Medikamenteneinnahme: Was Senioren Probleme bereitet

Die tägliche Medikamenteneinnahme ist für viele ältere Menschen eine Herausforderung. Eine aktuelle Studie beleuchtet, wie oft Medikationsfehler aus verschiedenen Gründen auftreten und so die Arzneimitteltherapiesicherheit gefährden.

von Kirsten Bechtold
07.07.2026

Hand einer älteren Person hält verschiedene Tabletten und Kapseln.
© Foto: perfectlab / stock.adobe.com
Anzeige
  • Medikationsfehler bedingt durch altersbedingte Einschränkungen können die Arzneimitteltherapiesicherheit bei Senioren gefährden.
  • Senioren haben unter anderem Probleme beim Öffnen von Verpackungen oder der Anwendung von Augentropfen.
  • Altersbedingte Einschränkungen erfordern ein verbessertes Medikamentenmanagement und gezielte Unterstützung in der Geriatrischen Versorgung.

Forschende der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und des Universitätsklinikums Essen befragten 102 Personen ab 70 Jahren, die regelmäßig mindestens fünf verschiedene Medikamente einnehmen – ein Zustand, der oft als Polypharmazie beschrieben wird.

Aktueller Podcast

Die Ergebnisse zeigen, dass 20 Prozent der Befragten bereits Medikamente ausgegangen waren und fünf Prozent gaben an, Medikamente schon mal verwechselt zu haben.

Besonders häufig traten Probleme bei der Anwendung von Augentropfen auf: Rund 40 Prozent der Befragten nannten diese Darreichungsform als schwierig. Zudem hatten knapp 20 Prozent der Senioren Schwierigkeiten beim Öffnen von Medikamentenverpackungen.

Interessanterweise bewerteten die meisten Befragten den Nutzen ihrer Medikamente positiv und kannten deren Zweck. „Die beobachteten Schwierigkeiten scheinen daher weniger auf mangelnde Motivation als auf praktische Hürden im Alltag zurückzuführen zu sein“, erklärt Dr. Janine Gronewold, Diplom-Psychologin an der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Essen.

Lesen Sie auch: Medikamente im Alter: So wenig wie möglich

Berichtet ein älterer Kunde von bisher nicht aufgetretenen Symptomen, sollten Sie hellhörig werden. Möglicherweise lassen sich die Beschwerden auf die Einnahme eines bisher gut vertragenen Medikaments zurückführen. Im Alter gilt: Medikamente im Alter: So wenig wie möglich.

Arzneimitteltherapiesicherheit im Fokus

Die Studienergebnisse verdeutlichen, dass Arzneimitteltherapiesicherheit nicht ausschließlich von der korrekten Verordnung der Medikamente abhängt. Vielmehr spielen die Fähigkeit zur korrekten Handhabung und die dauerhafte, regelmäßige Medikamenteneinnahme eine zentrale Rolle, resümieren die Forschenden.

Altersbedingte Veränderungen wie nachlassende Sehfähigkeit, eingeschränkte Feinmotorik oder Gedächtnisstörungen können die Medikamentenanwendung erheblich erschweren. Daher wird die Medikamentenmanagement-Kompetenz zunehmend als entscheidender Bestandteil der geriatrischen Versorgung angesehen.

Künftige Studien sollen nun erforschen, welche Unterstützungsmaßnahmen, insbesondere in der hausärztlichen Praxis, dazu beitragen können, Medikationsfehler zu vermeiden und die Arzneimitteltherapiesicherheit im Alter nachhaltig zu verbessern.

Polypharmazie: So viele Tabletten!

Quelle: IDW

Kommentar schreiben

Die Meinung und Diskussion unserer Nutzer ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie im Sinne einer angenehmen Kommunikation auf unsere Netiquette. Vielen Dank!

Pflichtfeld *