Neue europäische Leitlinie zur Behandlung von Bluthochdruck

(kib) Die europäische Leitlinie zur Behandlung von Bluthochdruck ist aktualisiert worden. Im Fokus stehen pragmatische Blutdruckziele, die Vermeidung von Folgekrankheiten und neue Risikofaktoren.

29.06.2023

Blutdruckmessung mit Manschette
© Foto: Kurhan / stock.adobe.com
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Auf dem Kongress der „European Society of Hypertension“ Ende Juni in Mailand wurden einige Aspekte der neuen europäischen Leitlinie zur Behandlung von Bluthochdruck vorgestellt. Dabei gibt es einige wesentliche Neuerungen im Vergleich zur bisher gültigen Version von 2018.

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Vereinfachte Zielwertdefinition

Eine Neuerung ist die vereinfachte Zielwertdefinition. So gilt ab sofort die Empfehlung: Jede Patientin, jeder Patient sollte auf einen Wert unter 140/90 mmHg eingestellt werden. Allein damit können die blutdruckbedingte Mortalität und Morbidität signifikant gesenkt werden.

Eine Senkung auf Werte unter 130/70 mmHg sei zwar mit einem noch besseren Therapieergebnis verbunden, sollte aber nur erfolgen, wenn die Patientinnen und Patienten unter einer intensiveren Therapie keine Nebenwirkungen entwickeln, die sie nicht tolerieren können, heißt es in der Mitteilung. So soll vermieden werden, dass Betroffene wegen der Nebenwirkungen die Therapie ganz absetzen.

Verschieden Bluthochdruckstadien

Des Weitern gibt es nun eine Einteilung des Bluthochdrucks nach Stadien:

  • Stadium 1: unkomplizierte Bluthochdruckerkrankung ohne Schäden an den Organen
  • Stadium 2: leichte Schädigungen der Organe erkennbar (z. B. noch nicht sehr weit fortgeschrittene chronische Nierenerkrankung, begleitender Diabetes mellitus)
  • Stadium 3: Vorliegen bluthochdruckassoziierter Herz- oder Gefäßkrankheiten oder fortgeschrittene chronische Nierenkrankheit

Diese Stadieneinteilung gab es auch schon vorher. Sie war jedoch bisher in den Risikokalkulatoren versteckt zu finden. Durch die Herausstellung der Klassifikation wird nun noch deutlicher darauf hingewiesen, dass Bluthochdruck eine ernsthafte Erkrankung mit schweren Spätfolgen ist.

Risikofaktoren

Erstmals wurden in der Leitlinie auch Schlafstörungen, Migräne und Depression als Risikofaktoren für Bluthochdruck genannt. Bei Menschen mit diesen Krankheiten sollte regelmäßig eine Früherkennungsuntersuchung von Bluthochdruck erfolgen.

Auch Luftverschmutzung und Migrationshintergrund werden als Risikofaktoren diskutiert, ebenso wie die geschlechtsangleichende Hormontherapie bei transsexuellen Menschen. Zudem werden Geschlechterunterschiede bei der Bluthochdruckpathophysiologie und -epidemiologie als neues Thema aufgenommen.

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