Intervallfasten: Wie stark purzeln die Pfunde?
Die Cochrane-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden 21 randomisiert-kontrollierte Studien mit insgesamt 1.430 Teilnehmenden, die sie mit Blick auf die Fragestellung "Verlieren Intervallfastende mehr Gewicht als Menschen mit einer anderen Diät oder ohne Diät?" für ihre Metaanalyse auswerten konnten.
Sie kommen zu dem Schluss, dass Abnehmwillige durch Intervallfasten möglicherweise nicht mehr Gewicht verlieren als durch andere Diäten – aber wahrscheinlich etwas mehr als ohne gezielte Ernährungsintervention.
Warum nur möglicherweise?
Die Formulierung „möglicherweise“ ist aus wissenschaftlicher Sicht deshalb wichtig, weil dieses Review-Ergebnis mit einer relativ großen Unsicherheit behaftet ist. Die Review-Autorinnen und -Autoren bewerten seine Vertrauenswürdigkeit als „niedrig“ – das ist die zweitunterste von vier möglichen Stufen im GRADE-System, mit dem sich die Zuverlässigkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse bewerten lässt.
Viele der ausgewerteten Untersuchungen waren nämlich klein und hatten methodische Mängel. Sprich: Neue Studienergebnisse könnten durchaus dazu führen, dass sich die Evidenz zu Intervallfasten noch ändert.
Die Forschenden fassten für das jetzt veröffentlichte Review Studien mit verschiedenen Formen von Intervallfasten zusammen:
- Zeitlich begrenztes Essen: Die tägliche Nahrungsaufnahme ist auf ein festes Zeitfenster beschränkt, meist auf höchstens acht bis zehn Stunden pro Tag. Die restliche Zeit wird gefastet, oft über Nacht für mindestens 14 Stunden.
- Periodisches Fasten: An ein bis zwei Tagen pro Woche wird gefastet oder kaum gegessen. An den übrigen fünf bis sechs Tagen wird normal gegessen.
- Alternierendes Fasten: Fastentage und Tage mit normaler Nahrungsaufnahme wechseln sich ab. An Fastentagen wird entweder gar nichts oder nur sehr wenig gegessen.
- Modifiziertes alternierendes Fasten (z. B. 5:2-Diät): An zwei Tagen pro Woche wird die Kalorienzufuhr stark reduziert, an den übrigen fünf Tagen wird normal gegessen. An den Fastentagen wird nicht vollständig auf Nahrung verzichtet
Luis Garegnani, einer der Review-Autoren und Direktor des Cochrane-Zentrums am „Universidad Hospital Italiano de Buenos Aires“ erklärt dazu in einer Mitteilung: „Für manche Menschen kann Intervallfasten vielleicht eine sinnvolle Option sein. Aber die aktuelle Evidenz rechtfertigt die Begeisterung nicht, die in den Sozialen Medien zu beobachten ist.”
Besser als gar keine Intervention
Die Review-Autorinnen und -Autoren haben das Intervallfasten nicht nur mit anderen Diätformen verglichen, sondern auch mit unverändertem Essverhalten (keine Diät). Dafür wurden sechs Studien mit 427 übergewichtigen oder adipösen Teilnehmenden ausgewertet. Hier zeigt sich ein kleiner Effekt: Bei Intervallfastenden sinkt das Körpergewicht wahrscheinlich durchschnittlich um 3,4 Prozent mehr als bei Menschen ohne eine gezielte Ernährungsintervention, berichten die Autorinnen und Autoren.
Ein intervallfastender Mensch mit 100 Kilogramm Körpergewicht würde demnach im Mittel wahrscheinlich etwa 3,4 Kilo mehr abnehmen als jemand, der nicht aktiv intervallfastet.
Eingeschränkte Aussagekraft
Bei dem aktuellen Review sei einschränkend zu beachten, erläutert Prof. Dr. Jörg Meerpohl, wissenschaftlicher Vorstand von Cochrane Deutschland in Freiburg, dass fast alle ausgewerteten Studien nur über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten durchgeführt wurden. „Man kann auf Basis der vorliegenden Evidenz keine verlässliche Aussage treffen, ob es übergewichtigen und adipösen Menschen mit Intervallfasten langfristig gelingt, ihr Gewicht so deutlich zu reduzieren, dass sie dadurch gesünder werden“, so Meerpohl.
„Zudem fehlen Daten dazu, wie zufrieden die Menschen mit dem Intervallfasten sind, ob sie es mittel- und langfristig im Alltag gut durchhalten können und ob es unerwünschte Wirkungen hat. Unklar bleibt außerdem, wie sich Intervallfasten auf Begleiterkrankungen von Übergewicht auswirkt und ob es beispielsweise hilft, einen Typ 2-Diabetes zu verhindern. Auch dazu fehlen bislang die Daten.“
Quelle: IDW