Insulintherapie der Zukunft

(kib) Seit über 100 Jahren hat Insulin einen festen Platz in der Diabetestherapie. Nun könnte ein „smartes“ Insulin, das erst aktiv wird, wenn es benötigt wird, die Insulintherapie revolutionieren. Erste Studienergebnisse zu diesem und zu weiteren Innovationen stellten Experten kürzlich auf dem Jahreskongress der Europäischen Diabetes Gesellschaft in Wien vor.

17.10.2025

Konzeptionelle Darstellung der Insulinresistenz bei Diabetes, die Glukosemoleküle und isolierte Betazellen der Bauchspeicheldrüse vor einem weißen Hintergrund zeigt, ausgeschnitten auf isoliertem transparentem Hintergrund.
© Foto: InamUllah / stock.adobe.com (generiert mit KI)
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Ein Ziel von Forscherinnen und Forschern ist es, Insuline zu entwickeln, mit denen die Zahl der Injektionen möglichst niedrig gehalten werden kann. Einige solcher zurzeit erforschten Insulinoptionen stellten die Fachleute auf dem diesjährigen Jahreskongress der Europäischen Diabetes-Gesellschaft (EASD) Mitte September in Wien vor.

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Innovative, ultralangwirksame Basalinsuline

Die beiden ultralangwirksamen Basisinsuline Degludec und Glargin U300 werden heute häufig in der Therapie von Diabetes mellitus eingesetzt. Für sie belegen zahlreiche Studien, dass sie bei sicherer und mindestens ebenso effektiv wie Insuline vom NPH-Typ sind. Sie müssen allerdings einmal täglich injiziert werden.

Mit Icodec und Efsitora könnte es bald eine nächste Generation ultralangwirksamer Basalinsuline geben. Sie müssen lediglich einmal pro Woche appliziert werden. Beide überzeugten den Experten zufolge in Studien mit einer deutlichen Absenkung des HbA1c-Werts auf unter sieben Prozent bei der Hälfte der Teilnehmenden, ohne die Rate klinisch signifikanter oder schwerer Hypoglykämien zu erhöhen.

Eine Fixkombination mit Semaglutid reduzierte zusätzlich das Körpergewicht. Ein entsprechende Zulassungsempfehlung hat die Kombination aus Insulin icodec und Semaglutid (Kyinsu) im September erhalten. Stimmt die EU-Kommission zu, kann das Arzneimittel in der Europäischen Union auf den Markt gebracht werden. Hersteller ist Novo Nordisk.  

Schlucken statt spritzen

Insulin oral zu verabreichen, funktioniert derzeit nicht. Unter anderem übersteht es die Magen-Darm-Passage nicht unbeschadet. Eine australische Forschergruppe will das nicht hinnehmen: Sie entwickelte eine orale Insulin-Nanoformulierung, die in sauren Umgebungen unlöslich ist und im menschlichen Dünndarm gut aufgenommen wird.

Die Formulierung reagiert empfindlich auf Glucosidase-Enzyme, um die Insulinfreisetzung auszulösen. Erste Versuche in diabetischen Mäusen und Ratten sowie nicht diabetischen Pavianen verliefen erfolgreich, heißt es von Seiten der Forschenden. Eine erste Phase-I-Studie an Menschen sei für 2026 geplant.

Smartes Insulin

An einem Insulin, das erst aktiv wird, wenn es benötigt wird, arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der University of Notre Dame, Indiana. Damit das funktioniert, haben sie einen Nanokomplex geschaffen. Dieser kann hochaffin Glukose binden, sodass sich nach Applikation ein Depot bildet, das Insulin glukosegesteuert freisetzt.

Bei diabetischen Schweinen, die täglich oralen Glukoseprovokationen ausgesetzt sind, sei es auf diese Weise mit einer einzigen Injektion möglich gewesen, den Blutzucker für mindestens eine Woche lang zu kontrollieren.

Messungen der Seruminsulinkonzentration als Reaktion auf die Provokation zeigten einen Anstieg des Insulins, der erhöhten Blutzuckerwerten entspricht. Ein vielversprechender Befund, der nun weiter untersucht wird.

Quelle: Ärzte Zeitung

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