Psychische Störungen: Helfen Supplemente?

(kib) Bestimmte Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Inhaltsstoffe können bei psychischen Erkrankungen ergänzend zur Standardbehandlung eingesetzt werden. Für welche gibt es Evidenz? Diese Frage beantwortet ein Experte des Universitätsklinikums Münster.

23.12.2025

Köpfe von zwei Menschen mit Nüssen Gehirnform und Pillen Gehirnform.
© Foto: Radachynskyi / iStock
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„Die Ernährung hat nachweislich einen Einfluss auf die psychische Gesundheit“, berichtet Professor Bernhard Baune, Klinikdirektor der Klinik für Psychische Gesundheit am Universitätsklinikum Münster in einem Sonderheft der Fachzeitschrift DNP – Die Neurologie & Psychiatrie.

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Gut belegt sei beispielsweise der positive Einfluss antiinflammatorisch wirksamer Ernährungsstile (z. B. mediterrane Diät) auf depressive Symptome. Weiter führt Baune aus, dass auch einige Mikronährstoffe sowie pflanzliche Supplemente eine Rolle spielen können in der Behandlung psychischer Erkrankungen.

Supplemente

Mit Blick auf die psychische Gesundheit haben Forscherinnen und Forscher in den vergangenen Jahren die Effekte verschiedener Nährstoffe mit antientzündlichen und/oder antioxidativen Eigenschaften näher betrachtet. Beispiele sind Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D, Zink, Kurkumin und Safran.

Omega-3-Fettsäuren

Für langkettige Omega-3-Fettsäuren wie Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure ist bekannt, dass sie regulierend auf die dopaminerge und serotonerge Neurotransmission wirken. Somit können sie potenziell auch psychische Erkrankungen positiv beeinflussen, erklärt der Mediziner.

So verringerten Supplemente in einer iranischen Metaanalyse zwar nicht das Risiko, eine Depression zu entwickeln. Omega-3-Fettsäuren in einer täglichen Dosis von einem Gramm sorgten jedoch bei Menschen mit Depression für eine deutliche Besserung der Symptome. Besonders groß waren die Effekte bei Dosen von 1,5 Gramm täglich.

In einer weiteren Metaanalyse sorgte die Gabe von Omega-3-Fettsäuren (1 g/d) dafür, dass sich Angstsymptome moderat verringerten. Hier wurde der größte Effekt bei zwei Gramm pro Tag festgestellt.

Vitamin D

In Querschnittstudien wurde gezeigt, dass niedrige 25-Hydroxyvitamin-D3-Spiegel mit Depressionen assoziiert sind, berichtet Baune in seinem Fachbeitrag.

Eine Metaanalyse lässt den Schluss zu, dass eine Supplementation mit Dosen von über 2.000 IE pro Tag tendenziell Symptome bessern kann, beispielsweise bei Müttern mit perinatalen depressiven Symptomen oder Personen mit Major-Depression.

Zink

Der Mineralstoff Zink ist ein antioxidativer Mikronährstoff. Seine Dysregulation im Gehirn wird mit psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie und Depression in Verbindung gebracht.

Die Aussagekraft vorhandener Studien ist unter anderem wegen einer breiten Heterogenität der Studienpopulationen eingeschränkt, berichtet der Mediziner. Möglicherweise ist Zink eine sinnvolle Ergänzung für Menschen, die Antidepressiva einnehmen, besonders wenn die Krankheitssymptome nicht nachlassen unter der Standardtherapie

Kurkumin und Safran

Der pflanzliche Inhaltsstoff Kurkumin ist möglicherweise antiinflammatorisch, antioxidativ und antidepressiv wirksam. Klinische Studien und Metaanalysen führten zu keinen konsistenten Ergebnissen. Eine groß angelegte randomisiert-kontrollierte Studie ergab jedoch positive Effekte von Kurkumin auf depressive Symptome, berichtet der Experte. 

Für Safran ergab eine systematische Metaanalyse, dass dieser signifikant wirksamer war als Placebo in der Behandlung von Depressionen, Angstzuständen und Schlafstörungen.

L-Methylfolat

Für die DNA-Synthese, den Homocysteinstoffwechsel und die Produktion von Neurotransmittern wird L-Methylfolat, auch als aktives Folat bekannt, benötigt. Es wird im Rahmen des Folatzyklus aus Folat mithilfe des Enzyms Methylentetrahydrofolat-Reduktase gebildet und wirkt als Methylgruppendonator bei verschiedenen Stoffwechselprozessen.

Eine zusätzliche Gabe von L-Methylfolat könnte die Effizienz dieser Prozesse steigern und somit die Wirkung von Antidepressiva verbessern. Die bisherigen Studien zeigen hierfür allerdings bislang nur kleine positive Effekte, beschreibt Baune die Datenlage.

Weitere

Seit langem wird Hypericum perforatum (Johanniskraut) als Monotherapie zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. Hinweise auf Wirksamkeit bei psychischen Erkrankungen gibt es unter anderem auch zu Lavandula angustifolia (Lavendel). 

Über eine Modulation des Mikrobioms können präbiotische Fasern (z. B. Fruktane, Galactooligosaccharide) möglicherweise gesundheitsfördernde Effekte entfalten.

Derzeit nicht empfohlen werden können, so Baune, Vitamin C, Magnesium, Folsäure, N-Acetylcystein, Inositol, Kreatin und Tryptophan. 

Fazit

Professor Baune zieht als Fazit, dass es Hinweise auf einen Einfluss einzelner Nahrungsergänzungsmittel und pflanzlicher Inhaltsstoffe auf die psychische Gesundheit gibt. Nach derzeitiger Evidenzlage kommen zur ergänzenden Behandlung der Depression vor allem Omega-3-Fettsäuren infrage, eventuell auch Zink und Methylfolat.

Schwache Empfehlungen gibt es ihm zufolge für Vitamin D, vorläufige für den ergänzenden Einsatz von Kurkuma und Safran.

Auch wenn im Bereich der Supplemente einige randomisiert-kontrollierte Studien existieren, sollten insbesondere weitere Langzeitstudien zur Ermittlung langfristiger Therapieerfolge durchgeführt werden, bemerkt Baune abschließen. Auch andere Substanzen sollten weiter erforscht werden, um ein breiteres Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung zu haben.

Quelle: Springer Medizin Verlag

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