Inhalationstherapie: Acht häufige Fehler vermeiden
Wichtig sei es, das passende Gerät für die individuelle Situation auszuwählen und Patientinnen sowie Patienten kontinuierlich zu schulen, erklärte der Facharzt aus Duisburg auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin im April in Wiesbaden. Allein durch ein gutes, regelmäßiges Inhalationstraining ließen sich anwendungsassoziierte Fehler um mehr als 70 Prozent verringern.
Typische Anwendungsfehler im Überblick
1. Fehlende Ausatmung vor der Inhalation
Wenn ein Wirkstoff in die Bronchien gelangen soll, muss die Lunge zunächst geleert werden. Vielen Betroffenen ist nicht bewusst, dass sie vor der Anwendung tief ausatmen müssen – und zwar nicht in das Gerät hinein. Besonders bei einem Pulverinhalator würde die Feuchtigkeit der Atemluft andernfalls dazu führen, dass das feine Pulver verklebt und nicht mehr freigesetzt werden kann.
2. Schlechte Koordination von Hand und Atmung
Bei einem klassischen Dosieraerosol muss der Sprühstoß (Hub) exakt zu Beginn der Einatmung ausgelöst werden. Diese Hand-Atem-Koordination fällt vielen schwer. Die Lösung: Die Nutzung einer vorgeschalteten Inhalierhilfe (Spacer) oder der Wechsel auf ein atemzuggetriggertes Dosieraerosol.
Schulungsvideos
Die "Einweisung in die korrekte Arzneimittelanwendung mit Üben der Inhalationstechnik" ist eine pharmazeutische Dienstleistung. Um das Apothekenteam zu unterstützen, gibt es von der Abda Kurzvideos und didaktische Hilfen.
Die Videos der Atemwegsliga ermöglichen Patientinnen und Patienten kurze Refresher zu Hause und sind zudem in verschiedenen Sprachen verfügbar.
3. Der Atemfluss stimmt nicht
Die richtige Atemtechnik hängt vom jeweiligen Gerätetyp ab:
- Dosieraerosole: Hier muss langsam und tief (also nahezu unhörbar) eingeatmet werden, während man den Sprühstoß auslöst. Viele atmen hierbei zu schnell ein.
- Pulverinhalatoren: Hier ist das Gegenteil der Fall. Es muss schnell und kräftig (hörbar) eingeatmet werden, um das Pulver optimal zu verteilen.
4. Der Atem wird nicht angehalten
Damit sich die feinen Wirkstoffpartikel in der Lunge absenken können und nicht sofort wieder ausgeatmet werden, benötigen sie etwas Zeit. Unabhängig vom Gerät gilt: Nach dem Einatmen sollte der Atem für mindestens fünf, besser zehn Sekunden angehalten werden. Das erfordert etwas Übung.
5. Falsche Dosierung („2 Hübe“)
Ist eine Dosis von mehr als einem Hub (z. B. „2 Hübe“) ärztlich verordnet, handelt es sich um zwei getrennte Inhalations-Zyklen. Häufig wird der Inhalator zweimal kurz hintereinander gedrückt und dann erst eingeatmet. So erreicht jedoch meist nur die Hälfte der Dosis die Lunge.
6. Inhalationskapseln werden geschluckt
Bei bestimmten Pulverinhalatoren, die vor jeder Nutzung mit einer Kapsel bestückt werden, kommt es teils zu Verwechslungen: Manche Patientinnen und Patienten schlucken die Kapsel oral, statt sie zu inhalieren. Andere legen sie falsch in das Mundstück und verschlucken sie beim Einatmen. Zudem erfordert das korrekte Anstechen der Kapsel im Gerät ausreichende Handkraft und motorisches Geschick.
7. Der Mund wird nicht gespült
Besonders bei inhalativen Kortikosteroiden (Cortison-Sprays) ist die Mundhygiene nach der Anwendung essenziell. Wer den Mund danach nicht ausspült, etwas isst oder sich die Zähne putzt, riskiert Pilzinfektionen der Mundschleimhaut (Candidose/Soor) sowie Heiserkeit.
8. Risiko durch Device-Wechsel (Rabattverträge)
Ein strukturelles Problem in der Praxis sind Rabattverträge der Krankenkassen. Bekommen Patientinnen und Patienten plötzlich ein völlig unbekanntes Inhalationsgerät ohne vorherige Schulung ausgehändigt, ist der Therapieerfolg gefährdet.
Dr. Sohrab empfiehlt Ärzten daher, bei Inhalativa das Aut-idem-Kreuz zu setzen. Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie fordern zudem, Inhalativa auf die Substitutionsausschlussliste zu setzen. Apotheken sollten im Zweifel „pharmazeutische Bedenken“ geltend machen, um einen ungeschulten Gerätewechsel zu verhindern.
Quelle: Ärzte Zeitung