Pilzvergiftungen erkennen und vermeiden
- Der Grüne Knollenblätterpilz verursacht rund 90 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen in Deutschland.
- Erste Symptome zeigen sich oft erst Stunden nach dem Verzehr, wenn das Gift bereits die Leber angreift.
- Bei Verdacht sofort Giftinformationszentrum oder Notarzt kontaktieren und Pilzreste für die Diagnose aufbewahren.
Damit die Sammelaktivität möglichst vergiftungsfrei verläuft, mahnt die Deutsche Leberstiftung zur Vorsicht beim Sammeln von Pilzen. Nur sicher bestimmte Pilze gehören in den Kochtopf. Andernfalls drohen lebensbedrohliche Leberschäden.
Grüne Knollenblätterpilze
Einer der gefährlichsten heimischen Giftpilze ist der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides). Er zählt auch in Deutschland zu den toxischsten Pilzen und ist für circa 90 Prozent aller durch Pilzvergiftungen verursachten Todesfälle verantwortlich.
Besonders tückisch: Die Beschwerden setzen häufig erst viele Stunden nach dem Verzehr ein, wenn die giftigen Substanzen bereits aus dem Magen-Darm-Trakt aufgenommen und über die Blutbahn in die Leber gelangt sind. Zu diesem Zeitpunkt haben sich die Giftstoffe bereits im gesamten Körper verteilt.
Verantwortlich für die lebensbedrohliche Wirkung sind Amatoxine, allen voran das hochgiftige alpha-Amanitin. Bereits der Verzehr eines einzigen Giftpilzes kann ausreichen, dass die hitzestabilen Toxine über den Blutkreislauf in die Leber gelangen und ein akutes Leberversagen auslösen.
Besonders für Kinder und ältere Menschen ist die Gefahr extrem groß, da bei ihnen bereits kleine Mengen giftiger Pilze schwere gesundheitliche Schäden hervorrufen können. Eine möglichst frühzeitige medizinische Behandlung ist in solchen Fällen entscheidend für den weiteren Verlauf.
Sichere Pilzbestimmung ist entscheidend
Beim Sammeln von Pilzen ist besondere Vorsicht geboten. Wer nicht über langjährige Erfahrung und fundiertes Pilzwissen verfügt, sollte unbedingt einen Experten oder eine Expertin, vorzugsweise einen Pilzsachverständigen, zu Rate ziehen – oder auf geprüfte Speisepilze aus dem Handel zurückgreifen.
Von einer alleinigen Bestimmung mithilfe von Pilzführern oder Apps wird ausdrücklich abgeraten, da anhand von Fotos die Unterscheidung der Pilze oft kaum möglich ist. Verwechslungen treten besonders häufig bei jungen oder noch nicht vollständig ausgebildeten Fruchtkörpern auf.
Auch vermeintlich bewährte „Hausregeln" sind trügerisch: Weder Verfärbungen von mitgekochten Silberlöffeln oder Zwiebeln noch Fraßspuren von Tieren geben verlässliche Hinweise auf die Ungiftigkeit. So wird der für Menschen tödlich giftige Grüne Knollenblätterpilz beispielsweise von Schnecken problemlos vertragen.
Erste Maßnahmen bei einer Pilzvergiftung
Pilzvergiftungen können nach dem Verzehr giftiger Arten ebenso auftreten wie durch falsch gelagerte oder unsachgemäß zubereitete Speisepilze. Medizinisch wird zwischen echten Vergiftungen durch Giftpilze und Unverträglichkeitsreaktionen unterschieden – in beiden Fällen gilt: Je schneller gehandelt wird, desto besser die Behandlungschancen.
Typische Symptome
- Übelkeit
- Erbrechen
- Durchfall
- Schweißausbrüche
- Benommenheit
Was tun im Notfall?
Wie Betroffene sich verhalten sollten, ist auch für PTA am HV relevantes Beratungswissen: Wer nach dem Verzehr von Pilzen entsprechende Anzeichen bemerkt, sollte umgehend ärztliche Hilfe aufsuchen oder den Notarzt rufen – auch die Kontaktaufnahme zu einem Giftinformationszentrum kann hilfreich sein.
Zur Unterstützung der Diagnose gilt: Reste der Pilzmahlzeit sollten zusammen mit eventuell vorhandenem Erbrochenem dem behandelnden Arzt übergeben werden. Das erleichtert die Bestimmung der Vergiftungsursache und ermöglicht eine gezielte Behandlung. Zudem sollten alle Personen informiert werden, die von derselben Pilzmahlzeit gegessen haben, damit sie auf mögliche Symptome achten und bei Beschwerden ebenfalls umgehend ärztliche Hilfe suchen.
Von vermeintlichen Hausmitteln wie ‚Milch trinken‘ oder dem absichtlichen Auslösen von Erbrechen ist dringend abzuraten. Erbrochenes kann in die Atemwege gelangen, und Milch kann die Aufnahme bestimmter Giftstoffe sogar begünstigen und die Situation verschlimmern.“
Fachkundige Unterstützung bei der Pilzbestimmung
Wer Pilze sammelt und sich bei der Bestimmung nicht absolut sicher ist, sollte fachkundige Hilfe in Anspruch nehmen. Speziell ausgebildete Pilzsachverständige begutachten Funde und geben grünes Licht für den Verzehr; auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) kann man gezielt nach solchen Experten suchen.
Zudem richten viele Städte zur Pilzsaison spezielle Beratungs- und Kontrollstellen ein, an denen Fachleute Auskunft geben – Informationen dazu gibt es bei der jeweiligen Stadt- oder Gemeindeverwaltung.
Quelle: Deutsche Leberstiftung