Kurzzeitfasten kann Chemo verträglicher machen

(kib) Möglicherweise gelingt es bei Frauen mit Brust- oder Ovarialkrebs, die Chemotherapie effektiver und verträglicher zu machen, indem sie während der Krebsbehandlung kurzzeitig fasten. Neue Hinweise dafür liefert eine Pilotstudie aus Berlin.

08.06.2018

An Krebs erkrankte Frau, die eine Chemotherapie bekommt.
© Foto: KatarzynaBialasiewicz / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)
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Aus Zell- und Tierversuchen haben Wissenschaftler Belege dafür gefunden, dass Fasten normale Zellen, aber nicht Krebszellen vor der Toxizität chemotherapeutisch wirksamer Substanzen schützt. Erste kleinere Studien erbrachten Hinweise, dass sich tatsächlich damit Nebenwirkungen verringern lassen.

Berliner unter anderem von der Charité – Universitätsmedizin und der Tagesklinik des Immanuel-Krankenhauses in Berlin prüften nun in einer Pilotstudie im Cross-over-Design, welchen Effekt Kurzzeitfasten bei Patientinnen mit einem Brust- oder Eierstockkrebs während der Chemotherapie auf die Lebensqualität hat.

Für die Studie ausgewählt wurden 50 Frauen, die mindestens 18 Jahre alt waren und einen BMI nicht unter 19 kg/m2 hatten. Die Lebenserwartung betrug mehr als drei Monate. Unter anderem Frauen mit Typ-1-Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenversagen waren zuvor ausgeschlossen worden. Für die Endauswertung standen schließlich die Befunde von 29 Frauen mit primärem und einer Frau mit fortgeschrittenem Brustkrebs sowie vier Frauen mit einem Ovarialkarzinom zur Verfügung.

Wegen der Krebserkrankung wurden die Patientinnen unter anderem mit Taxanen, Platinverbindungen, Methotrexat, Fluorouracil und Antikörpern behandelt. Das Kurzzeitfasten erfolgte nach dem Vorgehen, wie es in der Klinik seit Jahren praktiziert wird und bei Patienten mit Rheuma oder chronischen Schmerzen evaluiert worden ist.

Begonnen wurde das Fasten 36 Stunden vor Beginn der Chemotherapie. Es endete 24 Stunden nach Ende der Chemotherapie, bestehend aus sechs Behandlungszyklen. Die Fastendauer lag somit bei 60 Stunden.

Mithilfe von Fragebögen wurde die Lebensqualität der Patientinnen pro Chemotherapiezyklus an jeweils drei Zeitpunkten erfasst, und zwar auf Basis des FACIT-Instruments (Functional Assessment of Chronic Illness Therapy).

Während des Fastens war es den Frauen erlaubt, Wasser, Kräutertee ad libitum sowie zwei mal 100 Milliliter Gemüsesaft und -brühe mit einer täglichen Zufuhr von maximalen 350 Kilokalorien zu sich nehmen. 18 Frauen fasteten in der ersten Hälfte der sechs Therapiezyklen, die übrigen 16 Frauen wurden angewiesen, in dieser Phase eine normokalorische mediterrane Kost zu verzehren. Anschließend wechselten die Studienteilnehmerinnen in die jeweils andere Gruppe.

Wie die Ärzte berichten, vertrugen die Frauen das Kurzzeitfasten gut. Einen Einfluss auf den BMI habe es nicht gehabt. Die Lebensqualität sei weniger stark beeinträchtigt worden als in der Vergleichsgruppe ohne Fasten. Zudem sei eine Fatigue (Erschöpfungs-Syndrom) während der ersten Woche nach der Chemotherapie in der Gruppe mit Fasten vermindert worden, in der Vergleichsgruppe dagegen nicht.

Die Forscher weisen darauf hin, dass sich die Ergebnisse nur auf ähnliche Patienten wie in der Studie übertragen lassen, nicht dagegen etwa auf Patienten mit einem BMI unter 19 kg/m2 oder solche, die kürzlich abgenommen haben. Da es nur eine kleine Studie gewesen sei, seien nun größere randomisierte erforderlich, um die Ergebnisse zu bestätigten.

Quelle: Ärzte Zeitung

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