Reisethrombose: Vorbeugung und Beratung

Lange Sitzphasen im Flugzeug, Auto, Bus oder Zug erhöhen das Thromboserisiko, nicht nur auf Langstreckenflügen. Das CRM Centrum für Reisemedizin rät Reisenden deshalb zu einer realistischen Risikoeinschätzung und gibt konkrete Empfehlungen für die Beratung in der Apotheke.

von Kirsten Bechtold
20.10.2026

Schwangere Frau sitzend im Flugzeug (Ausschnitt)
© Foto: MEDIAIMAG / stock.adobe.com
Anzeige
  • Ab vier bis sechs Stunden Sitzen – egal ob im Flugzeug, Auto, Bus oder Zug – steigt das Thromboserisiko.
  • Risikofaktoren wie frühere Thrombosen, Schwangerschaft oder Thrombophilie erfordern ärztlichen Rat vor der Reise.
  • Für Gesunde reichen Basismaßnahmen; bei erhöhtem Risiko können Kompressionsstrümpfe sinnvoll sein.

Was ist eine Reisethrombose?

Die Reisethromboembolie gilt als besondere Form der Sitzthrombose. Gemeint ist eine tiefe Beinvenenthrombose, mit oder ohne Lungenembolie, die während oder nach einer längeren Reise mit anhaltendem Sitzen auftreten kann. Fachlich wird ihr Auftreten in einem Zeitraum von bis zu acht Wochen nach Reiseende diskutiert; als relevant gelten vor allem ununterbrochene Sitzphasen von mehr als vier bis sechs Stunden.

Aktueller Podcast

Wie hoch ist das Thromboserisiko wirklich?

Das absolute Risiko für eine symptomatische Reisethrombose ist jedoch insgesamt niedrig. Zahlen aus einer aktuellen Kohortenstudie unterstreichen das: In einer Kohortenstudie mit 8.755 Beschäftigten internationaler Organisationen wurde für Flugreisen ein Ereignis auf 4.656 Flüge beziehungsweise 215 venöse Thromboembolien pro eine Million Reisende beschrieben. Bei Flügen über 16 Stunden stieg das Risiko auf ein Ereignis pro 1.264 Flüge beziehungsweise 798 Ereignisse pro eine Million Reisende.

Risikofaktoren für eine Reisethromboembolie

„Gesunde Reisende müssen wegen eines Langstreckenflugs in der Regel keine Angst vor einer Thrombose haben“, so Professor Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. „Anders sieht es aus, wenn mehrere Risikofaktoren zusammenkommen. Dann sollte die Prävention nicht dem Zufall überlassen werden.“ Zu den Risikofaktoren zählen:

  • eine frühere venöse Thromboembolie
  • aktive Krebserkrankungen
  • schwere Adipositas
  • Schwangerschaft und Wochenbett
  • Östrogeneinnahme, etwa bei hormoneller Verhütung
  • höheres Alter und eingeschränkte Mobilität
  • bekannte Thrombophilie (erhöhte Neigung zur Blutgerinnselbildung)
  • familiäre Vorbelastung sowie ausgeprägte Krampfadern oder chronische Venenerkrankungen
  • kürzlich zurückliegende Operationen oder Verletzungen mit eingeschränkter Beweglichkeit (z. B. durch Gips oder Schiene)

Reisende sollen ausreichend trinken, ihre Wadenmuskelpumpe etwa durch Fußwippen aktivieren und lockere Kleidung tragen. Alkohol ist zu vermeiden.S3-Leitlinie Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE)

Praktische Maßnahmen zur Thrombosevorbeugung

Seit 2025 ist in der S3-Leitlinie Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE) folgende  konsensbasierte Empfehlung enthalten: "Reisenden auf langen Reisen soll zu allgemeinen Basismaßnahmen der VTE-Prophylaxe geraten werden: ausreichende Flüssigkeitszufuhr, einfache Übungen zur
Aktivierung der Muskelpumpe wie Fußwippen sowie Vermeidung von Alkoholkonsum und von zu enger Kleidung während der Reise."

Raten Sie Kundinnen und Kunden also auf langen Reisen, die Beine regelmäßig zu bewegen – im Sitzen etwa durch Fußkreisen, das Anziehen und Strecken der Fußspitzen oder das Anspannen der Wadenmuskulatur. Wenn möglich, sollten sie zwischendurch aufstehen und einige Schritte gehen. Ein Gangplatz erleichtert das.

„Kompressionsstrümpfe können für Reisende mit erhöhtem Thromboserisiko sinnvoll sein – vorausgesetzt, sie passen richtig und werden korrekt getragen“, sagt Jelinek. Medikamente sind dagegen kein Standard: „Gerinnungshemmende Medikamente sind dagegen keine Standardlösung für lange Reisen. Sie gehören in die ärztliche Einzelfallentscheidung.“ Dazu zähle auch eine Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS).

Wann zur ärztlichen Beratung raten?

Das CRM empfiehlt Reisenden mit früherer Thrombose, bekannter Thrombophilie oder mehreren Risikofaktoren, sich rechtzeitig vor längeren Reisen ärztlich beraten zu lassen. 

Treten nach einer Reise Warnzeichen wie einseitige Beinschwellung, Wadenschmerz, Atemnot, Brustschmerz oder plötzlicher Leistungsabfall auf, sollten diese umgehend medizinisch abgeklärt werden.

Quelle: Centrum für Reisemedizin

Kommentar schreiben

Die Meinung und Diskussion unserer Nutzer ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie im Sinne einer angenehmen Kommunikation auf unsere Netiquette. Vielen Dank!

Pflichtfeld *