Neuer Trend Nikotin-Zahnstocher
- Nikotin-Zahnstocher setzen beim Kauen rasch Nikotin frei, was schnell zu einer starken körperlichen Abhängigkeit führen kann.
- Ihre süßen Aromen und das harmlose Aussehen machen sie speziell für Kinder und Jugendliche attraktiv.
- Trotz fehlender deutscher Zulassung sind die Stäbchen mit Nikotin online leicht verfügbar.
Nikotin-Zahnstocher sind kleine, mit Nikotin und Aromen versetzte Holzstäbchen. Sie werden unter anderem auf TikTok beworben – für zwischendurch oder zur Beruhigung vor dem Einschlafen.
Experten warnen, dass sie trotz ihrer unauffälligen Optik ein hohes Suchtpotenzial bergen. Da sie wie normale Zahnstocher aussehen und oft süß schmecken, sind sie besonders für Kinder und Jugendliche gefährlich.
Die Details im Überblick
Die Holzstäbchen enthalten meist zwischen zwei und sechs Milligramm Nikotin. Beim Kauen oder Lutschen wird der Stoff über die Mundschleimhaut absorbiert. Dies führt zu ähnlichen Effekten und Abhängigkeitsrisiken wie beim klassischen Rauchen oder Vapen.
In Deutschland sind Nikotin-Zahnstocher weder zugelassen noch verkehrsfähig. Dennoch ist es möglich, sie online zu kaufen. Sie sind oft problemlos über Shops aus dem Ausland zu beziehen – und das, obwohl der Erwerb aufgrund des Nikotingehalts erst ab 18 Jahren gestattet wäre.
Hohe Verwechslungsgefahr
Erschwerend kommt hinzu, dass aromatisierte, nikotinfreie Zahnstocher (etwa in den Sorten Apfel, Pfirsich oder Zimt) regulär in deutschen Supermärkten verkauft werden. Sie sind zugelassen und machen nicht abhängig. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt jedoch eindringlich davor, dass nikotinhaltige Stäbchen extrem leicht mit diesen und auch mit herkömmlichen Produkten verwechselt werden können.
Nikotin-Zahnstocher bisher kaum untersucht
Ob die enthaltene Nikotinmenge komplett aufgenommen wird, ist unklar. Es fehlen Studien dazu. Suchtforscherin Dr. Andrea Rabenstein vom LMU Klinikum München weist jedoch darauf hin, dass erste Tests zeigen: Das Nikotin gelangt aus den Zahnstochern sehr schnell ins Blut. Das ist hochgefährlich, denn je schneller eine Substanz das Gehirn erreicht, desto stärker macht sie abhängig.
Die Suchtmedizinerin wird dies in Zusammenarbeit mit dem BfR genauer untersuchen. Voraussichtlich Ende des Jahres soll dazu eine entsprechende Studie erscheinen.
Warum Fachleute vor dem Trend warnen
Das Alkaloid Nikotin gelangt über die Zahnstocher direkt in den Blutkreislauf. Unabhängig von der Konsumform gilt der Stoff als stark suchterzeugend. Zu den möglichen akuten körperlichen Folgen zählen:
- Übelkeit und Erbrechen
- Schwindel
- Herzrasen sowie ein Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz
Bei höheren Mengen sind auch ausgeprägte Vergiftungssymptome möglich. Zudem warnen Fachleute vor lokalen Risiken im Mundraum, wie Reizungen der Schleimhaut und Zahnfleischproblemen.
Ein Konsum durch Heranwachsende ist besonders kritisch zu bewerten. Da sich das Gehirn noch in der Entwicklung befindet, können sich toxische Konsummuster früh verfestigen.
Experten befürchten daher, dass Nikotin-Zahnstocher als direkter Einstieg in eine spätere Nikotinabhängigkeit dienen können – ganz besonders dann, wenn sie über soziale Netzwerke und süße Aromen als harmloser Lifestyletrend vermarktet werden.
Quelle: zeit.de, tagesschau.de, tara24