Neue pharmazeutische Dienstleistungen geplant
Der vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) vorgestellte Referentenentwurf für das geplante Gesetz zur Weiterentwicklung der Apothekenversorgung (ApoVWG) sieht vor, neue pharmazeutische Dienstleistungen in Apotheken zu etablieren.
Diese umfassen laut dem Entwurf insbesondere Maßnahmen der Apotheken zur Prävention und Früherkennung von Erkrankungen und Erkrankungsrisiken sowie zur Verbesserung der Sicherheit und Wirksamkeit einer Arzneimitteltherapie, insbesondere bei:
- der Anwendung bestimmter Wirkstoffe, die nur in besonderen Therapiesituationen verordnet werden
- der Behandlung chronischer schwerwiegender Erkrankungen
- der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Mehrfacherkrankungen und -medikation der Behandlung bestimmter Patientengruppen, die besondere Aufmerksamkeit und fachliche Unterstützung bei der Arzneimitteltherapie benötigen
Die pDL sollen insbesondere die pharmazeutische Betreuung von Patientinnen und Patienten in Gebieten mit geringer Apothekendichte berücksichtigen.
Vier neue pDL geplant
Konkret geht es um vier weitere pDL, die einmal im Jahr in Anspruch genommen werden können. Den Anfang sollen die beiden pDL „Beratung mit Messungen zu Risikofaktoren von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus“ sowie „Beratung in Form einer Kurzintervention zur Prävention tabakassoziierter Erkrankungen“ machen.
Perspektivisch sollen Apotheken dann auch die pDL „Pharmazeutisches Management bei komplexer oder neu verordneter Dauermedikation“ und „Erweiterte Einweisung in die korrekte Arzneimittelanwendung mit Autoinjektoren“ anbieten dürfen.
pDL Beratung zu Risikofaktoren
Diese geplante pDL umfasst die Beratung zu Risikoerkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Adipositas. Schwerpunkt sollen Lebensstilaspekte wie Rauchen, Bewegungsmangel, Fehlernährung und Stress sowie zu Möglichkeiten der lebensstilbezogenen Prävention und zu Früherkennungsangeboten (z. B. „Check-up“) sein.
Dabei sollen insbesondere Blutdruckmessungen und Bestimmungen des Body-Mass-Index berücksichtigt und geeignete etablierte Risikobewertungsmodelle verwendet werden.
pDL „Tabakentwöhnung“
Im Rahmen der pDL sollen Kundinnen und Kunden in einem kurzen, zielgerichteten Gespräch für die negativen Auswirkungen des Tabakkonsums sensibilisiert werden. Ziel ist es zudem, Raucherinnen und Raucher zum Aufhören zu motivieren und konkrete Verhaltensänderungen herbeizuführen, um das Risiko tabakassoziierter Erkrankungen zu reduzieren. Im Gespräch soll auf weiterführende Hilfsprogramme hingewiesen werden.
pDL Pharmazeutisches Medikationsmanagement
Diese pDL ermöglicht eine optimierte Arzneimitteltherapie durch eine Therapieeinstellung oder -begleitung in einer Apotheke während einer ärztlichen Behandlung. Im Falle komplexer Medikationsschemata sollte die Medikationsanalyse der Ausgangspunkt sein, heißt es in dem Referentenentwurf. Die Maßnahme könne genutzt werden, um eine effiziente Behandlung oder eine verbesserte Therapietreue zu fördern.
pDL Autoinjektoren
Der korrekte Umgang mit Autoinjektoren kann nicht nur Leben retten, beispielsweise bei der Anwendung von Adrenalinpens bei allergischen Schocks. Er ist auch bei der Therapie von chronischen Erkrankungen mit häufig teuren Arzneimitteln relevant. Eine richtige Anwendung fördert in diesen Fällen zudem einen effizienten Gebrauch.
PTA können Dokumentation verantworten
Die Bundesapothekerkammer soll jeweils eine Standardarbeitsanweisung mit Empfehlungen für die Durchführung entwickeln. Geplant ist zudem, dass die pDL künftig auch ärztlich verordnet werden können.
Die Durchführung von pharmazeutischen Dienstleistungen und deren Ergebnis sollen in der elektronischen Patientenakte (ePA) dokumentiert und in bestimmten Fällen die behandelnde ärztliche Person darüber informiert werden.
Apothekerinnen und Apotheker können Aufgaben im Zusammenhang mit der Dokumentation auf zum pharmazeutischen Personal der Apotheke gehörende Personen übertragen.
Quelle: Bundesgesundheitsministerium