Paracetamol in der Schwangerschaft
Die Forscherinnen und Forscher der Studie kommen zu dem Schluss, dass die Einnahme von Paracetamol das Risiko für die Entwicklung einer Autismus-Spektrum-Störung, einer ADHS oder einer geistigen Behinderung nicht signifikant erhöht.
Dr. Jana Meixner, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation und Leiterin Medizin Transparent, Donau-Universität Krems, Österreich beurteilt die Methodik der Studie positiv und bescheinigt den Autorinnen und Autoren, diese solide durchgeführt zu haben.
Sie erklärt in einer Pressemitteilung: „Die systematische Übersichtsarbeit scheint eine vollständige und verlässliche Zusammenfassung der aussagekräftigsten Studien zur Sicherheit von Paracetamol in der Schwangerschaft hinsichtlich des Auftretens von Autismus-Spektrum-Störungen (ASD), dem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder intellektuellen Entwicklungsstörungen beim Kind zu sein. Das Ergebnis zeigt absolut keinen Zusammenhang zwischen Paracetamol und ASD, ADHS oder anderen intellektuellen Entwicklungsstörungen.“
Und weiter: „Ein früher beobachteter scheinbarer Zusammenhang beruht wahrscheinlich auf Verzerrungen (Bias) in den Studien, wie zum Beispiel familiäre oder genetische Vorbelastung, Fehler in der Erinnerung der Teilnehmenden (recall bias) oder Fieber und Erkrankungen der Schwangeren, die erst der Grund für die Paracetamol-Einnahme waren.
Wie das Studienteam in der Übersichtsarbeit betont, erhöht hohes Fieber während der Schwangerschaft das Risiko für Fehlgeburten und Entwicklungsstörungen beim Kind. Ein wirksames fiebersenkendes und schmerzstillendes Mittel in der Schwangerschaft zur Verfügung zu haben, ist daher wichtig.“
Paracetamol sei eines der wenigen Medikamente, die Schwangere einnehmen dürfen. Ungerechtfertigt Angst vor dem Medikament zu schüren, ist aus Meixner Sicht unverantwortlich und geht auf Kosten der Gesundheit von Schwangeren und ihrer Kinder.
Hintergrund
Im vergangenen Herbst betonte die US-Administration, dass ein Zusammenhang zwischen der Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft und Autismus bestehe. Sie berief sich dabei auf die Ergebnisse einer populationsbasierten Studie aus dem Jahr 2024 mit knapp 2,5 Millionen Kindern aus Schweden. In dieser fanden Forschende Hinweise auf ein leicht erhöhtes Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen wie der Autismus-Spektrum-Störung und ADHS nach Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft.
Diese Assoziation konnte jedoch bei einem Vergleich von Geschwisterpaaren – bei der die Mutter während der einen Schwangerschaft kein Paracetamol einnahm, während der anderen Schwangerschaft schon – nicht nachgewiesen werden. Dennoch nahm die US-Regierung die Ergebnisse zum Anlass, die US-amerikanische Zulassungsbehörde damit zu beauftragen, die Sicherheitskennzeichnung von Paracetamol zu ändern.
Ursula von Mandach, emeritierte Professorin und Leiterin der Geschäftsstelle der Schweizerischen Akademie für Perinatale Pharmakologie SAPP, Universitätsspital Zürich, Schweiz, ergänzt in der Pressemitteilung: „Die Studie liefert keine Informationen zur Dauer und Dosierung von Paracetamol.“ Daher müsse die Beurteilung oberflächlich bleiben, so von Mandach.
Es gebe allerdings „gute Daten, die nach der Anwendungsdauer von Paracetamol aufschlüsseln.“ Im Falle von Schmerzen und Fieber bei Infekten ist der Wirkstoff ihr zufolge eine wichtige Hilfe für Schwangere, solange er maximal zwei Wochen und nicht dauerhaft angewendet wird.
Quelle: Science Media Center