Müssen Ernährungsempfehlungen geändert werden?

(vs/kib) Aktuelle Ernährungsempfehlungen müssen nach neuen Erkenntnissen aus der PURE-Studie möglicherweise über Bord geworfen werden. Den Gesamt-Fettanteil auf weniger als 30 Prozent der Energiezufuhr zu beschränken, wirkt demnach nicht lebensverlängernd. Kritisiert wird die Studie unter anderem von Wissenschaftlern der Universität Hohenheim.

12.09.2017

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Für die PURE-Studie (Prospective Urban Rural Epidemiology) wurden 135 335 Menschen aus 18 Ländern in sieben Regionen der Welt (Nord- und Südamerika, Europa, Mittlerer Osten, Südasien, China, Südostasien und Afrika) zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt und über einen Zeitraum von 7,4 Jahren nachbeobachtet.

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Ergebnis: Probanden mit einem hohen Fettanteil in der Ernährung lebten deutlich länger als jene mit niedriger Fettzufuhr (höchstes vs. niedrigstes Quintil). Die Gesamtmortalität lag signifikant um 23 Prozent niedriger.

Selbst ein erhöhter Konsum gesättigter Fettsäuren ging im Vergleich mit einer 14 Prozent geringeren Sterberate einher, bei einfach gesättigten Fettsäuren war sie um 19 Prozent und bei mehrfach gesättigten Fettsäuren um 20 Prozent geringer.

Eine hohe Zufuhr von Kohlenhydraten ging dagegen mit einem um 28 Prozent erhöhten Sterberisiko einher.

In der PURE-Studie wurde zudem der Zusammenhang zwischen dem Konsum von Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten und der Gesamt- sowie der kardiovaskulären Mortalität untersucht. Probanden mit drei bis vier Portionen pro Tag (etwa 375 g) hatten dabei im Vergleich zu Probanden mit weniger als einer Portion pro Tag ein um 22 Prozent geringeres Sterberisiko. Noch höhere Zufuhr brachte keinen weiteren Lebenszeitgewinn.

Erstaunlicherweise war auch der Einfluss einer ballaststoffreichen Ernährung auf die kardiovaskuläre Mortalität nur gering und statistisch nicht signifikant. Ein hoher Fett- und Kohlenhydratanteil wirkte sich ebenfalls weder vor- noch nachteilig aus.

Die Aussagekraft der Studienergebnisse ist allerdings begrenzt, räumen die Autoren selbst ein. Die Angaben zur Ernährung wurden nur zu Studienbeginn erfasst. Es gibt keine Angaben zur Zubereitung der Lebensmittel, also ob zum Beispiel frittiert oder gebraten wurde. Und auch der Anteil der als besonders schädlich geltenden Transfette wurde nicht erfasst.

Und auch Wissenschaftler der Universität Hohenheim kritisieren, dass die Ergebnisse der Studie so weitreichende Schlüsse wie "die Ernährungsempfehlungen zu Fetten und Kohlenhydraten müssten umgeschrieben werden" gar nicht zuließen. Ein kausaler Zusammenhang zwischen der Menge an Kohlenhydraten und Fett in der Ernährung und der Sterberate sei nicht belegt, so die Experten in einer Mitteilung.

In der Studie sei zwar eine niedrigere Sterberate verbunden mit höherem Konsum von Fett sowie einem niedrigeren Konsum von Kohlenhydraten. Ein hoher Anteil gesättigter Fette in einer Kost mit viel Fleisch und Milchprodukten sei aber in armen Ländern nur ein Indikator für eine gesündere Ernährung.

Entscheidend für eine gesunde Kost sei nämlich eine gute Versorgung mit Mikronährstoffen – und dafür sei ein hoher Anteil an Kohlenhydraten aus Reis, Mais, Weizen, Kartoffeln oder Cassava wenig geeignet.

Solche Kohlenhydrate in der Nahrung nehmen aber mit steigender Armut deutlich zu. Dies führe zu einer schlechten Versorgung mit Mikronährstoffen wie Eisen und Zink.

Quelle: Ärzte Zeitung

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