Neuer Therapieansatz bei trockener Makuladegeneration

(mmr/fast) Bei trockener Makuladegeneration reichert sich eine bestimmte Sorte von DNA in den Pigmentepithelzellen der Netzhaut an, haben Forschende des Paul-Ehrlich-Instituts entdeckt. Einen möglichen Behandlungsansatz haben sie ebenfalls im Blick.

01.03.2021

Augenausschnitt mit molekularen Strukturen davor
© Foto: natali_mis / stock.adobe.com
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Die Wissenschaftler des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) haben gemeinsam mit einem internationalen Team einen grundlegenden Mechanismus identifiziert, der dazu führen kann, dass bei altersbedingter trockener Makuladegeneration (AMD) für die Sehfähigkeit essenzielle Zellen des retinalen Pigmentepithels absterben. Das Forscherteam konnte demonstrieren, dass sich bewegliche DNA-Elemente, sogenannte transponierbare Alu-Elemente, im Zytoplasma der Pigmentepithelzellen anreichern und die Zellen schädigen. Es sei plausibel, dass es so zur geographischen Atrophie kommt, der Spätform der altersbedingten Makuladegeneration, teilt das PEI mit. 

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Durch eine Metaanalyse von Behandlungsdaten haben die Forschenden auch einen möglichen Therapieansatz ausgemacht. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die RNA der Alu-Elemente durch Enzyme der Wirtszelle in DNA umgeschrieben wird. Könnten diese Enzyme also in ihrer Funktion gehemmt werden, käme es nicht zur Ansammlung der DNA. Einen ähnlichen Wirkmechanismus haben Nukleosidische-Reverse-Transkriptase-Hemmer (NRTI), die bei Patienten mit HIV zum Einsatz kommen. Diese Arzneimittel hemmen die reverse Transkriptase und damit das Enzym, das RNA in DNA umschreibt.

Dass NRTI ein vielversprechender Therapieansatz sein könnten, belege die Auswertung von vier Datenbanken unterschiedlicher US-amerikanischer Krankenversicherungen, in die mehr als 100 Millionen Patienten über einen Zeitraum von 20 Jahren eingeschlossen waren. Innerhalb der Gruppe der mit NRTI behandelten Personen erkrankten 40 Prozent weniger an trockener AMD als Personen ohne NRTI-Behandlung, heißt es in der Mitteilung des PEI. Vorbereitungen für erste klinische Prüfungen zur Anwendung von NRTI sind nach Angaben des PEI bereits initiiert worden.

 

Quelle: Ärzte Zeitung

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