Mit Tageslicht gegen den Winterblues

(kib) Die saisonal abhängige Depression, auch als Winterblues bekannt, geht mit anhaltender Müdigkeit und Antrieblosigkeit einher. Doch was passiert dabei eigentlich mit Körper und Geist? Und kann man dagegen etwas tun? Professorin Maria Strauß von der Universitätsmedizin Leipzig beantwortet wichtige Fragen.

23.01.2023

Frau von hinten gezeigt geht durch Winterwald
© Foto: Colourbox (Symbolbild mit Fotomodell)
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Was passiert mit Körper und Geist, wenn der Winterblues kommt, und was sind die Ursachen dafür?

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M. Strauß: Die Ursachen sind sehr komplex und letztendlich nicht gänzlich verstanden. Allerdings gibt es Hinweise dafür, dass der Lichtmangel während der dunklen Jahreszeit eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung eines Winterblues spielt. Durch den zunehmenden Lichtmangel im Herbst und Winter wird das Schlafhormon Melatonin nicht nur nachts, sondern auch tagsüber vermehrt ausgeschüttet. Dadurch reagiert der Mensch mit Abgeschlagenheit und vermehrter Müdigkeit. Gleichzeitig wird auch weniger Serotonin ausgeschüttet. Letzteres kann unter anderem dazu führen, dass die Stimmung nicht mehr ausgeglichen ist.

Welche Menschen sind besonders gefährdet?

M. Strauß: Bei Menschen, die bereits von einer Depression betroffen waren, kann es in der dunklen Jahreszeit zu einem erneuten Auftreten von Symptomen kommen. Auch gibt es Hinweise, dass Menschen mit Verwandten, die zu saisonal bedingten Stimmungsschwankungen neigen, möglicherweise ein höheres Risiko für ein saisonal bedingtes Stimmungstief haben.

Wie kann man einem Winterblues vorbeugen?

M. Strauß: Das beste Mittel, um einem Winterblues vorzubeugen, ist Tageslicht. Empfehlenswert sind zum Beispiele tägliche Spaziergänge an der frischen Luft. Aber auch sportliche Aktivitäten, eine angemessene Balance zwischen Stress und Erholungsphasen und regelmäßige soziale Kontakte sind hilfreich.

Schließlich kann dem Lichtmangel mit einer Lichttherapie begegnet werden. Für die Lichttherapie werden spezielle Lampen mit sehr hellem Licht, also mindestens 2.500 Lux, besser 10.000 Lux, verwendet, welche täglich für etwa 30 Minuten zum Beispiel auf den Frühstückstisch gestellt werden. Wichtig ist, dass alle paar Sekunden direkt in die Lichtquelle geschaut wird.

Auch wenn es sich beim Winterblues nicht um eine Erkrankung handelt, sollte die Nutzung einer Lichtlampe vorher mit einem Arzt besprochen werden. Ein frühzeitiger Beginn der vorbeugenden Maßnahmen im September/Oktober ist sinnvoll.

Wie erkennt man einen Winterblues überhaupt im Unterschied zur Depression?

M. Strauß: Symptome eines Winterblues können ein Stimmungstief, Antriebs- und Lustlosigkeit, vermehrte Erschöpfung, Mattigkeit und Energielosigkeit sein. Ähnliche Symptome können auch bei einer Depression auftreten. Allerdings schwankt die Stimmung bei einem Winterblues nur tageweise, und die Ausprägung ist geringer als bei einer Depression.

Hält die Symptomatik allerdings über mehr als zwei Wochen kontinuierlich an, oder kommen weitere Symptome wie Hoffnungslosigkeit, Appetitminderung, Schlaflosigkeit, Schuldgefühle oder Suizidgedanken dazu, kann eine Depression vorliegen. In diesen Fällen reichen die Maßnahmen gegen einen Winterblues alleine nicht aus und es sollte zusätzlich die professionelle Hilfe eines Arztes oder psychologischen Psychotherapeuten in Anspruch genommen werden.

Was ist Ihr aktueller Forschungsstand zum Thema Winterblues?

M. Strauß: Letztlich ist der Mechanismus nicht gänzlich verstanden. Wir wissen aber, dass Tagesslicht eine wichtige Rolle spielt. Unsere Forschungsanliegen sind, die neurobiologischen Zusammenhänge auf Neurotransmitter-Ebene besser zu verstehen und hier zum Beispiel Marker zu finden, zum Beispiel in der Elektroenzephalographie oder Bildgebung, um zwischen Winterblues und Depression besser unterscheiden zu können.

Quelle: IDW

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