicht richtig vor? Woran liegt es?