Neue Therapieempfehlungen für Reizdarm-Patienten

(kib) In den aktuellen Empfehlungen zum Reizdarmsyndrom finden sich viele Neuerungen. Die Autoren setzen vor allem auf ein multimodales Vorgehen und plädieren ganz klar für die Low-FODMAP-Diät.

26.06.2020

Frau hält sich den Bauch vor Krämpfen
© Foto: Piotr Marcinski / stock.adobe.com
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Die Kapitel zur Therapie sind unterteilt in allgemeine Behandlungsverfahren und symptomorientierte medikamentöse Therapien. Gab es bislang keine Ernährungsempfehlungen für Reizdarmpatienten, so sprechen sich die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und die kooperierenden Fachgesellschaften nun klar für die Low-FODMAP-Diät aus, mit der fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie Polyole vermieden werden.

Weiterhin gibt es einen Abschnitt zur Phytotherapie und komplementären Verfahren. Ein separates Kapitel ist ausschließlich Kindern mit Reizdarmsyndrom gewidmet.

Eingeflossen sind außerdem die vielen Studienergebnisse zu Pro- und Präbiotika. Das Problem dabei: Zwar sind vielfach Wirkungen beschrieben, individuell lassen sich diese aber nicht vorhersagen. Fast alle Präparate sind Nahrungsergänzungsmittel, was mit einer oft limitieren wissenschaftlichen Evidenz einhergeht, hieß es hierzu bei einer Online-Pressekonferenz der DGVS.

Bei den medikamentösen Therapien hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan: Für RDS vom Diarrhoe-Subtyp neu aufgenommen worden sind Colesevelam und Eluxadolin, weiterhin gibt es eine starke Empfehlung für 5-HT3-Antagonisten.

Prucaloprid und Linaclotid haben Empfehlungen für Patienten mit Obstipation erhalten. Zur Behandlung bei Schmerzen liegen inzwischen gute Daten für die Wirkung von Spasmolytika vor, speziell Pfefferminzöl wird genannt.

Neu ist die Empfehlung für das Antibiotikum Rifaximin für therapierefraktäre Patienten mit nicht-obstipiertem RDS.

Wichtig sei ein multimodaler Ansatz, betonten die Experten die Hamburger. Nach gesicherter Diagnose, die bevorzugt eine Ausschlussdiagnostik ist, sei Voraussetzung für einen Therapieerfolg das gute Arzt-Patienten-Verhältnis sowie die Kombination aus Allgemein- und symptomorientierten Maßnahmen.

Von den vielfach angebotenen Dysbiose-Tests oder IgG-Testungen auf bestehende Nahrungsmittelunverträglichkeiten als Grundlage der Behandlung raten die Experten ausdrücklich ab: Das sei Kaffeesatzlesen.

Quelle: Ärzte Zeitung

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