Mit Skorpiongift gegen Krebs
Kann Skorpiongift Krebs heilen? Welche wissenschaftlichen Grundlagen gibt es dafür? Und welche Ansätze sind Gegenstand der Forschung? Der krebsinformationsdienst.med hat Antworten auf diese Fragen. Eine Zusammenfassung haben wir für Sie erstellt.
Skorpiongift ist nicht gleich Skorpiongift. Je nach Art wirkt es unterschiedlich. Tödlich für den Menschen ist der Stich bei nur etwa 25 von insgesamt 2.500 Skorpionarten.
Im Fokus: Chlorotoxin
Die Gifte sind Mischungen aus unterschiedlichen Substanzen. Darunter gibt es kleine Eiweiße (Polypeptide), die speziell auf Ionenkanäle in der Zellmembran von Nerven- und Muskelzellen wirken. Eines davon ist Chlorotoxin, welches für die Krebsforschung interessant ist.
Ursprünglich wurde die Substanz aus dem Gift des gelben Mittelmeerskorpions (Leiurus quinquestriatus) isoliert. Inzwischen sind viele unterschiedliche Chlorotoxine beziehungsweise Chlorotoxin-ähnliche Substanzen bekannt. Ihre Menge in Skorpiongiften ist gering. Sie werden daher in der Regel im Labor synthetisiert.
Der blaue Skorpion
Der blauen Skorpions (Rhopalurus junceus) stammt aus Kuba. Sein Gift wird in der Homoöpathie eingesetzt. Zu dem Mittel mit dem Namen Vidatox gibt es jedoch keine klinischen Daten, die eine Wirkung gegen Krebs belegen könnten.
Eine italienische Gruppe hat in Zelllinien des hepatozellulären Karzinoms und im Tierversuch mit Ratten sogar eher eine tumorfördernde Wirkung beobachtet, berichtet krebsinformationsdienst.med.
Stand der Forschung
Die bislang vorliegenden Forschungsergebnisse zu Skorpiongiften bei Krebs stammen vor allem aus Zell- und Tierversuchen im Labor. Unter anderem konnte gezeigt werden, dass Chlorotoxine speziell an manche Tumorzellen wie Gliomzellen binden und dadurch deren Fähigkeit, in das umliegende Gewebe einzudringen, einschränken können. Wie, das ist noch nicht geklärt.
Weitere Laborversuche zeigen, dass Skorpiongift möglicherweise auch Brustkrebszellen hemmen kann.
Eine frühe klinische Studie untersucht zurzeit Chlorotoxin als Vorlage für gentechnisch veränderte T-Zellen (CAR-T-Zellen). Hier werden patienteneigene T-Zellen gentechnisch so verändert, dass sie an eine Struktur angelehnt sind, die Chlorotoxin ähnelt.
Erste im August 2025 veröffentlichte Ergebnisse deuten bei einzelnen Teilnehmenden auf eine Krankheitsstabilisierung hin. Ob dieser Ansatz weiterverfolgt wird, ist derzeit unklar, berichten die Experten.
Chlorotoxin als Transportvehikel
Geforscht wird auch daran, Chlorotoxin und verwandte Substanzen als Transporter für Chemotherapeutika zu nutzen, und so Medikamente leichter und gezielt in Krebszellen zu bringen.
Abschließend weisen die Experten von Krebsinformationsdienst.med darauf hin, dass es bislang keine Daten zur Sicherheit von Skorpiongift-Produkten bei Krebspatientinnen und -patienten gibt. Es sei nicht ausgeschlossen, dass bei einer Anwendung schwere Nebenwirkungen auftreten können.
Quelle: krebsinformationsdienst.med