Longevity: Gibt es eine „beste“ Diät?
- Eine gesunde Ernährung verlangsamt das biologische Altern messbar durch positive Veränderungen der DNA-Methylierung.
- Es gibt nicht die eine „perfekte“ Diät; verschiedene Ansätze wie DASH oder MIND bieten flexiblen Spielraum für die Ernährungsberatung.
- Überraschenderweise profitieren rauchende Personen biologisch am stärksten von einer verbesserten Ernährungsqualität.
Für die repräsentative Untersuchung werteten Forschende des DZNE und der EPIC-Potsdam-Studie die Daten von rund 7.500 Erwachsenen aus. Analysiert wurden zehn wissenschaftlich anerkannte Ernährungsformen – darunter die blutdrucksenkende DASH-Diät, die mediterrane und nordische Kost sowie die hirngesunde MIND-Diät, die speziell zur Unterstützung der kognitiven Leistungsfähigkeit entwickelt wurde.
Alle untersuchten Ernährungsstile korrelierten mit einem verlangsamten biologischen Altern. Als präziser Indikator dienten chemische Modifikationen an der Erbsubstanz (DNA-Methylierung), welche über drei moderne „epigenetische Uhren“ an rund 850.000 Stellen im Genom erfasst wurden.
Auch wenn die Probandinnen und Probanden die strengen Vorgaben der Diäten im Alltag nicht perfekt erfüllten, waren die positiven Effekte im Blut messbar. Professorin Monique Breteler, Direktorin für Populationsbezogene Gesundheitsforschung am DZNE, betont die Relevanz für die Prävention: Durch die Verzögerung zellulärer Alterungsprozesse sinke das Risiko für altersbedingte Erkrankungen wie Demenz oder Herz-Kreislauf-Störungen.
Für die Beratung in der Apotheke ist lautet die Botschaft: Es gibt nicht den einen, starren Weg. Gesunde Ernährung lässt sich flexibel an persönliche Vorlieben, kulturelle Gewohnheiten und das Budget der Kunden anpassen.
Studiendetails
Für die Analyse werteten die Forschenden Blutproben und Ernährungsgewohnheiten von rund 7.500 Frauen und Männern aus: Dies betraf zunächst 6.470 Teilnehmende an der Bonner Rheinland Studie des DZNE. Zentrale Ergebnisse dieser Untersuchung konnten dann anhand von rund 1.000 Probanden der „EPIC-Potsdam-Studie“ des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) bestätigt werden.
Neben dem DZNE und dem DIfE war das Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften der Universität Bonn an der Studie beteiligt.
Ernährung als zellulärer Schutzschirm
Ein weiteres Studienergebnis ist für die Beratungspraxis besonders spannend: Der Zusammenhang zwischen einer hohen Ernährungsqualität und verlangsamtem biologischem Altern war bei rauchenden Personen am stärksten ausgeprägt – obwohl sich diese im Schnitt keineswegs gesünder ernährten als Nichtraucherinnen und Nichtraucher.
Die biologische Ursache wird noch erforscht. Erstautorin Juliana Tavares (Doktorandin am DZNE) liefert jedoch einen plausiblen Erklärungsansatz: Da Tabakkonsum den Körper unter massiven oxidativen Stress setzt und Zellen schädigt, ist der präventive Nutzen einer nährstoffreichen, antioxidativen Ernährung bei Rauchern vermutlich besonders groß.
Für PTA bietet dies ein starkes, motivierendes Argument im Handverkauf: Selbst wenn der Rauchstopp (noch) nicht gelingt, kann eine bewusste Ernährungsumstellung bereits einen messbaren Schutzbeitrag für die Zellen leisten.
Quelle: Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen