Kluge Menschen wissen mehr über Wein
- Höhere allgemeine kognitive Fähigkeiten gingen in der Studie mit mehr freiwillig erworbenem Fachwissen zum Thema Wein einher.
- Berufliche Erfahrung verstärkte den Zusammenhang: Strukturierte Praxis und kognitive Fähigkeiten ergänzten sich besonders deutlich.
- Klare Lernstrukturen, Wiederholung, Feedback und Anwendung fördern nachhaltiges Fachwissen.
Intelligenztests können recht zuverlässig vorhersagen, wie erfolgreich Menschen in Schule und Beruf abschneiden. Beide Bereiche sind allerdings von Lernpflichten, finanziellen Anreizen und der sozialen Herkunft geprägt. Daher bleibt die Frage offen, ob Intelligenz das Lernen selbst erleichtert oder vor allem den Zugang zu lernförderlichen Umgebungen abbildet.
Um diesen Zusammenhang genauer zu untersuchen, wählten Intelligenzforscher Maximilian Krolo von der Universität des Saarlandes und Professor Timothy C. Bates von der University of Edinburgh ein Wissensgebiet, das die meisten Menschen freiwillig erschließen: Weinwissen. Wein steht auf keinem klassischen Lehrplan und bringt außerhalb einiger Berufe meist keinen unmittelbaren Karriere- oder Gehaltsvorteil. Zugleich verlangt fundiertes Wissen über Rebsorten, Anbaugebiete, Herstellungsverfahren und Weinstile ein systematisches Lernen.
Intelligenztest und Weinwissen im Vergleich
An der Studie nahmen 525 Personen teil. Zunächst bearbeiteten sie den etablierten ICAR-Test (International Cognitive Ability Resource). Er erfasst unter anderem verbales und figurales Schlussfolgern sowie Zahlen- und Buchstabenreihen.
In einer zweiten Sitzung beantworteten die Teilnehmenden 68 Multiple-Choice-Fragen zum Weinwissen. Die Fragen orientierten sich an öffentlich verfügbaren Lernmaterialien zum WSET Level 2 Award in Wines des Wine & Spirit Education Trust. Zusätzlich erfasste das Forschungsteam, ob die Teilnehmenden beruflich mit Wein zu tun hatten und welche Getränke sie bevorzugten. Diese Faktoren wurden in der Auswertung berücksichtigt.
Höhere kognitive Fähigkeiten, mehr Fachwissen
Das Ergebnis: Höhere Werte bei der allgemeinen kognitiven Fähigkeit gingen mit besseren Ergebnissen im Weinwissenstest einher. Die Intelligenzwerte erklärten rund 9,4 Prozent der Unterschiede im Weinwissen. Berufliche Erfahrungen mit Wein verstärkten diesen Zusammenhang zusätzlich: Kognitive Fähigkeiten und strukturierte Praxiserfahrung wirkten hier besonders gut zusammen.
Die Ergebnisse legen nahe, dass allgemeine kognitive Fähigkeiten auch bei freiwillig erworbenem Spezialwissen eine Rolle spielen. Sie belegen jedoch nicht, dass Intelligenz allein die Ursache für erfolgreicheres Lernen ist. Motivation, Vorerfahrung, Interesse und Lerngelegenheiten bleiben ebenfalls wichtige Faktoren.
Quelle: IDW