Saharastaub: Gefahr für Lunge, Herz und Atemwege?
- Saharastaub erhöht die Feinstaubwerte in der Atemluft in Italien und Mitteleuropa.
- Kurzfristig steigen an Saharastaub-Tagen die kardiovaskuläre Sterblichkeit sowie Asthma-Schübe, allergische Rhinitis und Atemwegsinfekte.
- Wüstenstaub bindet vermutlich mehr Mikroorganismen, Toxine und Allergene und wirkt dadurch stärker entzündungsfördernd als menschengemachter Feinstaub.
Wie Wüstenstaub zusammengesetzt ist
Die medizinische Bewertung von Saharastaub ist relativ komplex, erklärte Forastiere beim Kongress der European Respiratory Society, der vom 5. bis 9. September in Barcelona stattfand. Hauptbestandteil sind ihm zufolge größere Feinstaubpartikel mit einem Durchmesser von bis zu zehn Mikrometern (PM10-Partikel).
Aber auch kleinere Partikel mit einem Durchmesser von höchstens 2,5 Mikrometern (PM2,5) sind in relevantem Umfang enthalten, berichtet der Forscher. Diese sind rund 30-mal kleiner als ein menschliches Haar und mit bloßem Auge nicht zu erkennen.
Deutlich höhere Feinstaubwerte an Saharastaub-Tagen
Messungen in Europa zeigen: An Tagen mit Saharastaub steigen die PM10-Konzentrationen in der Atemluft in Italien um das Zweieinhalbfache, in Mitteleuropa um rund die Hälfte.
Auswirkungen auf Herz, Kreislauf und Atemwege
Die kurzfristigen gesundheitlichen Effekte dieser Feinstaubbelastung wurden bereits mehrfach untersucht. Die Studien zeigen einen nachweisbaren Effekt auf die kardiovaskuläre und die Gesamtsterblichkeit – in ähnlicher Größenordnung wie bei menschengemachtem Feinstaub.
Deutlich höher ist an Saharastaub-Tagen zudem die respiratorische Morbidität: Dazu zählen unter anderem Asthma-Exazerbationen, allergische Rhinitis und Atemwegsinfektionen.
Warum Saharastaub besonders entzündungsfördernd wirkt
Auch zu den Mechanismen dahinter wird geforscht. Eine Übersichtsarbeit zeigt beispielsweise, dass Wüstenstaub entzündliche Reaktionen in Atemwegen und Blutgefäßen auslösen kann.
Diese Effekte sind bei Saharastaub stärker ausgeprägt als bei menschengemachtem Feinstaub. Laut Forastiere könnte das daran liegen, dass Saharastaub Mikroorganismen, Toxine und Allergene besser bindet als menschengemachter Staub. Diese lösen dann in Atemwegen und Blutgefäßen die Entzündungsreaktionen aus. Insgesamt sei allerdings noch sehr vieles unklar.
Quelle: Ärzte Zeitung