Mit Fingerpolyarthrose bei der Ergotherapie gut aufgehoben

Patientinnen und Patienten mit einer Fingerpolyarthrose sind bei der Ergotherapie nicht schlechter aufgehoben als in der Rheumatologie. Zumindest in Norwegen scheint das so zu sein, wie aus einer beim europäischen Rheumatologie-Kongress vorgestellten Studie hervorgeht.

von Dr. Bianca Bach
13.06.2023

Blaue Knete in der Hand
© Foto: shootingankauf / stock.adobe.com
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Obwohl es sich gar nicht um eine entzündlich-rheumatische Erkrankung handelt, werden Menschen mit Fingerpolyarthrose immer wieder in Praxen mit rheumatologischem Schwerpunkt geschickt. Dabei könnten sich Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten, sobald die Diagnose steht, genauso gut um Erkrankte mit degenerativ veränderten Fingergelenken kümmern.

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Wie eine beim Kongress der European Alliance of Associations for Rheumatology (EULAR) vorgestellte Studie aus Norwegen belegt, ist eine sechsmonatige Ergotherapie weder in ihrer Wirksamkeit noch hinsichtlich Sicherheit und Kosten einer Behandlung durch Rheumatologinnen und Rheumatologen unterlegen.

„Arthrosen sind eine der Hauptursachen für Lebenszeit, die mit Behinderungen verbracht wird.“ Daran erinnert Prof. Anne Therese Tveter, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Oslo, beim Kongress in Mailand, auf dem sie die Studie vorstellte. Nicht immer bekommen Arthrosepatientinnen und -patienten Zugang zur geeigneten Therapie.

Gerade Menschen mit Fingerpolyarthrose profitieren jedoch von einer ergotherapeutischen Betreuung. In einer randomisiert-kontrollierten Studie hat das Team um Tveter 397 Probandinnen und Probanden mit symptomatischer Fingerpolyarthrose und ohne Hinweise auf eine mögliche entzündlich-rheumatische Erkrankung entweder einer Gruppe mit ergotherapeutischer oder rheumatologischer Behandlung zugeteilt. 80,8 Prozent der Behandelten waren Frauen, das Durchschnittsalter lag bei 63,6 Jahren. Relevante Unterschiede zwischen den Gruppen zu Beginn der Studie gab es nicht.

Vergleichbare Ergebnisse

Primärer Endpunkt war ein Therapieansprechen nach den Kriterien der OMERACT/OARSI-Gruppe (Outcome Measures in Rheumatoid Arthritis Clinical Trials/Osteoarthritis Research Society International), in denen eine Abnahme von Schmerzen, die Verbesserung der Funktion und die allgemeine Einschätzung aus Patientensicht eingehen. Nach sechs Monaten zeigten 25,8 Prozent der rheumatologisch betreuten Patientinnen und Patienten ein OMERACT/OARSI-Ansprechen. Mit 25,4 Prozent waren es in der Ergotherapie-Gruppe praktisch genauso viele.

Welcher Behandlung die Betroffenen zugeteilt wurden, hatte somit keinen Einfluss auf das Therapieansprechen. Während die Wirksamkeit nach sechs Monaten erfasst wurde, wurde die Sicherheit über insgesamt zwölf Monate anhand der Krankenakten analysiert, und zwar danach, ob sich neue muskuloskelettale Diagnosen oder Nebenwirkungen ergaben.

Relevante Sicherheitssignale gab es in keiner der beiden Gruppen, und auch beim Einfluss auf die Lebensqualität sowie bei den Gesamtkosten ergaben sich keine signifikanten Unterschiede. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis war bei Ergotherapie tendenziell etwas günstiger.

Mehr Kapazitäten für rheumatologische Praxen

Insgesamt war die Ergotherapie bei Menschen mit Fingerpolyarthrose der Betreuung durch Rheumatologinnen und Rheumatolgen nicht unterlegen.

Die Aufgaben hier entsprechend zu verlagern, könnte nach Einschätzung Tveters Kapazitäten in rheumatologischen Schwerpunktpraxen schaffen, die diese dringend für Patientinnen und Patienten mit tatsächlichen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen benötigen. Ein erster Blick auf die Patientenzufriedenheit lege zudem nahe, dass diese die Ergotherapie zu bevorzugen scheinen.

Quelle: Ärzte Zeitung

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